Humor an einem Totentag

Karfreitag und Humor, geht denn das? Angeregt von „Haben böse Menschen Humor

Einer der Kunstgriffe von Umberto Eco im „Namen der Rose“ war gewesen, das Geheime, die versteckte Insubordination, zu einem offenen Gespräch zwischen zwei Grundkräften zuzuspitzen. Wo William von Baskerville fragt:

Aber was schreckt dich so sehr an dieser Abhandlung über das Lachen? Du schaffst das Lachen nicht aus der Welt, indem du dieses Buch aus der Welt schaffst

antwortet Jorge von Burgos:

Das Lachen befreit den Bauern von seiner Angst vor dem Teufel, denn auf dem Fest der Narren erscheint auch der Teufel als närrisch und dumm, mithin kontrollierbar. Doch dieses Buch könnte lehren, dass die Befreiung von der Angst vor dem Teufel eine Wissenschaft ist.“

Das Arrangement lässt wunderbar Spekulationen darüber zu, was in jenem verschollenen Teil der Poetik  Aristoteles‘ gestanden haben mag. So dass Eco völlig frei ist, den Grund für Humorlosigkeit zu kondensieren im Satz Jorges

Dieses Buch hätte den Gedanken rechtfertigen können, die Sprache der einfachen Leute sei Trägerin einer Wahrheit. Das musste verhindert werden …“.

Um andererseits -im Kopf- der Leser eine ähnliche Spekulation auszulösen, wie wohl die Geschichte verlaufen wäre (nicht nur die kirchliche in Europa wohlgemerkt), hätte die Komödie aus der Sicht des Aristoteles ebenso intensiv diskutiert werden können wie dessen Tragödie.

Wie schwer wir uns tun, gegenüber Finsternis nicht nur „stif upper lip“ zu bewahren, sondern mit Witz dem Aberwitz anderer zu begegnen, zeigt Henryk M. Broder, wenn er mit Blick auf „I will survive – dancing Auschwitzwörtlich meint: „Ich gebe zu, dass ich bei der Idee auch erstmal innerlich versteifte.“ Nur, wann ist das Momentum, und warum, vom „erstmal“ zum danach?

Lachen durchsetzt

Bibliotheken verbrennen, dann deren Autoren, und wenn das nicht hilft, verbrannte Erde zu hinterlassen ist nicht nur die Fiktion eines Semiotikers. Erst recht nicht die Tat einer bestimmten Figur in der Geschichte. Wenn wir den Text lesen:

Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt

so lesen wir weiter, dass die Menschen, die die Worte vernahmen, „bestürzt“ waren. Mehr noch, sie „erschraken“. Dabei sind es sehr humorvolle Worte, voll ironisch-bildnerischer Kraft. Und doch würde es, Exegese hin oder her, kaum jemandem einfallen, im Gottesdienst laut darüber zu lachen. Weil wir -uns- zu ernst nehmen?

Heute Morgen las ich (und hörte es mehrfach im Radio), dass an diesem Tag des „stillen Gedenkens“ die Polizei in vielen Teilen Bayerns scharfe Kontrollen angekündigt habe. Im Freistaat gilt neben dem Tanzverbot ein generelles Verbot von musikalischen Darbietungen in Räumen mit Schankbetrieb. Es scheint also noch immer erschreckend und bestürzend zu sein, anders als mit Trauer auf einen Todestag zu reagieren, obwohl der, dessen Tod gedacht wird, sich den Überlieferungen gemäß als sehr humorvoller Mensch erwiesen hat. Mit den Worten Borges: „Doch das Gesetz verschafft sich Geltung mit Hilfe der Angst, deren wahrer Name Gottesfurcht ist.“

Lachen ist ein Akt der Befreiung des Menschen, es ist disskratorisch im besten Sinn. Und Humor dessen Lebenssaft, gerade heute.

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