Fundstücke 29: Schreiben wie gedruckt

Posted on 22. Juli 2011 von

0


Heute leicht abgehakte Fundstücke, mein Kopf ist so nebelig wie das Wetter da draußen. Außerdem ist mir kalt.

Alltäglich grüßt das Murmeltier. In fast jedem meiner Fundstücke taucht entweder Katyn oder Smolensk auf. Möglicherweise hat das bald ein Ende, denn nun wird nicht nur in Russland und Polen, sondern auch von einer etwas neutraleren Instanz über das Massaker diskutiert:

“Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg hat – entgegen dem Standpunkt Russlands – entschieden, die Klage der „Katyner Familien“ (einer Angehörigengemeinschaft der Opfer von Katyn), die eine Rehabilitation ihrer im Wald von Katyn erschossenen Vorfahren fordert, doch zu prüfen, genauer: Zwei Klagen wurden für zulässig erklärt. Die Verhandlung ist für Anfang Oktober geplant.”

Polen-News, Klappe die Zweite: diesmal aus dem Freitag, und ich hoffe, der Autor schreibt hier auch noch öfter. Er berichtet etwas ausführlicher über etwas, was ich in meinen Fundstücken vor ein paar Monaten auch schoneinmal ansprach:

“Während Deutschland nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima aus der Kernkraft aussteigt, will Polen einsteigen. Das Wirtschaftswunderland braucht für seine Industrie zusehends mehr Energie. So hat die Regierung Tusk den Bau eines Kernkraftwerks bis 2020 beschlossen, um das Land aus der Abhängigkeit von russischem Gas und dem heimischen Klimakiller Kohle zu befreien – seit Ende Juni ist das Projekt ausgeschrieben.”

Polen-News III. Wie ich ebenfalls bereits in einem der früheren Fundstücke berichtete, könnte Polen der Vorreiter eines neuen europäischen Geistes werden. Die aktuelle Ausgabe der Osteuropa widmet sich komplett diesem Thema, die dgaphat immerhin einen Artikel online:

“ Polen will sich schließlich für die Stärkung der Rolle Europas in den Nachbarregionen und in der Welt einsetzen. Dazu will Warschau die Östliche Partnerschaft vertiefen, Hilfe für die demokratischen Entwicklungen in Nordafrika gewähren, die Beitrittsverhandlungen mit Kroatien abschließen sowie die Verhandlungen mit der Türkei, Island und den Ländern Südosteuropas vorantreiben.”

Es bewegt sich was, an der Oder – bald auch hoffentlich etwas Elektrisches. Das seit Ewigkeiten andauernde Ringen um eine Tram über den Fluss, der Frankfurt und Słubice trennt, könnte möglicherweise bald ein Ende haben. Ein Gutachten empfiehlt jetzt den Bau der Linie. Nur: wo das Geld herkommen soll, das weiß man natürlich noch nicht so richtig.

In Hamburg sollen Grundschüler demnächst nur noch Druckschrift lernen. Zumindest ist es den Grundschulen freigestellt, ob sie Schreibschrift noch lehren wollen. Manche argumentieren, dass man die sogenannte „Lateinische Ausgangsspricht“ im Computer-Zeitalter nicht mehr braucht. Ich dagegen bin ein bisschen altmodisch und finde es schade, wenn Kinder nicht mehr ihre eigene Handschrift entwickeln und dabei auch ein bisschen etwas über sich selbst lernen können. (Und handgeschriebene Liebesbriefe können sie später auch keine mehr bekommen/verfassen). Zudem habe ich die Befürchtung, dass man seine Klausuren noch einige Jahre mit der Hand schreiben muss – und mal ehrlich, mit Druckbuchstaben schreibt man ungefähr halb so schnell wie mit Schreibschrift.

Nochmal Schule, diesmal aber eine, von der man wahrscheinlich sonst nicht so viel mitbekommt. Julia Probst, die inzwischen im Netz ziemlich bekannt ist, spricht öfter über die Benachteiligung von Gehörlosen, z.B. durch fehlende Untertitel im TV. Soweit ich das mitbekomme, geht die Benachteiligung aber noch viel weiter.

