Homöopathie: Mythos und Legende (2)

geschrieben von Samuele (*)

Dieser Blog wurde von „einem großen Multi der Homöopathie“ mit Klage wegen übler Nachrede bedroht. Ich bin gezwungen, jeden Hinweis auf das Unternehmen zu löschen. Offensichtlich muss auch die Meinungsfreiheit für gewisse Unternehmen derart verdünnt werden, dass sie praktisch … nicht mehr existiert.

 

Im ersten Teil des Artikels über Homöopathie (siehe hier) habe ich von „Gesetzen“ der kontroversen therapeutischen Methode gesprochen … bringen wir sie in eine Ordnung:

1) Das Simile-Prinzip: Die Substanz, die die Krankheit hervorruft, kann sie auch heilen (bis hierher … Impfstoffe beruhen auf diesem Ausgangsgedanken, und sie wirken)
2) Verdünnung: Je mehr ein Medikament verdünnt wird, desto stärker seine heilende Kraft. (Daran ändert nichts, dass nach 12 centesimalen Verdünnungen keine Moleküle des aktiven Prinzips mehr vorhanden sind; die teuersten homöopathischen Medikamente kommen auf bis zu 100 oder 1000 aufeinander folgende Verdünnungen)
3) Dynamisierung: Die Lösung, Verdünnung für Verdünnung, wird mehrere hundert Mal pro Minute geschüttelt, „um die medikamentösen Eigenschaften der Substanz wieder zu beleben und um sie in die Lage zu versetzen, auf unseren Organismus einzuwirken“ (und hier habe ich den Begründer der Homöopathie, den Deutschen Hahnemann, zitiert).

Gegen jedes Gesetz der Physik und Chemie, kraft einer eher verwässerten Auffassung von Magie denn wissenschaftlicher Methodik wird diese „Dynamisierung“ zur wahren Essenz des homöopathischen Medikaments und wird oft als Potenzierung (sic!) bezeichnet. Was unglaublich erscheint, aber von Homöopathen behauptet wird: Je öfter eine Lösung geschüttelt und je mehr sie verdünnt wird, nimmt sie an Potenz zu (mit der Folge, dass sie nur mit Vorsicht und nach Anweisungen des „Arztes“ anzuwenden ist, der bestens für die Erklärung vergütet wird, wie viele Tropfen Wasser wie eingenommen werden dürfen!!!)

Das reine Delirium: Die Methode Korsakow

In der Homöopathie gibt es die Methode Korsakow (der ein Schüler von Hahnemann und wohl genauso schlau war), die es erlaubt, eine Verdünnung der Lösung zu erhalten, indem nach jedem Schritt der Prozedur das Behältnis vollständig geleert wird, um es dann erneut mit destilliertem Wasser zu befüllen. Die Reste an Flüssigkeit, die im Flakon haften bleiben, sind dann das „Gedächtnis“ der vorhergehenden Verdünnung. Das ist kein Scherz. Es wird auch heute häufig angewandt. Ja, auch in Italien.
Stellt Euch diese „Doktoren“ vor, die noch 2011 Wasser nehmen, es in einen Flakon abfüllen, ein paar Minuten schütteln und dann den Inhalt weg schütten, ihn dann erneut befüllen und so fort, dutzende und dutzende Male … ich merke nur an, dass es die Dosis 1000K gibt, die aus tausend Verdünnungen besteht, TAUSEND!

(Abbildung des Medikaments wegen Klageandrohung entfernt)

Glaubt Ihr, dass diese Methode mittlerweile nicht mehr gebräuchlich sei?
KATEGORISCH nein. Zum Beispiel das homöopathische Grippemittel (ich darf den Namen nicht nennen, da ich mit Klage bedroht wurde, aber Ihr könnt es im Netz suchen) ist eines der am meist verkauften der Welt (Einnahmen von mehr als 15 Millionen USD jährlich in den USA! Quelle) und besteht aus 200 Verdünnungen nach Korsakow (30 Dosierungen kosten übrigens 31 Euro). Wenn Ihr jemanden seht, der es kauft, nehmt sofort seinen Flakon, lehrt es vor seinen Augen aus und füllt es erneut auf, dann feste schütteln. Bevor der Käufer sich darüber aufregen kann, sagt ihm „Hier ist ein homöopathisches Medikament 201k. Diesmal ist es gratis, beim nächsten Mal kostet es 10 Euro, auf Wiedersehen“.

Pro-homöopathische Ärzte und Apotheken

Leider gibt es praktisch keine Apotheke mehr, die nicht die Aufschrift „Homöopathie“ führt, während es viele (zu viele) Ärzte gibt, die sie regelmäßig verschreiben. Das erlaubt einigen Pharmaherstellern Einnahmen von hunderten Millionen Euro pro Jahr für den Verkauf von Wasserfläschchen zu kassieren. In Italien sollen die jährlichen Ausgaben für homöopathische Mittel bei 300 Millionen Euro liegen (Erhebung 2007), ausgegeben von 8 Millionen Italienern, von denen viele sich nicht konventionellen Mitteln anvertrauen, selbst wenn die Störung gravierend ist.

Bei manchen promovierten Doktoren kann man nur staunen, wenn sie Dinge schreiben wie „Je höher die Anzahl der Verdünnungen, desto höher die Potenz des homöopathischen Produkts“ (Quelle). Oder schlimmer noch die Apotheken, die behaupten, dass „mit der 7. centesimalen Verdünnung die ‚niedrigpotenten Verdünnungen‘ aufhören, die mit relativer Sicherheit auch von einem Anfänger verabreicht werden können. Die höheren Verdünnungen  sollten der Entscheidung erfahrener homöopathischer Ärzte überlassen bleiben, so dass sie nur verschrieben werden, wenn sie wirklich benötigt werden“ (Link).
Berücksichtigen wir, dass nach der 12. Centesimal-Verdünnung nur noch Wasser ohne jedes andere Molekül dynamisiert wird, können wir uns auch vorstellen, was für Superexperten das sein müssen, die mit derartigen Zaubertränken … von wegen Atomkraftwerke!

