Deppatte

Merkel freut sich, Blome freut sich, Obama lächelt und Broder tanzt. Und der Rest?

Wer schweigt, zum Tod eines Top-Terroristen macht sich verdächtig, wird aber nicht zum Bekenntnis gezwungen: Für oder gegen?

Gegen, im Zweifelsfall immer gegen.

Kommt jemand auf die Idee zu fragen, ob Freude ob des Todes eines Menschen (!) angebracht sei, lässt man Blome von der Kette, nur Innovationen in der Zusammensetzung von Haargel verhindern, dass ihm der Scheitel vor ein Auge rutscht. Freude oder Trauer?

Trauer um die Freude.

Fragt jemand nach den Umständen, unter denen der Mörder Bin Laden ums Leben kam, muss er mit dem Broder tanzen, ob die Schuhe passen oder nicht. Broder bringt ja immer Schuhe für alle mit.

Es ist also nicht so, dass einem auf der einen Seite durchaus bewusst sein kann, dass OBL kein Menschenfreund war, auf der anderen Seite aber die Frage stellt, ob es dem vom Westen gewünschten Frieden dient, sein eigenen Werte zu verraten. Und sich darüber zu freuen.

Wer Fragen stellt gehört zu den Bösen. Interessant.

Ursprünglich als Kommentar unter einem Artikel von Jacob Jung beim Freitag.

4 Gedanken zu “Deppatte

  1. alles, was mir zu dieser caus einfällt ist: sie segnet eine praxis ab, die seit ende des vergangenen jahrhunderts geübt wird, und sie segnet diese ganz prominent ab. was sie nicht besser macht, sondern im gegenteil.
    in zukunft wird mann sich öfter darauf berufen, auch vor dem ICC, mann habe doch durch die pre-emptive execution nur schlimmeres verhindern wollen und sicherlich auch verhindert (das gegenteil läßt sich nur behaupten, nicht beweisen), weshalb mann nicht nur freizusprechen, sondern zu ehren sei.

    die praxis, die ich meine, ist übrigens die israelische. die bestand bereits ende des vergangenen jahrhunderts darin, statt bei der PA die auslieferung zu beantragen die verdächtigen in die luft zu sprengen. drei mal darf geraten werden, warum auf einen auslieferungsantrag verzichtet wurde!

    Gefällt mir

    1. Hallo rahab,

      bei der Suche nach einer Antwort auf Deinen Kommentar bin ich nur auf mehr Fragen gekommen.

      Wenn wir davon ausgehen, dass die Welt für viele schon immer ein unangenehmer Aufenthaltsort gewesen ist, frage ich mich, ob es schlimmer geworden ist, oder gerade wird. Werden wir an mehr oder weniger öffentliche Hinrichtungen gewöhnt (ohne zu wissen, ob „Hinrichtung“ in diesem Kontext der richtige Begriff ist, er drängt sich mir allerdings auf)? Oder war das ganze eine einmalige Gelegenheit für die USA und die haben sie genutzt? Für mich wäre es schon ein Unterschied, ob die Tötung quasi im Affekt geschah oder mehr oder minder eingeplant war.

      Ich stehe dieser Entwicklung etwas hilflos gegenüber und kann sie nicht richtig einordnen. Mir fällt, wie oben beschrieben, vor allem auf, wie man mit Kritikern oder auch nur Fragenden umgeht.

      Deine Anspielung auf eine israelische Praxis kann ich hier jetzt nicht recht einordnen. ob es klug ist, das auszuführen, weiß ich nicht, weil wir hier sonst schnell über etwas ganz anderes sprechen…

      Gefällt mir

  2. meine anspielung … nun, das ist der einzige staat, von dem ich weiß, dass er dies so praktiziert und so nennt und vielleicht sogar schon so auch in die nationale rechtsprechung aufgenommen hat, und zwar über die ausweitung des kombattanten-begriffs (zur vermeidung von kolateralschaden als begriff vielleicht?)
    obwohl … wenn ich ein bißchen nachsinne…. Ghasafi fällt mir ein, der Iran (Mykonos!) fällt mir ein …
    da ließen sich sicher noch ein paar mehr finden
    wobei der unterschied, der scheinbare, darin liegt, dass letztere eigene staatsangehörige exekutiert haben, erstere …. uij! da wird es schwierig!

    den punkt der gewöhnung herauszuarbeiten, finde ich wichtig+richtig.
    ich will mich nämlich auch nicht gewöhnen

    Gefällt mir

    1. nachtrag: wenn du wen als täter oder verantwortlich für=anstifter oder dergleichen suchst, dann ist es immer eine exekution, wenn du ihn einfach umnietest, statt alles zu tun, um ihn vor ein gericht zu stellen

      vor gericht stellen bedeutet zumindest heutzutage: ein öffentliches verfahren
      obwohl: es gibt auch nicht-öffentliche … militärgerichtsverfahren z.b.

      womit ich als ein fall, an/in dem das besonders gut zu studieren ist, wieder bei Israel wäre …aber nicht nur bei Israel, sondern bei allen staaten, welche solche geheimverfahren praktizieren (näheres erfährst du im jahresbericht von AI -) –> kurzum: in allen staaten, denen ‚verschwinden-lassen‘ und extra-legal/extra-judicial xy vorgehalten wird, mußt du mit einer extra-judicial=pre-emptive execution rechnen

      wenn die USA sich nun dessen berühmt, bei binLaden genauso verfahren zu sein, dann … macht sie das salonfähig, über „justice has been done“ macht sie es zu einem ordentlichen verfahren, letztlich nicht nur legitim sondern legal
      weshalb eben ein kapitel nicht abgeschlossen ist, sondern zu befürchten steht, dass ein alt-neues aufgemacht wurde!

      Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s