Fundstücke 26 – Halbzeit

Posted on 30. Juni 2011 von

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Barbaren! Das kenne ich aus Asterix, zumindest glaube ich das. Barbaren sind irgendwie etwas lustiges für mich. Etwas trottelige Idioten, nicht gewaschen und spärlich bekleidet. Keine Echte Gefahr. Bei der Barbarei sieht das ganze schon anders aus. Das hört sich nach Mord und Totschlag, nach Massakern und Körperteilen in ausgebrannten Kirchen an. Also ungefähr so, wie es in großen Teilen Deutschlands aussieht, wenn es nach dem katholischen Amtsträger Meisner geht. Der behauptet, die Abtreibungspraxis (was auch immer das sein mag), habe Deutschland in die Barbarei zurück getrieben. Wenn man es so hübsch ausdrückt, kann man auf das Wort „Holocaust“ glatt verzichten. Den Drop „Atomausstieg“ hält er hingegen für gelutscht. Gottvertrauen eben.

Eine etwas andere Perspektive auf die Gefahren der Atomkraft wirft Thomas Grüter, indem er die Gefahren dieser mit denen von Radon vergleicht. Radon gewinnt. Unbekannt war mir zum Beispiel auch, dass Kohlekraftwerke mehr Strahlung in die Umwelt entlassen als (störungsfreie) Atomkraftwerke. Ein lesenswerter Artikel, wenn auch ich dem Autor, was sein Fazit angeht, nicht ganz zustimme.

Wirklich irrational geht es weiter. Mit Chinesen. Also einem Chinesen. Einem Menschen, der aussieht wie ein Chinese. Denn Menschen, die so aussehen, sollen nicht in Burschenschaften dürfen. Klar, denn Füchse haben lange Nasen. Wenn man dann aber den Ausdruck „außereuropäischen populationsgenetischen Gruppierung“ also Begründung in den Mund nimmt, darf das auch mal jemand auseinander nehmen.

Auseinandernehmen kann man dann und wann auch mal beruhigende Annahmen, wie diejenige, „Bio“-Produkte sorgten dafür, die Welt würde zu einer Besseren. Also die Welt anderer, nicht die eigene. Wenn Bauern in Entwicklungsländern die Wahl haben, entweder zu verhungern oder an Malaria zu sterben, kann das keine Verbesserung sein. In einem schlechten System wird auch „Bio“ nur eine stabilisierende Rolle spielen.

Während die Gewalt gegen Kinder offenbar weltweit unterschätzt wird und die Gesundheitsreformen durch Rot/Grün/Schwarz/Geld endlich Wirkung zeigen, sinkt in den USA die Anzahl von Kindern, die wegen durch Rota-Viren verursachten Durchfall ins Krankenhaus müssen. Sollten die Zahlen sich bestätigen kann man davon ausgehen, dass die Stiko die Impfung dagegen auch in Deutschland empfiehlt.

Einen sehr optimistischen Ausblick in die Zukunft der Gendiagnostik wirft ein Artikel zum Thema „personalisierte Medizin“

„Kein Wunder also, dass deshalb das Zeitalter der personalisierten Medizin herbeigeträumt wird und gar nicht mehr so fern erscheint. Wer würde nicht wollen, dass man bei der Behandlung von Krankheiten über die Genetik herausfinden kann, welche Medikamente aufgrund besonderer Genvarianten besonders gut wirken oder gar ernste Nebenwirkungen hervorrufen? Oder herausfindet, welche Behandlung bei dem eigenen Krebs besonders gut wirkt?“

Ben Goldacre berichtet über ein Studie, die untersucht hat, wie sehr in Zeitungen veröffentlichte Behauptungen, die Gesundheitsthemen betreffen,  wissenschaftlich belegt sind. Das Ergebnis ist vernichtend und ich hoffe, es gilt nicht für die anderen Ressorts. Auch Pharmaunternehmen es mit der Wahrheit nicht immer ganz genau. Auf einer Konferenz an der Georgetown University ging es unter anderem um die Behauptung, einige neue Medikamente würden Kosten verringern und die Behandlung verbessern. Verwiesen sei vor allem auf die Grafik am Ende.

Aber auch die andere dunkle Seite schläft nicht, wie dieser Bericht der BBC zum Theta-Healing zeigt:

Man sollte auch die mächtige Rest And Fluid Industry nicht unterschätzen.

Hier geht es zum Bild der Woche.

Die nächsten Fundstücke, kommen, wie auch die Letzten von der aktiven Cassandra