Rauchen gegen Krebs?

Menschen sind Entdecker und als Entdecker gehen wir Risiken ein. Kinder entdecken Höhlen und Bäume, erwachsene Menschen in Raumschiffen den Weltraum. Früher drohten den Entdeckern andere Gefahren als heute. Seeleute waren zum Beispiel von Mangel an Nahrungsmitteln bedroht. Die Angst vor dem Mangel steckt noch heute in vielen Entdeckern.

Antioxidantien sind gesund, gut gegen Krebs, Grippe und viele andere böse Sachen. Vitamin C ist z.B. ein Antioxidans, genauso wie Beta-Carotin. Vitamin C steht im Ruf, das Immunsystem zu stärken und Virusinfektionen der Atemwege zu vermeiden, neben Krebs. Konservierungsmittel hingegen sind schlecht, weil sie unnatürlich sind, Farbstoffe für Nahrungsmittel auch. Ascorbinsäure ist so ein Konservierungsmittel, sie wird gerne in Fastfood eingesetzt, das, wie jeder weiß, ungesund ist. Ascorbinsäure ist ein anderer Name für Vitamin C. Ein Saft, der mit Beta-Carotin angereichert ist, hat das nicht nur groß auf der Verpackung stehen, er wirkt auch kräftiger in der Farbe, weil Beta-Carotin ein Farbstoff ist.

Was solls, es gibt also Antioxidantien, die nicht nur gesund sind, sondern auch universell einsetzbar. Umso besser.

Ohne Vitamin C kommt es zur Skorbut, einer Erkrankung die z.B. unter Seeleuten grassierte. Unter anderem fallen den Betroffenen die Zähne aus. Vitamin ist nämlich nicht nur ein Antioxidans, es spielt auch eine wichtige Rolle beim Aufbau von Kollagen, einem wichtigen Bestandteil des Bindegewebes. Fehlt Vitamin C, wird das Kollagengewebe instabil und kann, wie bei den Seeleuten, die Zähne nicht mehr mit den Kieferknochen verbinden. Die Seeleute litten unter schwachem Bindegewebe. Nicht überliefert sind Probleme der Seeleute mit Cellulite.

Rauchen, das ist ein Allgemeinplatz, ist ungesund. Die Liste an Krankheiten und Einschränkungen, deren Wahrscheinlichkeit in einem rauchenden Individuum steigt, ist lang und schnell auffindbar, daher soll sie hier nicht erwähnt werden.
Eine Studie hat kürzlich herausgefunden, dass Raucher, die, im Glauben, etwas Gutes für ihre Gesundheit getan zu haben, Vitamine geschluckt hatten, danach mehr Zigaretten rauchten.

Wenn ein Zigarettenhersteller den Konsum seiner Zigaretten steigern wollte, könnte er die Packung mit der Aufschrift versehen „Mit natürlichen Antioxidantien“. Das wäre dann eine echte Sportzigarette. Und es wäre nicht falsch. Denn eines der stärksten Antioxidantien, die ein Mensch zu sich nehmen kann, ist der Rauch von Zigaretten.

Wenn also gute Antioxidantien in schlechten Zigaretten stecken und schlechtes Konservierungsmittel aus gutem Antioxidans bestehen kann, woher soll man dann wissen, wo sich Jekyll und wo Hyde versteckt?

Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2007 ist der Frage auf den Grund gegangen, um herauszufinden, dass Menschen, die antioxidative Zusatzstoffe nehmen, ihre Lebensdauer verändern. Nach unten. Dabei gab es einen Unterschied zwischen einzelnen Substanzen, am schnellsten bringt einen demnach Vitamin A als Zusatzstoff unter die Erde. Und wenn man zwei Antioxidantien kombiniert, Beta-Carotin und Zigarettenrauch, steigt das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken.

