Aufgefasst & abgebissen – die 11. KW in Italien bis Freitag

Posted on 18. März 2011 von

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Höhepunkte der Woche südlich der Alpen – Fest der italienischen Einheit und no Berlusconi

„L’Italia è in festa“ ist das inoffizielle Motto gewesen, und sie sind ihm in Massen gefolgt. Zwei Tage lang haben sich die Menschen auf den Straßen, den Plätzen eingefunden, obwohl es unaufhörlich geregnet hat und im Norden richtig kalt war. La notte bianca, eine durchwachte Nacht dazwischen, da Museen offen hatten, Sonderausstellungen, Theater und Opernhäuser. Am lautesten in Turin, der Hauptstadt der Region Piemont, die bei Ausrufung der Nation Italien am 17. März 1861 zur Kapitale bestimmt worden war.

Keine Selbstverständlichkeit, wenn in der Regierung als tragende Kraft eine Lega Nord sitzt, die genau dieses Land in Frage stellt. Die Ihre Vertreter in den Regional- und Provinzräten aus den Sälen nimmt, wenn die Hymne „Fratelli d’Italia“ (Das Lied der Italiener von Goffredo Mameli) angestimmt wird. Die sich bei jeder (un)möglichen Gelegenheit über ihre Landsleute südlich der Poebene und überhaupt über alle außerhalb des mytischen „Padanien“ lustig macht, wenn sie sich nicht gerade xenophob geriert. Und in der gestrigen Feierstunde im italienischen Parlament von 86 nur 5 Vertreter entsendet, davon 4 auf der Regierungsbank. Weswegen von dem offiziellen Teil sämtlicher Veranstaltungen zur Unità d’Italia wohl nur die Worte von Staatspräsident Giorgio Napolitano haften bleiben werden:  „Wären wir bei 1860 stehen geblieben, aufgeteilt in 8 Staaten, ohne Freiheit und unter fremder Herrschaft, hätte uns die Geschichte weggefegt.“

Und Sie feiern trotzdem

Stattdessen: Unter den Torbögen der Basilica San Lorenzo in Mailand Menschen, die aus dem Ausland gekommen die italienische Verfassung vorlesen; wo in der Nacht Tausend zu einem Marathonlauf aufgebrochen sind und tagsüber auch gut gestritten wurde; die Nacht der drei Farben in Rom; Turins Innenstadt bevölkert wie lange nicht mehr und wo es heute Abend mit der SizilianischenVesper von Verdi im Teatro Regio weiter gehen wird; und von Norden bis Süden jede(r) nach eigener Façon, den freien Tag zu begehen.

Keine Selbstverständlichkeit, da auch Italien mit den Nachrichten aus Japan lebt. In diesem Land, das ebenfalls regelmäßig von schweren Beben durchgeschüttelt wird, sollen zum Wiedereinstieg 4 Meiler gebaut werden. Obwohl die Regionen überwiegend nein sagen und ihre Ablehnung seit einer Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes vom Februar Gewicht bekommen hat. Und erst recht keine Selbstverständlichkeit bei mittlerweile rund 11.000 Flüchtlingen, die über die letzten Wochen auf Lampedusa aus Nordafrika kommend gelandet sind. Wer wollte den Feiern also einen guten Ausgang vorhersagen, wenn die Facebook-Seite der offiziellen Veranstaltungen gerade einmal 2.700 Follower hat, die der italienischen Fußballmannschaft über 900.000?

Die Italiener haben es sich nicht nehmen lassen. Auch nicht von dem Umstand, dass sie den freien 17. März 2011 buchstäblich erkauft haben, weil er für dieses Jahr von den Urlaubstagen der Arbeitnehmer abgezogen wird. So wenig, wie sie es sich haben nehmen lassen, am 12. ebenfalls auf die Straße zu gehen, um für bessere Verhältnisse an den Schulen und gegen beliebige Veränderungen der Verfassung zugunsten der derzeitig Regierenden zu demonstrieren. In diesen Wochen haben die Italiener wieder entdeckt, was es bedeutet, sich auf der Straße zu zeigen, wenn ein Anliegen eint.

Und das scheint mir als Resümee für die 11. KW genug.

 

[P.S.: Ein paar richtig gute Zahlen hat anse im Italien-Forum zusammen gestellt. Thx dorthin]