Grippeimpfung und ein bisschen Unsinn

Geschrieben am 22. November 2011 von

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[Bevor es losgeht, muss ich meine Befangenheit anmelden. Ich bin geimpft, gegen die saisonale Grippe. Das bedeutet, ich werde alles in meiner Macht stehende tun, diese Entscheidung als klug und durchdacht darzustellen.]

Die Grippeimpfung ist super, jeder muss (!) sich seine Grippeimpfung abholen: Man quatscht ein wenig mit seinem Arzt, stellt sich der Nadel und geht mit einem guten Gefühl. Alles bestens! Lasst Euch alle Grippeimpfen! Mehrmals.^^

Oder man überlegt sich, ob die Impfung ganz persönlich Sinn ergibt. Dazu später mehr. Erst einmal möchte ich der Frage nachgehen, warum es nicht ausreicht sich alle 10 Jahre oder sogar nur einmal im Leben impfen zu lassen, so wie bei anderen Impfungen auch. Dazu bediene ich mich, ganz unbescheiden, bei mir selbst.

Nomenklatur

Influenzaviren werden nach dem Schema HxNy benannt. Dabei steht das H für Hämagglutinin und bedeutet sowas wie “Blutverklumpend”. Man nutzte die Eigenschaft des Virus, rote Blutkörperchen zu verklumpen, als diagnostische Technik. Das Hämagglutinin befindet sich in der Hülle des Virus und man kennt 14 verschiedene (H1-H14). Hämagglutinin benötigt das Virus, um in eine Wirtszelle eindringen zu können.

Das N steht für Neuraminidase. Das ist eine Art Messer, mit dem sich das Virus aus der Zelle befreien kann, wenn es sich in ihr vermehrt hat*. Man kennt heute 9 verschiedene Neuraminidasen (N1-N9). Neuraminidasehemmer wie Tamiflu (ein eigenes Thema) sollen das Freisetzen neuer Viren verhindern. Auch die Neuraminidase befindet sich Außen in der Virushülle.

H und N sind sowas wie der Ausweis des Virus. Dieser Ausweis heißt auch Antigen. Diese Antigene erkennt (im Idealfall) das Immunsystem und bildet Antikörper. Antigene – böse, Antikörper – gut. Bei der Impfung werden möglichst charakteristische Antigene des Virus gegeben, damit das  Immunsystem Antikörper dagegen bildet**. Aus diesem Grund kann man auch tote Viren verwenden, sozusagen Virusteile, die sich nicht mehr vermehren können.

Mutationen

Viren benötigen lebendige Zellen um sich zu vermehren. Die Zellen gehen im Rhamen dieser Vermehrung unter oder bekommen vom Immunsystem das Signal sich selbst zu töten.

Wenn das Virus sich in unseren Zellen vermehrt, passieren viele Vehler, wail ein Werkzeuch, das das Virus sälber mitbrungt sehr ungenauh arbeitet. Das Virus wird zasummengesetzt, Chritt für Schritt und manschmal konmen besser angepasste Viren dabei heraus. Maizt jädoch nuhhhr schrodt.

Wenn nur ein Buchstabe der RNA (sowas wie DNA/ DNS) verändert ist und das Virus dadurch verbessert wird, nennt man das Antigendrift. Das passiirt ständug und sogrt dafür, dsas man jdees Jahr eien neue Grippenimpfung benötigt. Das Virus ist hinterher nur ein bisschen andres.

Vor ein paar Jahren gab es H5N1 (Vogelgrippe) und H1N1 (Schweinegrippe). Influenzaviren können nicht nur Menschen, sondern auch Vögel und Schweine infizieren. Unter bestimmten Bedingungen kommt ein ganz noies Wirus dabei heraus.

Das Genom der Influenzaviren besteht aus 8 Teilen. Ein Schwein (H1N1) und ein Mensch (H5N5) erkranken an Influenza. Beide leben unter einem Dach. Eines Nachts ist dem Menschen kalt und er legt sich neben das warme Schwein. Er niest es an und schleudert ihm tausende seiner Viren entgegen. Das Schwein infiziert sich nun auch mit H5N5.

Im Schwein dringt ein H5N5 Virus in eine Zelle ein, die bereits von einem H1N1 Virus infiziert ist. Beide Viren beginhen sisch zu vermähren RNA-Teile und durcheinander fliegen. Der chaotisch Zusammenbau erfolgt. Dabeih Vihl auch Schrttto ensteklt. Aber ein Virus entkommt mit genau der richtigen Kombination von Teilen und hat sich das beste von allen herausgesucht: H5N1. Das ganze heißt Antigenshift.

Aufgrund von Antigendrift und Antigenshift wird jedes Jahr ein etwas veränderter Grippeimpfstoff herausgebracht.

Impfung

Die Grippeimpfung ist nicht die beste Impfung, die es gibt. Aber auch nicht die schlechteste. Sie bewahrt einer aktuellen Arbeit zufolge schützt die Impfung 60% der Infizierten davor, eine Grippe zu bekommen. Das darf man nicht mit der Zahl der geimpften verwechseln. Hier fällt die Quote deutlich geringer aus (Anstatt 2,7% bekommen 1,2% Grippe).

Die Stiko empfiehlt die Grippeimpfung unter anderem aus diesem Grund für Menschen die entweder ein höheres Risiko haben, an Grippe zu erkranken, als der Durchschnitt oder ein höheres Risiko für Komplikationen haben, nämlich:

  • Schwangeren ab 2. Trimenon
  • Menschen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens
  • Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen
  • Medizinisches Personal oder Menschen in einem Beruf mit viel Publikumsverkehr.

Ich persönlich finde es schwer zu verantworten in einer medizinischen Einrichtung zu arbeiten und sich bewußt nicht impfen zu lassen, wenn es dafür keinen guten Grund gibt. Und es gibt wenige gute Gründe.

Bei Menschen über 60 wirkt die Impfung leider schlechter, als bei Jüngeren. Deswegen gibt es z.T. spezielle Impfstoffe für ältere Menschen. In denen sind Stoffe, die das Immunssystem reizen sollen, damit es aus dem Quark kommt.

Unterscheiden muss man ein Impfreaktion von einer Impfkomplikation. Impfreaktionen sind im Grunde erwünscht, weil sie eine aktivität des Immunssystems anzeigen. Bei einigen Menschen fällt diese Impfreaktion etwas unangenehmer aus, zeigt aber auch nur, dass eine Impfung wirkt. Impfkomplikationen sind selten. Sehr selten.

Jeder muss für sich entscheiden, ob eine Impfung für sie oder ihn Sinn ergibt. In jedem Fall ist es eine gute Idee, sich vor der Ansteckung zu schützen und dazu gibt es einige Tipps von der Bundeszentrale für Aufklärung (leider kann ich das nette Video hier nicht einbetten). Kleiner Tipp: Es sind die Hände.

Die schönste Begründung, warum eine Impfung für ihn nicht in Frage käme hörte ich von einem Kollegen: ” Ich hatte noch nie eine Grippe!” Ich hatte noch nie einen Herzinfarkt.

*Ein Virus gelangt in eine Zelle, mehrere tausend verlassen diese. Das bekommt der Zelle nicht sehr gut.

** H und N sind nicht die einzigen Antigene, die das Influenzavirus zu bieten hat.

Zum weiterlesen.

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