Einen strahlenden guten Morgen

Heute ist Mittwoch, der 23. März 2011 und wenn alles gut geht, erhalten wir luftige Grüße aus Japan, aus Fukushima. Denn mit einer Höhenströmung, die zunächst Island gestreift hat, bekommt nun auch Deutschland seine Teilchen ab, die geboren wurden in geborstenen Reaktoren.

Haben also die recht behalten, die schon vor Tagen mit einem spitzen „man weiß ja nie“ das dringend benötigte Endzeit-Survival-Equipment zusammenklaubten, vom 500 Euro teuren Strahlenmessgerät über Jodtabletten bis hin zu lagerbaren Essensrationen?

Was bis zu uns transportiert werden wird, ist so gering, dass die ohnehin bestehenden Hintergrundstrahlungswerte von Mutter Erde davon nicht signifikant erhöht werden. Das eine vom anderen zu trennen wird für die Hobby-Forscher trotz teuerster Ausrüstung also nicht leicht werden, vorausgesetzt, sie können damit überhaupt umgehen. Was schon beim liebsten Kind der Deutschen, dem Auto, mehr als nur gelegentlich fraglich erscheint. Sich wie in Bayern an die Erkenntnisse des Landesamtes für Umwelt zu halten einschließlich der dort zur Verfügung gestellten online-Messdaten lohnt schon eher. Vor allem, weil erklärt wird, wie Werte maßgeblich (nämlich wissenschaftlich) zu interpretieren sind.

Das mit den Lebensmitteln ist eine ganz andere Sache, aber nicht wegen Japan, sondern noch immer als Hinterlassenschaft nach Tschernobyl. Weite Teile Niederbayerns und ein Stück Baden-Württembergs bekamen 1986 die radioaktive Wolke aus dem Osten ab. Und im Herbst strahlen Wildsäue aus dem Bayerischen Wald 24 Jahre danach derart, dass sie nicht verzehrt werden können. Sie werden als Sonderabfall beseitigt, wie die in München erscheinende AZ noch im November 2011 erklärte.

Was wir daraus lernen könnten, wäre, dass nach einer Katastrophe und dem damit einhergehenden Aktionismus die Verdrängungsmechanismen ganz vorzüglich funktionieren. Obwohl der zweitschwerste Atomunfall der Menschheit noch immer im Werden ist, schalten die Medien hierzulande die Schweinwerfer wieder ab. Gerade hat dieser Blogger eine Informationssendung gesehen, in der es um die fehlende Infrastruktur zu regenerativen Energien in Deutschland ging und ob sich das lohne. Ein Experte meinte, kaum jemand in Deutschland wäre bereit, die dafür erforderlichen Kosten in Form erhöhter Strompreise zu zahlen.

Der Mann täuscht sich: Wir zahlen es bereits. Der Bayerische Jagdverband alleine hat mehr als 320.000 Euro in Apparaturen ausgegeben, um taugliche von verstrahlten Lebensmitteln zu unterscheiden. Und das betrifft nur jagdbares Wild. Was ist mit Obst, Gemüse, Waldfrüchten? Wie hoch ist der effektive volkswirtschaftliche Schaden?

In Japan erleben die Menschen allmählich durch die Vergiftung ihrer Umgebung die weitere Lebensgefahr. Selbst von Unbewohnbarkeit weiter Landstriche ist bereits die Rede. Wir haben uns scheint’s so sehr daran gewöhnt, dass wir lieber 500 Euro für ein Strahlenmessgerät ausgeben, um auch ganz sicher zu gehen, dass wir prima Klima haben. Bis zum nächsten Mal. Und Tabletten nehmen nicht vergessen, vor allem die mit Phosphor . e2m

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3 Gedanken zu “Einen strahlenden guten Morgen

  1. In Fukushima lagern, incl. der Inhalte in den Abklingbecken, spaltbare Materialien, die dem 540-fachen der Tschernobylkatastrophe entsprechen. Da immer nur Tschernobyl als „Vorbild“ angeführt wird, möchte ich darauf hinweisen, dass die atomare Verseuchung in Hanford mindestens ebenso umfassend und großflächig stattgefunden hat. Grüße!

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  2. Ja und dann war da noch vor 10 oder 12 Jahren jener Plutoniumtransport aus Deutschland … ca. 20 Tonnen davon, die per Schiff nach Japan transportiert wurden, um dort verwendet zu werden. Greenpeace hatte seinerzeit dagegen protestiert, aber geholfen aht das nicht wirklich.
    Nun denn, in Fukushima III sind die Brennstäbe damit bestückt und wie heute Morgen zu vernehmen war, scheinen die Brennstäbe beschädigt und sind damit nicht mehr kontrollierbar. Wissend, das mittelfristig 40 Nanogramm (40 X 10(epx)-9) davon bei einem größeren Wirbeltier, also auch dem Menschen, zu tödlichen Krebserkrankungen führt, reicht die den Japanern gelieferte Menge aus, um 50.000.000.000 Menschen vom Leben zum Tod zu befördern. Zynisch gesprochen: Auch so kann man die Überbevölkerungsprobleme lösen. Die Überlebenden in 300 Jahren reagieren gegen Strahlung enert, die Evolution hat den Turbogang eingelegt und die neue Art heißt:
    Homo Radionensis Enerticus.
    Und da das Plutonium bis dahin noch lange nicht ausgestrahlt hat, kann es dann (vielleicht bleibt ja noch etwas Öl übrig) in eine noch strahlendere Zukunft weise.
    Kuni

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