Gut, damit wäre geklärt, dass Rauchen immer böse ist und wer versucht, sich durch das Schlucken von Pillen ein paar Lebensjahre zu erschleichen, vom Karma erschlagen wird. Umgekehrt müssten Menschen, die sich verantwortungsbewusst dem Stählen ihrer Körper hingeben, doppelt belohnt werden, wenn sie den durch die körperliche Aktivität erhöhten Bedarf durch Vitamine auszugleichen versuchen. Doch auch hier zeigt das Karma sich launisch. In einem Versuch in Florida stellte sich heraus, dass Sportler, die zusätzlich zum Training Vitaminpräparate nahmen, weniger Fortschritte machten, als Kollegen, die sich auf Wasser und Brot beschränkten.

Man kann also sagen, Vitamine sind ganz sicher nützlich und man sollte auf langen Seereisen genug Fastfood dabei haben. Sonst fallen einem die Zähne heraus.

Zum weiterlesen:

The Doctor and the Pomegranate – Antioxidants don’t work, but no one wants to hear it.

Mortality in Randomized Trials of Antioxidant Supplements for Primary and Secondary Prevention

Antioxidantien: Zigaretten wirksamer als Vitamine

Krank durch Vitamine – Bericht einer Recherchereise

„Die Patienten sind verwirrt“

Der Vitamin-Mythos: Über positiven oxidativen Stress und die negativen Effekte von Antioxidantien

Ben Goldacre – Vitamin pills can lead you to take health risks

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10 Gedanken zu “Rauchen gegen Krebs?

  1. Lieber merde, wie ich Dir bereits geschrieben habe:
    Die einzigen Nahrungsergänzungsmittel, die ich zu mir nehme, sind Hopfenkaltschalen und gelegentlich ein destillierter Getreideextrakt. Sie ergänzen dabei die frei schwimmenden Nikotinteilchen auf wunderbare Weise, haben abführende Eigenschaften und dienen überwiegend dem Wohlbefinden. Zudem zügeln sie den Hustenreiz, denn Haarwurzelkatarrh und jener aus den Bronchien vertragen sich nur selten – kwasi eine Form der Spontanheilung. So dass ich auf die Frage „willst du ewig leben“ spontan antworte: Nein, und selbst das nicht wie ein Hund :)
    LG, e2m

    1. Lieber e2m,
      das Rauchen ist ja eigentlich nur ein Lockvogel :-)

      Irgendwo habe ich übrigens vor kurzer Zeit davon gelesen, Rauchen sei gut für die Gelenke. Raucher hatten darin weniger Probleme mit eben diesen im hohen Alter.

      Also rauch ruhig weiter, aber nimmer bloß keine Vitamine ;-)

    1. Ein schöner Hinweis. In einem Heilpflanzenforum habe ich folgendes dazu gefunden:

      „Früher waren Asthma-Zigaretten im Umlauf. Die Grundlage für diese Asthmazigaretten bildete Huflattich. Dazu mischte man die Blätter des Stechapfels oder des Bilsenkrauts im Verhältnis 2:1. Sowohl der Stechapfel als auch das Bilsenkraut sind giftige Nachtschattengewächse. Man kann sich fragen, weshalb solch giftige Gewächse in eine Asthmazigarette gegeben wurden. Grund ist, dass Asthma oft etwas mit persönlicher Unterdrückung zu tun hat. Der betroffene wagt sich nicht auszuatmen. Die Nachtschattengewächse dienen dazu, das Gemüt aufzulockern. In der Regel reichen zwei tiefe Züge von einer Asthmazigarette. Der Missbrauch für Rauschzwecke führte zum Aus der Asthmazigarette, so dass sie heute lediglich von Kräuterkundigen selbst zusammengestellt wird.“

      Es könnte auch daran gelegen haben, dass diese Zigaretten Atropin enthalten haben, was die Atemwege weitet, ganz unspektakulär über Rezeptoren.

      Die Asthmazigarette war zumindest keine umbenannte normale Zigarette…

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