Gehörlose sitzen normalerweise nicht in Regelschulen, sondern gehen in Gehörlosenunterricht. Nun müsste man meinen, dass der Unterricht dort auch auf sie zugeschnitten ist, dass also die Lehrer auch Gebärdensprache lernen (sonst könnten sich die Kinder und Jugendlichen ja direkt in eine Regelschule setzen und sich abmühen von den Lippen abzulesen). Denkste.

Nun wird auch von der TK bestätigt, was allerorts die Unis festellen müssen: ein/e Uni-Psychologe/in reicht nicht. Laut der Technikerkasse leiden immer mehr Studenten (und vor allem Studentinnen) und junge Erwerbstätige unter psychischen Störungen, die in dem verlinkten Taz-Artikel vor allem mit dem Bologna-Prozess in Verbindung gebracht werden. Bemerkenswert ist aber, dass auch junge Berufseinsteiger vermehrt psychologische Hilfe suchen. Ganz allein an Bologna kann es also nicht liegen.

Ein Stressfaktor ist aber sicherlich der Gutachten-Trend, ein Schwachsinn sondersgleichen, dem die Uni in Frankfurt/Main mit einer automatischenGutachten-Erstellungs-Software nun noch die Krone aufgesetzt hat.

Zleicht verzweifelten Methoden greifen inzwischen Autofahrer in Berlin – ja, auch die, die keine Luxuskarosse durch die Gegend kutschieren.

Manche Handlungen, bzw. Menschen dahinter, verstehe ich einfach nicht. Die CIA hat mit einer falschen Impfkampagne anscheinend versucht, Bin Laden bzw. seiner Kinder habhaft zu werden. Tschüss Vertrauensbildung, hallo Krankheitsepedemie.

Handlungen, die ich nicht verstehe, Teil II.

„Ich werde von Rundfunkgebühren dafür bezahlt, mit Rundfunkgebühren erstellte Inhalte zu löschen.“

So wird ein öffentlich-rechtlicher Depublizist in der FAZ zitiert. Nicht, dass ARD und ZDF diese Leute freiwillig beschäftigen würden, aber ich verstehe nicht, warum der Gesetzgeber hier nicht endlich einmal in die Offensive geht. Ich möchte mit der Leseempfehlung des verlinkten Artikels noch einmal an diesen Irrwitz erinnern, der artgleich noch an anderer Stelle vorkommt:

An Universitäten. Hier werden Professoren von öffentlichen Geldern bezahlt, sie produzieren Texte, Verlage bringen sie heraus – und die Universitäten müssen diese Texte, die sie durch das Gehalt der Professoren eigentlich schon einmal bezahlt haben, nocheinmal kaufen. Zumindest hier tut sich etwas:

“Die EU-Kommission hat eine öffentliche Konsultation zum offenen Zugang zu wissenschaftlichen Informationen gestartet. (…) „Die Ergebnisse öffentlich finanzierter Forschung sollten grundsätzlich so weit wie möglich verbreitet werden“, betonte Neelie Kroes, die für die Digitale Agenda zuständige Kommissarin.”

Wer sich schon immer gefragt hat, warum wir neuerdings einen elektronischen Personalausweis brauchen: damit sich einer ärgert und alle anderen über denamüsant geschriebenen Blogbeitrag schmunzeln können.

Und zum Schluss noch eine Ausstellungsempfehlung: in Berlin und Dresden sind noch bis zum 4. September Polaroids der vor einem halben Jahr verstorbenen Fotografin Sybille Bergemann zu sehen. Ich finde die Frau auch als Person interessant.

Bei der Auswahl des Fotos der Woche tu ich mich heute ein bisschen schwer, daher zwei Empfehlungen: zum einen Gustliks Bilderserie von der polnischen Ostseeküste, und zum anderen ein Foto des Palasts der Republik.

Die nächsten Fundstücke wie auch die letzten kommen vom emsigen merdeister.

Posted in: Uncategorized