Das Internationale Journalismus-Festival in Perugia 2011 – It’s Festival

Posted on 12. April 2011 von

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Journalismus kann Spaß machen, wie das Motto der 5. Auflage des Festivals in Perugia verspricht. Eine Vorschau

(italienische Fassung/versione in in italiano qui/hier)

logoUmbrien, das ist unauffällige Opulenz in der Mitte Italiens. Zwischen der  Pracht eines Florenz der Medici im Norden und dem Prunk Roms im Süden hat sich die Region viel von einer Ursprünglichkeit bewahrt, die selten geworden ist im heutigen Italien. Landschaft, die auf der ersten Blick lieblich und reich  erscheint, den Menschen aber immer sehr viel abverlangt hat. Sie haben gelernt, Tradition, Fortschritt und Weltoffenheit in Einklang zu bringen – was könnte es besser illustrieren als die subtile Vernetzung der naturwissenschaftlich ausgerichteten staatlichen Universität „degli Studi“  mit der interkulturellen Universität für Ausländer („per Stranieri“), wenn sich deren Studenten auf den Straßen und Plätzen des mittelalterlichen Perugia treffen?

Oder das Festival Internazionale del Giornalismo, das in seiner 5. Auflage vom 13. bis 17. April in der umbrischen Hauptstadt stattfindet. Denn hier begegnen sich nicht nur die üblichen Verdächtigen des Metiers. Es ist ein Happening, das Menschen zueinander führt, über Berufe, Herkunft, Alter hinweg. Journalisten, Blogger, Techniker, Hacker, Fotografen, freiwillige Helfer (wieder über 200 aus 32 Ländern), Publikum, Professoren, Wissenschaftler, Politiker. Sie treffen auf Nature, Al Jazeerea, Rolling Stone, Literaturnaya Gazeta, avaaz.org, Open Knowledge Foundation, AgoraVox, um nur einige zu nennen. Die Frankfurter Rundschau ist mit ihrem Brüssel-Korrespondenten vertreten.

Giornalismo, Journalismus ist eine Selbstverständlichkeit und doch  gerade jetzt einem so außerordentlichen Wandel unterworfen, dass gelegentlich der Kompass verloren gegangen scheint. Zwei Grundfragen werden der rote Faden der kommenden Tage sein: Sind  Journalisten wirklich frei? Und: Ist Information unabhängig?

Wie im vergangenen Jahr wird es daher Roberto Saviano sein, der die Eröffnung heute Abend im Teatro Pavone gestaltet. Seitdem er wegen seiner Reise in das Innere des organisierten Verbrechens („Gomorra“) unter Polizeischutz steht und selten mehr als ein paar Nächte hintereinander am gleichen Ort schläft, ist Saviano zur Ikone geworden. Verhasst der Camorra, ‘Ndrangheta, Mafia und deren kollusiven Kräften in Politik und Medien, ist er vor allem für junge Menschen ein Vorbild geworden. Bei allen Selbstzweifeln, die seinen Stil seit jeher als Schriftsteller und Journalist prägen -und damit genau die Fragen stellen lässt, auf die seine Generation beharrlich keine Antworten erhält-, hat er ein Gespür entwickelt, das sich in seinem Thema niederschlägt: „Du widersetzt Dich? Dann wirst Du unglaubwürdig gemacht – wie man eine Dreck werfende Maschine erkennt und aufhält“. Die Dreck werfende Maschine gibt es nicht nur in Italien.

Programmatisch, nicht übertrieben

Bei Themen wie Krieg oder Umweltschutz sollten die Fragen ihren aktuellen wie relevanten Höhepunkt erfahren: Von „War, Lies & TV“ über „How to cover battles“, „Journalism and the Environment“ bis „The News Frontier: Having an Impact“ wird die Scharnierfunktion des Gesagten und Gedruckten zwischen Wirklichkeit und Gestaltungswillen via Medien darstellen können. Wie auch die sog. virtuelle Wirklichkeit, das Netz, eine eigene Betonung erhält. Als Phänomen wahrgenommen, bei aller Selbständigkeit aber noch immer einen Kontext suchend. Die Extreme positionieren sich zwischen „Engaging the Community“ und „Hacker’s Corner per la libertà, la resistenza e la dissidenza digitale. Letzteres lässt in der Übersetzung das Potential erahnen: „Hacker’s Corner für die Freiheit, den Widerstand und digitale Dissidenz“ und verspricht feine 20 Stunden Workshop, die im Englischen nur ungenügend wieder gegeben sind: hackers: could you spot one at 20 paces? Dass in dieser Situation Assange fehlt, entschuldigt natürlich, schmerzt. Vom Medienkongress in Berlin am vergangenen Wochenende und darüber hinaus bekannt, wird Evgeny Morozov über „Wikileaks“ referieren.

 

pretending to work :)

Bei allem Ernst und Professionalität, es gibt etwas, was direkt und über das Netz anspricht. Wenn sich Organisatoren die Zeit nehmen, den ersten Freiwilligen in dieser riesigen Veranstaltung zu sichten und den Helfern seit heute Nachmittag ein Fest auszurichten. Dieser Blogger, der aufgrund eines Unfalls am vergangenen Wochenende nicht in Berlin dabei sein konnte und deswegen auch auf eine Fahrt gen Süden verzichten muss, zeigt das, ohne dass er dabei sein muss, Respekt gegenüber Menschen.

Etwas, was man in Umbrien lernen kann.e2m

Medien:
Web Italienisch hier, Englisch hier (mit Artikeln zu den Veranstaltungen)
Programm interaktiv Italienisch hier, Englisch hier
Programm als PDF Italienisch hier, Englisch hier
Übertragung der Eröffnung mit Roberto Saviano, ab 21:00 Uhr über repubblica.tv sowie den Medien wie aus dem PDF-Programm ersichtlich
Ab morgen, 13.04.2011, Live-Streams von ausgewählten Veranstaltungen über http://webtv.festivaldelgiornalismo.com von dolmedia.tv (Danke, Fabrizio)
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