KRASS, KRASSER, STRASSER

Wie die Mutter unserer Autorin entdeckt, dass die Österreicher ja echt als total bestechlich dastehen, dank Herrn Ernst Strasser

Meine Südtiroler Mutter hat mehrere Fernsehgeräte im Haus. Aber leider keinen Computer. So konnte sie sich auch nicht Länge mal Breite die beiden Videos der britischen Journalisten auf youtube ansehen, die den österreichischen EU-Abgeordneten und ehemaligen Innenminister Ernst Strasser vorführen – als eitlen,  geldgierigen, korrupten, selbstherrlichen und sich schamlos anbiedernden Protz, der skrupellos sein bestens dotiertes Mandat missbraucht, um als Undercover-Lobbyist noch viel, viel mehr zu verdienen – nämlich 100.000 Euro per Anno und Klient. Fünf Klienten hätte er schon, ein sechster stünde in den Startlöchern, und mit ihnen seien es dann schon sieben, gab er den vermeintlichen Neukunden zu verstehen.

 Immerhin, das österreichische Fernsehen hat Ausschnitte aus diesen Videos gezeigt, damit und mit seinen Berichten meiner Mutter eine  Frage eingegeben, die sie mir als Kommunikations- und Medienexpertin der Familie postwendend weitergab: „Was ist das eigentlich, ein Lobbyist?“

Ich hätte die Frage ziemlich ausführlich beantworten können. Aber  in Kenntnis der Vorliebe meiner Mutter für plakative Erklärungen und mit Bewusstsein für die Auslandstelefonkosten (nein, skypen kann sie natürlich auch nicht, meine Mutter!) fasste ich mich kurz: „Lobbyist ist ein Beruf, der in den USA erfunden wurde, in Europa vergleichsweise jung, aber ganz legal ist: Bei der EU sind mehr als 1.600 Lobbyisten offiziell registriert. Große Unternehmen mit komplexen, meist länderübergreifenden Interessen engagieren sie, um den politischen Mandataren ihre Interessen, Pläne und Wünsche darzulegen und ihnen Gewicht und möglichst Stimme zu verleihen. Die politischen Mandatare können sich durch Lobbyisten ein Bild von den wirtschaftlichen Bedürfnissen und Realitäten machen, dürfen sich aber als Vertreter des gesamten Volks nicht ausschließlich von den Interventionen der professionellen Interessensvertreter leiten lassen.“

Meine kluge Mutter hakte nach: „Heißt das, dass der Strasser sich als Politiker gleichzeitig Lobbyisten-Aufträge geangelt hat?“ „Genau“, bestätigte ich, „ und genau das geht nicht und ist strafbar.“ „Meine Güte!“, echauffierte sich meine Mutter, „Im Fernsehen hat der sich aber als blütenweißes Opferlamm präsentiert! Er hat gesagt, dass er die Journalisten verdächtigt hat und nur scheinbar auf sie eingegangen ist. Dass er sie wegen Bestechungsversuch anzeigen wollte, aber keine Zeit dafür fand! Ist das nicht ein Witz?“  

Great Mom! Ich habe ihr euphorisch und ohne Rücksicht auf mittlerweile beachtliche Telefonkosten erzählt, dass der krasse Herr Strasser auch noch versucht hat, seine altbewährten und tadellosen Partei- und EU-Kollegen in seinen Schmutztümpel zu ziehen, ihnen eine Intrige gegen seine Person unterstellt hat. Dass der ehrenwerte Herr Vizekanzler Josef Pröll, bevor er den Herrn Strasser aus dem Krankenstand heraus (sprich: wie aus der Pistole geschossen) schasste, selbigen  im Bunde mit Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel gegen den Willen der übrigen  ÖVP-Funktionäre in die EU hineingepeitscht hat, weil ein Ex-Innnenminister halt bis zur Pensionierung doch einen anständigen Job braucht.

„Das ist aber unanständig“, sagte meine Mutter, „ und sooo peinlich! Jetzt stehen die Österreicher ja echt als total bestechlich da!“

Dem ist nichts hinzuzufügen.

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