Eingeseift

Posted on 27. März 2011 von

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Sollte es eines Tages bei einem der geneigten Leser notwendig werden, Blutflecken von einer Oberfläche zu entfernen, so rate ich von alkoholischen Reinigungsmitteln ab, sonst verschmiert nur alles. Pures Wasser ist hervorragend geeignet, am besten kalt. Wenn etwaige DNA Spuren Probleme bereiten könnten, tut es ein Spritzer Domestos (Handschuhe nicht vergessen).

Sagrotan preist in seinem jüngsten TV-Werbespot einen Seifenspender an, der diese hergibt ohne dass man ihn berühren muss. Das ist sehr hilfreich, wenn man keine Fingerabdrücke hinterlassen will.

Das Ganze wäre vielleicht nicht der Rede wert, wenn nicht Stiftung Warentest kürzlich eine Flüssigseife aus dem Hause Sagrotan mit der Note „5“ bewertet hätte.

Die Werbung, in der Retortemenschen in einer klinischen Wohnumgebung Mutantenkröten quetschen, spielt mit dem üblichen Bild einer Umgebung, in der das Klo lieblich duftend frei von Schamhaaren ist, weil alle Benutzer sich ganzkörperrasieren. Einer der wenigen Orte, an denen das Leben tobt, scheint das Essen zu sein, welches von der Frau zubereitet wird, während der Mann im Müll wühlt.

In dieser Pornowelt braucht man nur noch einen No-Touch-Seifenspender, für das hygienische Händewaschen, denn am Druckkopf des Spenders, so die Werbung sind ganz viele Keime, die uns den reinen Spaß versauen. Damit ist jetzt Schluss, es gibt den No-Touch-Seifenspender. Mit der Seife auf den Händen bleibt nur noch die Frage, wie man den Wasserhahn aufdrehen kann, der ähnlich „verkeimt“ sein dürfte. Ein No-Touch-Wasserhahn könnte helfen. Die Wohnung wird zur haptischen Wüste.

Der Grund für die Note „5“ lag wohl zum großen Teil darin, dass ein Versprechen nicht eingehalten werden konnte, welches, das nur am Rande, in der aktuellen Werbung wiederholt wird. Bakterien würden nämlich, so der Hersteller, zu 99,9% beseitigt. Allerhand. Nun ist es aber leider so, dass sich Bakterien in der Regel alle x Minuten teilen, also ihre Anzahl verdoppeln. Eine Seife, die Bakterien zu 99,9% beseitigt, bietet als nur einige Minuten einen „Vorteil“ gegenüber einer, die weniger schafft.

Ganz davon abgesehen, dass die Funktion Bakterien zu beseitigen, im Haushalt vollkommen unnötig sind, wäre eine 99,9%ige Beseitigung von krankmachenden Bakterien, relativ sinnlos (in den meisten Fällen). Deswegen soll man in dem Fall auch auf alkoholische Händedesinfektionsmittel zurückgreifen. Und nur in diesem Fall, im Alltag ergibt das keinen Sinn.

Wenn es daran geht, das Blut von den Händen zu waschen, empfehle ich etwas Seife zu nehmen. Der Dreck auf der Haut vermischt sich mit Schweiß und Fett, Wasser allein ist da überfordert. Wenn man sich Blut von den Händen waschen will, reicht normale Seife aber vollkommen aus. Blut ist nämlich steril.

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