Osteopathen betrunken im Winter

Der Begriff „Osteopathie“ setzt sich zusammen aus den Worten „Osteon“ für Knochen und „Pathos“ für Krankheit. Jemand der sich „Osteopath“ nennt, hat sich also auf Erkrankungen der Knochen spezialisiert oder auf Erkrankungen, die mit den Knochen zusammenhängen, womit, einigen Praktizierenden zufolge, jede Krankheit gemeint sein kann.

Zum Beispiel eine Infektion des Ohres, wie man hier sehen kann:


Man beachte vor allem, die Fähigkeit, die nicht existente Subluxation durch mehrere Schichten Kleidung zu ertasten.

Ben Goldacre veröffentlicht den Bericht einer Frau, die mit ihrem Neugeborenen, wegen seines merkwürdig geformten Schädels von ihrer Hebamme zum Osteopathen geschickt wird. Dieser legt seine Hände an den Kopf des Kindes um sein sein heilendes Werk zu vollführen. Darüberhinaus geht die Mutter noch zu einem „College of Cranio-Sacral Therapy“.

Fünf Termine später ist eine Vorsorgeuntersuchung bei einem Hausarzt an der Reihe, bei der auch dem „Schulmediziner“ der, noch nicht weggehandauflegte Schädel auffällt. Dieser überweist das Kind zum Kinderarzt, welcher eine Kraniosynostose feststellt.

Kraniosynostose bedeutet, die Schädelnähte sind zu früh zusammengewachsen und das Gehirn kann sich nicht ausdehnen wie es müsste, was nicht förderlich für dessen Entwicklung ist. Kompensatorisch wächst der Schädel in die Richtungen, in denen die Nähte noch nicht zusammengewachsen sind, was die „komische“ Schädelform erklärt.

Das Konzept der Cranio-Sakral-Therapie wird auf Wikipedia so beschrieben:

„Die Cranio-Sacral-Therapie beruht unter anderem auf der Annahme, dass die rhythmischen Pulsationen der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) sich auf die äußeren Gewebe und Knochen übertragen und ertasten lassen. Die Einzelknochen der Schädelkalotte werden als gegeneinander beweglich angesehen.“

Auf der Website einer Therapeutin kann man lesen:

„Diese cranialen Schwingungen sind ständige rhythmische Bewegungen des ganzen Körpers, am leichtesten spürbar im Bereich des Schädels (CRANIUM) und des Kreuzbeins (SACRUM).“

„Das genaue Wissen des Therapeuten um die Strukturen, seine Aufmerksamkeit und ganz sanfte Techniken ermöglichen dem Körper sich für Veränderungen zu öffnen.“

Oben war bereits ein Video zu sehen, in dem eine Infektion des Ohres mit einer Form der Ostheopathie behandelt wurde. Das ist aber nicht alles, so finden sich z.B. „Darmkoliken„, „Hyperaktivität“ und „Asthma“ unter den Indikationen für die Cranio-Sakrale-Therapie. Dabei soll die Rückenmarksflüssigkeit (der Liquor) in besonderer Weise pulsieren, diese Pulsation am ganzen Körper spürbar und durch die Therapie beeinflussbar sein.

Zurück zur Geschichte der Frau mit dem Kind.

Für einen auf Knochen spezialisierter „Therapeuten“ oder Menschen, die sogar den Einfluss von Asthma auf die Pulsation des Liquors erfühlen können wollen, sollte es die einfachste Übung sein, zusammengewachsene Schädelnähte zu tasten. Dazu sollte so jemand betrunken im Winter, nach einer Schneeballschlacht ohne Handschuhe in der Lage sein. Das war jedoch weder Keiner der involvierten „Heiler“*.

Das könnte auf die Tatsache hindeuten, dass wissenschaftliche Untersuchungen, welche auf die mangelnde Plausibilität der erwähnten Behandlungen, zumindest für die meisten Indikationen, hinweisen, auf der richtigen Spur sind. Ein Satz, so zart wie eine Liquorschwingung.

*Und Heilerinnen

Zum weiterlesen ein Artikel in „The Australien“ – The Chiro Kids –

Auch interessant, das Video zur Alternativmedizin, inklusive Chiropraktik von Penn & Teller

Artikelbild aus der Wikipedia

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