Homöopathie nach DHU

Posted on 16. August 2011 von

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[Eigentlich wird es langsam ein wenig langweilig sich mit Homöopathie zu beschäftigen. Wenn ich dann aber über Geschichten, wie die hier stolpere, denke ich, je mehr Texte zum Thema im Netz stehen, desto besser.]

Die Deutsche Homöopathie Union (DHU) hat eine hübsche Broschüre, um über Homöopathie zu informieren.

Auf dem Titelblatt steht

„Homöopathie – ein anderer Weg“

darunter

„Was sie kann – Wie sie hilft – Wichtige Adressen, die weiterhelfen“.

Das hört sich doch hervorragend an, vielleicht schafft es ein Anbieter homöopathischer Mittelchen, mich endlich von dieser Art der Behandlung zu überzeugen, sie mir plausibel zu machen. Denn, falls ich es noch nicht gesagt habe, ich finde die Idee der Homöopathie großartig. Nur durch die regelmäßige Verabreichung einiger Saccharosekügelchen, einen Menschen von dem, in einem langen Gespräch herausgefundenen Leiden zu heilen, ohne Nebenwirkungen. Und wer, wenn nicht der Hersteller dieser Mittelchen, sollte ein Interesse daran haben, davon zu überzeugen.

Der andere Weg soll wohl vorne abgebildet sein (man kann das Bild auf der DHU-Homepage oben rechts betrachten), wirkt aber ziemlich gewöhnlich, wie er da, nicht anders als jeder normale Weg, ein riesiges Rapsfeld, eher eine Landschaft aus Rapsfeldern, teilt. Homöopathie ist also ein grader Weg durch das immer Gleiche, irgendwie streng riechende. Das ist wirklich ganz passend.

Auf Seite 4 und 5 wird geschichtliches zur Homöopathie und ihrem Erfinder, Samuel Hahnemann, berichtet. Im Kasten „Mit der Chinarinde fing es an“ wird die Legende vom ersten Beleg für das Simile Prinzip wiedergekaut. Leider fehlt der Hinweis, auf den anekdotischen Charakter, der Überlieferung um die Chinarinde und das angebliche Fieber, so wie der Hinweis auf fehlende Reproduzierbarkeit der hahnemannschen Erlebnisse führt. Das ist schon lange in Homöopathenkreisen angekommen und akzeptiert. Aber was soll’s die Anekdote erzählt sich so schön.

Die Seiten 5 und 6 verkünden in der Überschrift

„So wirkt die Homöopathie“

und das ist es, was mich eigentlich interessiert. Zu Beginn wird erst einmal erwähnt, immer mehr Menschen erlebten, „wie homöopathische Arzneimittel sanft, aber zuverlässig wirken.“ Wie das mit der Befragung vieler Leuten und den Konsequenzen die man daraus ziehen kann ist, hatte ich bereits einmal thematisiert (siehe auch hier).

Dann wird, anstatt zum Thema zu kommen, der Versuch gemacht zu erklären, wo der große Unterschied zur „Schulmedizin“ liegt. Das ist natürlich wichtig, denn wie jeder weiß behandelt „die Schulmedizin“ nicht nur nicht den ganzen Menschen, sie behandelt nicht mal die ganze Krankheit. Sie Behandelt nur Symptome. Als Beispiel nehmen die Autoren hier das „Ekzem“ welches von „der Schulmedizin“ mit Kortison bekämpft wird. Nun habe ich leider nichts über „schulmedizinsche“ Behandlung des Ekzems gefunden, wohl aber ein paar Sätze aus einer Enzyklopädie für Dermatologie (Hautheilkunde). Darin steht als erster Hinweis unter „Therapie“, man solle die auslösende Noxe entfernen. Huch! Na, wenn das keine Ursachenbeseitigung ist, weiß ich auch nicht. Kortison soll auch eingesetzt werden, kurzfristig, zur Linderung der Symptome. Entschuldigung, zur Bekämpfung der Symptome.

Gut, nun ist geklärt, wo der Unterschied zur „Schulmedizin“ liegt; in der Homöopathie wird erlebt, nicht gelesen.

Jetzt geht es aber endlich los, Homöopathie, was macht sie, wie haut sie uns aus den Socken:

„Die Homöopathie packt die Krankheit anders an: Sie geht vor allem bei chronischen oder immer wiederkehrenden Erkrankungen davon aus, dass der Hautausschlag (oder die Kopfschmerzen, oder das Rückenleiden usw.) nur die Spitze des Eisbergs sind. Sie will die Erkrankung an der Wurzel packen. Denn sonst kehren die Symptome, wie der Hautausschlag, ja zurück. Und der Menschen wäre noch lange nicht geheilt, sondern nur kurzfristig von Krankheitssymptomen befreit. Die Homöopathie geht davon aus, dass jede Krankheit auf eine Störung der Balance im Körper zurückzuführen ist, und will helfen, diese wieder herzustellen.“

Was sagt uns das? Nix! Abgesehen von der Tatsache, dass Homöopathie ein wenig ist, wie Unkraut jäten. Nur sanfter.

