Fundstücke 12

[Fette Links führen zu englischen Texten]

In Wisconsin hat Ted Walker von der Tea Party seine Volksnähe gezeigt und bewiesen, dass er die Sorgen der kleinen Leute, die ihn gewählt haben ernst nimmt. Solange sie nicht in der Gewerkschaft sind. Wie Fox News versucht, den Widerstand zu diskreditieren, ist, vernünftig zusammengeschnitten durchaus witzig, zeigt aber vor allem, wie auch hier zu Lande Kampagnen z.T. gestrickt werden.

http://media.mtvnservices.com/mgid:cms:item:comedycentral.com:376547

Die Grippe Saison ist gerade vorbei, doch der Hersteller von Oseltamivir (Tamiflu) scheint, ob der zunehmend kritischer werdenden Berichte bereits jetzt am Image des Medikamentes in der nächsten Saison zu basteln. So „veröffentlichte“ die Ärzte Zeitung einen Bericht, dass bereits schwer Vorerkrankte Menschen von der Einnahme profitieren können. Die Cochrane Library zog im letzten Jahr ihre Empfehlung zurück.

„Bei kritischer Überprüfung der Daten stellt die Cochrane-Gruppe fest, dass durch das von KAISER gewählte statistische Verfahren ein systematischer Fehler entstanden ist. Sie bemühen sich daher für eine eigene Analyse um die individuellen Patientendaten, die sie jedoch nicht erhalten. Das aktuelle Update des Cochrane-Reviews berücksichtigt die KAISER-Analyse daher nicht. Ein signifikanter Einfluss auf Influenzakomplikationen lässt sich für Oseltamivir nun nicht mehr nachweisen.“ arznei-telegram

Roche, der Hersteller, hat der Cochrane Library im BMJ geantwortet und ist, natürlich, nicht einverstanden.

Interessant an den neuen Berichten des Herstellers ist, dass man zwar die geringere Sterbezahl erwähnt, die eine Studie ergeben habe (in einem bestimmten Klientel), aber dann betont, Oseltamivir verhindere auch Spätfolgen einer Influenza wie Schlaganfälle und Herz- Kreislauferkrankungen. Vielleicht haben sie genug Daten gesammelt, um die Indikation ändern zu können, zumindest solange das Patent noch läuft?

Doch vielleicht gibt es auch eine andere Möglichkeit, eine Grippe zu therapieren?

„Komm auf die dunkle Seite.“

Vielleicht haben Birgit Fischer diese einfachen Worte überzeugt, nach ihrer Tätigkeit als NRW-Gesundheitsministerin und Chefin der Barmer nun zur Pharma-Lobby zu wechseln, ganz nach oben. Dort wird sie Cornelia Yzer ersetzen, die ihren Job vielleicht gern noch ein wenig behalten hätte. „Leider“hat sie sich ihre Arbeit wohl etwas zu einfach vorgestellt.

„So wird Yzer in der Branche vorgeworfen, sie habe geglaubt, mit Amtsantritt der schwarz-gelben Koalition würden für die Pharmaindustrie noch goldenere Zeiten anbrechen. Stattdessen reformierte Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) den Medikamentenmarkt radikal. Die Firmen mussten einen Zwangsrabatt auf Arzneien zugunsten der Krankenversicherung akzeptieren und müssen künftig die Preise für neue innovative Medikamente mit den Kassen aushandeln.“

Huch? Egal, ein kleines Trostpflaster gab es im letzten Jahr trotzdem noch.

Vielleicht kann man den Wechsel im Kontext mit der Tatsache sehen, dass die Pipelines der Pharmahersteller leer sind und sie sich nach neuen Verdienstmöglichkeiten umsehen müssen. Um einen Dialog mit den Kassen zu beginnen, wird eine Insiderin sicher nicht schaden.

Und zum abrunden noch eine Kleinigkeit zum an die eigenen Nase fassen:

„Da gibt es grobe Schätzungen, dass in Deutschland circa 200 Menschen am Tag mit einer Magenblutung aufgrund der Einnahme solcher Medikamente (Anm. rezeptfreie Schmerzmeidkamente) ins Krankenhaus kommen. Und man muss bedenken: Gut zehn Prozent sterben an der Magenblutung.“

Mehr Text und eine Film hier.

Kurz verweilen können wir bei Lobbycontrol, denn dort gibt es viele Lesenswerte Artikel zu Atomlobby, -kraft und -unfall.

Apropos:

Hier hat mal jemand eine interessante Beobachtung gemacht:

„The term ‚alternative medicine‘ is a misnomer because it suggests that there are two kinds of medicine alternative to each other. Although commonly used, the term is problematic. (…) The nature of ‚alternative‘ in ‚alternative medicine‘ is anything but clear. (…) there seems to be no such thing as ‚alternative medicine‘ in any meaningful sense.“

In Australien ist man der Frage nach den möglichen Gefahren dieser „Alternativen Medizin“ nachgegangen. Ein Problem kann sein, eine wirksame konventionelle Therapie abzulehnen, ein weiteres liegt in rigiden Diätvorschriften. Es geht um Kinder, die Zahlen sind, zumindest in dieser Studie, relativ gering.

Zum Schluss ein kleines Rätsel:

Was ist das?

  • Millionen Menschen schwören darauf, dass es bei ihnen hilft.
  • Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis, wie es wirkt.
  • Wenn man es Untersucht, kann man nichts Außergewöhnliches feststellen.

Und? Falsch!

Aufmerksame Leser kennen diesen Artikel bereits von den Fundstücken 10 und nun hat sich auch das Schweizer Fernsehen des Themas „Power Balance Armbänder“ angenommen, allerdings leider die Pointe versaut.

Das Bild der Woche stammt diesmal vom Graphitti Blog und behandelt das Thema Hausarbeit (Uni).

Die letzen Fundstücke gibt es hier;, die nächsten liefert Cassandra.

PS: Wer Dresden mag, wird Stolberg lieben.

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