Noch ein Leckerli? Hier ist es, einem großen Portal entnommen, das sich der Gesundheit widmet (Link):

„Es kann passieren, vor allem in den ersten Tagen der homöopathischen Behandlung, dass sich Ihre Symptome verschlimmern: Sie sollten wissen, dass diese Verschlimmerung  im Regelfall nur kurz dauert; sollte sie länger anhalten, verständigen Sie Ihren Arzt, der die Behandlung oder die Dosierung anpassen wird.“

Ich glaube gerne, dass man sich schlechter fühlen kann, kuriert wird nämlich gar nichts!

Mit der Homöopathie passt alles, wenn unser Körper reagiert und von alleine heilt (wie es bei uns allen vorkommt), und in diesem Fall ist es Verdienst der Homöopathie, weil wir anderenfalls nicht gesund werden, tatsächlich zu einem Arzt rennen müssen, denn dann sind die Symptome tatsächlich gravierend, und es wäre angebracht, sich mit einer richtigen Arznei zu kurieren!!!

Aber warum verwenden sie dann so viele?

Leider ist das „konventionelle“ Gesundheitssystem weit davon entfernt, perfekt zu sein.
Oft genug gehen Ärzte nicht auf Patienten ein, sind arrogant und schlecht ausgebildet, empfehlen Medikamente, die einfachen Krankheiten nicht gerecht werden, obwohl es eigentlich ausreichen würde, ein wenig Geduld und ein paar Tage Ruhe zu haben.
Hinzu kommt, dass es zunehmend Menschen gibt, die wegen jeden Kopfschmerzes oder einer Erkältung Medikamente einwerfen, daher immun gegen deren Wirkung werden und damit ganze Kategorien von Mittel, die auf demselben aktiven Prinzip beruhen, nutzlos werden lassen.

Fügen wir dem eine ausgezeichnete Marketing-Strategie hinzu, die darauf abzielt, die „grausamen“ Unternehmen von Big Pharma anzuprangern (die Medikamentenmultis) und sie gegen die „guten“ homöopathischen Unternehmen (???) zu stellen, angereichert um die populäre Lust am „natürlichen Mittel“ gegen die „Chemie“ der üblichen Medikamente … et voilà ist der Erfolg des Produkts garantiert: Ein Medikament ohne jeden Nebeneffekt, das soweit funktioniert, den Patienten zufrieden zu stellen.

Die Wirklichkeit ist natürlich eine andere, die Multis der homöopathischen Mittel schöpfen Gewinn aus einem Produkt, das praktisch nichts kostet und das zu Lasten der Patienten und oft genug der Ärzte geht, die Ergebnisse sehen und sich ihrerseits diesen unwissenschaftlichen Methoden unkritisch und leider sehr wenig professionell zuwenden.

Die Homöopathie hat praktisch keine wissenschaftliche Kosten: Es gibt keine homöopathische „Forschung“ (die Mittel sind seit Jahrzehnten dieselben), sie schreitet nicht voran, sie bleibt statisch und tritt auf der Stelle (auch weil die, die sie herstellen, genau wissen, dass sie Wasser verkaufen, was sollte es da für einen Sinn haben, nach etwas andere zu suchen??).

Und die Multis von Big Pharma?  Wir wissen ganz genau, dass die Lobby der pharmazeutischen Hersteller bärenstark ist und unannehmbaren Einfluss auf Regierungen ausübt (habt Ihr Sicko von Michael Moore gesehen? Ich empfehle es Euch). Aber die Antwort auf diese Übermacht kann nicht sein, sich anderen Multis anzuvertrauen, die die gleichen Interessen wie die ersten haben (Geld zu machen), aber ihre gesamte Existenz auf eine spektakuläre wissenschaftliche Fälschung gründen!

Der weltweit größte Hersteller von homöopathischen Mitteln (dessen Namen ich nicht nennen kann) hat das Jahr 2009 mit einem Umsatz von 526 Millionen Euro abgeschlossen und einen schwindelerregenden Gipfel seiner Verkaufszahlen gerade während der Ausbreitung der Influenza A erlebt. Hat tatsächlich jemand geglaubt, dass er sich mit Wasser gegen Vogelgrippe schützen kann? Offensichtlich ja …

Was wäre also eine Verhaltensweise in einem zivilisierten Land?

Zwischen Wissenschaft und Aberglaube unterscheiden zu können. Erkennen, was Medizin ist und was nicht.

Darauf werde ich noch im dritten Teil dieses Artikels eingehen.

[gehe zum ersten Artikel]
[gehe zum dritten Artikel]

 

 

(*) Autor des Artikels ist Samuele Riva, der ihn am 13. Juli d.J. unter dem Originaltitel „Omeopatia: mito e leggenda“ auf seinem Blog „Blog(0)“ veröffentlicht hat (der vorliegende zweite Teil ist am 27. Juli erschienen). Samuele hat uns gestattet, den Text hierher zu übertragen, Übersetzung von ed2murrow. Hervorhebungen folgen dem Original, auf die Einbindung der Originalgrafiken wurde verzichtet.

6 Gedanken zu “Homöopathie: Mythos und Legende (2)

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