Was ist Gesundheit?

Posted on 3. Juli 2011 von

0


Was ist Gesundheit? Wann ist man krank? In den Diskussionen über Medizin und Alternativmedizin geht häufig unter, wie schwer es ist, Gesundheit zu definieren. Unter Umständen unterhält man sich über vollkommen unterschiedliche Dinge. Da ich das Problem nun schon länger mit mir herumtrage, jedoch nicht weiter komme, versuche ich einmal, meine Überlegungen hier zur Diskussion zu stellen.

Die WHO macht es sich einfach und sagt, Gesundheit sei „ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen“. Aha! Demnach ist niemand Gesund den ich kenne. Im Gegensatz dazu gibt es im Konzept der Salutogenese* ein Gesundheits-Krankheits-Kontinuum, in dem sich jeder Mensch befindet. Die gute Nachricht dabei ist, dass auch niemand ganz Krank ist. Jeder bewegt sich irgendwo in diesem Kontinuum und hat mehr gesunde oder mehr kranke Anteile. Doch was bringt einem das Wissen um dieses Kontinuum?

Mit dem Konzept des Koherenzgefühls bietet der Erfinder der Salutongenese Aaron Antonovsky ein Erklärungsmodell an, welches einfach darstellt, wovon es abhängt, wo sich der oder die Einzelne im Kontinuum befindet.. Dabei hat er im Wesentlichen drei Faktoren herausgearbeitet, welche die Gesundheit eines Menschen beeinflussen:

  • Verstehbarkeit
  • Handhabbarkeit
  • Bedeutsamkeit

Näheres dazu kann man in diesem Text nachlesen.

Im Gegensatz zum erst einmal relativ abstrakten Konzepts Antonovskys haben Roper, Logan und Tierney ein Konzept entworfen, welches sich ganz Konkret mit dem Alltag eines Menschen beschäftigt. Es handelt sich um das Pflegemodell der drei welches auf 12 Lebensaktivitäten (LA) beruht ( auch activities of living). Bei den Aktivitäten handelt es sich um:

1. Für eine sichere Umgebung sorgen
2. Kommunikation
3. Atmen
4. Essen und trinken
5. Ausscheidung
6. Waschen und kleiden
7. Temperatur kontrollieren
8. Bewegen
9. Arbeiten und spielen
10. Ausdrücken der Sexualität
11. Schlafen
12. Sterben oder Sinn finden und Sterben

Die Liste ließe sich sicher noch weiter aufteilen oder ergänzen.

In jeder Lebensaktivität bewegt sich ein Mensch (auch hier) auf einem Kontinuum zwischen Abhängigkeit und Unabhängigkeit. Wo man sich in diesem Kontinuum befindet ist zum einen abhängig vom Lebensalter, zum anderen von 5 Faktoren:

1. Biologische Faktoren
2. Psychologische Faktoren
3. Soziokulturelle Faktoren
4. Umwelt Faktoren
5. Politisch Ökonomische Faktoren


Im Pflegemodell von Roper, Logan und Tierney geht es auch darum, Ressourcen zu fördern. Unter Umständen kann ein Mangel an Selbständigkeit in der einen, durch eine gute Selbständigkeit in der anderen LA ausgeglichen werden.

Im folgenden Bild soll das an einem Beispiel erläutert werden:

Ein Mensch ist in der LA "Ausscheiden" (5) nicht unabhängig, weil er sein Wasser nicht mehr gut so halten kann. Die Unabhängigkeit in der LA "Bewegen" (8) kann hier als Ressource genutzt werden, weil der Mensch sich trotzdem schnell auf die Toilette begeben kann. So mag ist sein soziales Leben vielleicht weniger eingeschränkt, als es das ohne diese Ressource wäre.

Verschiebt man auch die anderen Sterne in den LA, ergibt sich ein Abbild der Abhängigkeit oder Unabhängigkeit eines Menschen. Da ich davon ausgehe, dass der Grad an Unabhängigkeit gut mit dem von Gesundheit korreliert, könnte man den Durchschnittswert aus den LA in das Gesundheits-Krankheitskontinuum einsetzen und hätte einen Wert für den objektiven Grad an Gesundheit.

Nun muss der objektive Grad an Gesundheit nicht mit dem subjektiven übereinstimmen. Als Beispiel kann hier ein Diabetiker gelten (Typ 1), der den Ausfall einer wichtigen Funktion eines Körperorgans zu beklagen hat. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich dieser Mensch krank fühlt. Und das obwohl er nicht lange ohne von außen zugeführtes Insulin überleben würde. Umgekehrt ist es auch möglich, dass Menschen sich, obwohl organisch vollkommen gesund, krank fühlen. Und zwar ein langes Leben lang.

Vielleicht wäre es sinnvoll zwischen objektiver und subjektiver Gesundheit zu unterscheiden, ohne zu unterschlagen, dass beide sich beeinflussen. Das Koherenzgefühl beeinflusst, so wie ich es sehe, vor allem die subjektive Gesundheit und darüber die objektive Gesundheit.

Soweit meine kruden Thesen.

*Einer der weniger guten Wikipedia-Artikel

Verschlagwortet: ,