Ganz anders als in der „Schulmedizin“ ist das auch nicht. Betrachtet man zum Beispiel die Situation beim Herzinfarkt, besteht dort ein Ungleichgewicht zwischen dem Angebot von Sauerstoff im Herzen und dem Sauerstoffbedarf. Das Herz braucht mehr Sauerstoff als es bekommt. Die Therapie zielt somit u.a. darauf ab, den Verbrauch des Herzen zu senken und das Angebot zu steigern, also ein Ungleichgewicht zu beseitigen.

Etwas „ins Gleichgewicht“ zu bringen, hört sich ganz toll und vor allem sehr ganzheitlich an. Dabei kann man, wenn man Wert darauf legt, viele Probleme als „Ungleichgewicht“ beschreiben. Der Wert so einer Aussage geht, so sie nicht didaktisch gemacht wird, gegen Null.
Es bleibt nichts von der Aussage übrig, vor allem keine, wie in der Überschrift angekündigt, Erklärung zur Wirkung der Homöopathie (oder von irgendetwas anderem). Macht nichts, es ist noch etwas Text übrig, vielleicht steckt darin die Lösung.

Leider nein. Auch hier wird auf den vermeidlichen Unterschied zur „Schulmedizin“ hingewiesen. Dort würden alle Menschen mit einer bestimmten Krankheit, eine „kollektive Diagnose“ bekommen. Die Botschaft ist klar, in der „Schulmedizin“ gibt es Stangenware, der Mensch wird nicht als Individuum gesehen. Auch um diesen Punkt zu untermauern ziehen die Autoren ein Beispiel zu Rate, nämlich die Migräne.

Schaut man sich einmal den Artikel zur Migräne in der Wikipedia an, sieht man schnell, wie sehr die Behauptung, bei „Migräne“ handele es sich um eine kollektive Diagnose mit Therapie von der Stange, an der Wirklichkeit vorbei geht. Es gibt verschiedene Formen der Migräne, verschiedene Möglichkeiten von Therapie und Prophylaxe, medikamentös, wie nicht medikamentös. Leider, auch das steht im Artikel, konnte für Homöopathie keine Wirkung über den Placeboeffekt hinaus nachgewiesen werden. Allerdings, falls jemand Manipulation der Pharmaindustrie befürchtet, gibt es einen Effekt für Akupunktur.

Im letzten Unterpunkt wird von notwendigen Reizen gesprochen, durch welche die homöopathischen Mittelchen die körpereigenen Regulationsmechanismen in Gang setzen. Wenn es weiter nichts ist. Mich reizt Homöopathie auch schon lange, ob das ein Grund für meine recht gute Gesundheit ist, bezweifle ich. Zuletzt wird auf die langjährige Erfahrung verwiesen und es werden die Worte sanft und zuverlässig eingestreut.

Die Autoren hatten in der Überschrift angekündigt, die Wirkung homöopatischer Mittelchen zu erklären, haben sich dann aber vor allem damit beschäftigt, die sanfte, individuelle und ganzheitliche Homöopathie von der „Schulmedizin“ abzugrenzen. Eine Abgrenzung, die bei näherer Betrachtung in diesen Felder nicht belegt wurde. Der Hersteller von Homöopathie, schafft es nicht, seine Ware zu „verkaufen“. Ein Chance gibt es noch, den Infokasten.

Am unteren Ende der zweiten Seite befindet sich ein Infokasten, in dem die drei Säulen der Homöopathie vorgestellt werden, das Simile Prinzip, die Arzneimittelprüfung und die Potenzierung. Auch hier findet sich keine Erklärung, wie Homöopathie funktioniert. Die Säulen stellen sich, bei Lichte betrachtet als antik heraus und gehören als solche in ein Museum.

 

 

Update:17.8.11 7:56 UHr

Obwohl ich davon ausgehe, dass die meisten, die das hier lesen auch Leser bei Esowatch sind, verweise ich auch einen Artikel, über einen italienischen Blogger, dem ein Hersteller homöopathischer Mittelchen mit Klage droht, weil er geschrieben hat, dass in einem Grippemittel C200 kein Wirkstoff drin ist.

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