Happy Birthday, Mr. President

Posted on 1. Oktober 2011 von

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Silvio Berlusconi ist 75 geworden; eine Würdigung mit besten Wünschen für die Zukunft

Was kann einem Mann noch gewünscht werden, der 75 geworden ist und alles hat, was Mann sich wünschen könnte: Geld, Macht und Casting-Couchen in den firmeneigenen TV-Sendern wie Parlamentskammern?

Natürlich fällt das schwer, wenn der zu Kommemorierende Silvio Berlusconi heißt. Mit ganzem Körpereinsatz hat er der Welt bewiesen, dass die Anhebung des Rentenalters auf weit jenseits der 65 in Italien gerechtfertigt ist. Wo sich Schlangen von Interessierten nicht nur vor dem Sekretariat bilden, sondern erst recht vor dem Boudoir wie bei weiland dem vierzehnten Ludwig zum Lever, atmet der große Zeitgeist, der nur selten in Pension geht. Und wer verkündet, „beliebter als Lula da Silva und Obama“ zu sein, „populärer als Gandhi“, der „Jesus der Politik, der schweigend leidet“, hat sich bereits unsterblich gemacht.

Ein wenig von seiner Weisheit will dieser „primus supra partes“ noch dem „Scheißland“, das er väterlich regiert, zukommen lassen, bevor er „in ein paar Monaten weg geht“. Was wie für jeden guten pater familias bedeutet, nach den eigenen Exzessen der Nachkommenschaft eben solche zu ersparen. Das macht summa summarum 110 Milliarden aus, die „seinen Kindern“, den Italienern nicht mehr zur Verfügung stehen werden – nicht für Schulen, nicht für Krankenhäuser, nicht für Infrastrukturen. Es durch Einführung einer Superreichensteuer mit einer Träne im Knopfloch versieht, wie um zu sagen: Das trifft mich auch mit meinem Vermögen von 7,8 Milliarden, das ich mir vom Staubsaugervertreter bis hierher erschuftet habe. Nur um von firmen- und parlamentseigenen Beratern postwendend die Schlupflöcher einbauen zu lassen, die außer ihm kaum jemand braucht.

Das Oberhaupt des Tagesgeschäfts begeht nicht den Übergang zum Jenseits von Gut und Böse und damit zu besserer Einsicht, sondern zelebriert seinen Unwillen gegenüber einem Volk, das vertragsbrüchig geworden ist. Dabei hatte er sich ehrlich bemüht, damals 2001 im TV und mit eigener Feder, ein Blatt Papier mit 5 Punkten zu unterschreiben, die „Vereinbarung mit den Italienern“. Gedankt hat man es ihm nicht. Statt Halbierung der Arbeitslosigkeit deren Verdoppelung, statt Bekämpfung der Kriminalität tägliche Ermittlungen gegen ihre Verfilzung in alle Ämter. Der angekündigte Stadtteilpolizist, der Vertrauen schafft, nennt sich heute Ronda Padana und tritt gelegentlich als Schlägertrupp auf. Und zur Ankurbelung der Baukonjunktur reichte nicht einmal das Erdbeben 2009 in l’Aquila; dort liegt nach wie vor eine Gespensterstadt in Ruinen, ein Bild für Gemeinwesen.

Über allen Gipfeln ist Ruh

Daran ist die „linke Presse“ schuld, und es sind die „roten Roben der Justiz“, beide zusammen verbündet in „einem Umsturzplan“, der die ehrlichen Absichten, vor allem den Weitblick des Mannes Berlusconi durchkreuzt haben. Der soweit ging, die Schenkungssteuer abzuschaffen, um die Nachfolge seiner Kinder in die Firmen zu ermöglichen. Hätte doch nur jeder andere Italiener die Chance ergriffen und seine (Schein)Unternehmung weiter gegeben, der Traum vom Perpetuum Mobile in prekäre Verhältnisse wäre definitiv geworden. So muss aber Politik weiter dafür sorgen. Nicht einmal ein gehauchtes „Happy Birthday, Mr. President“ von einer schönen Frau ist ihm vergönnt. Die besten Wünsche kommen aus Abhörprotokollen, wo Gespielinnen sich gegenseitig versichern, ihn „mit dem Rücken zur Wand“ zu stellen, „damit er blecht“.

So bleibt dem sehr sehr alten Mann im Palazzo Chigi nur der Trost, wenigstens für sein eigenes Denkmal gesorgt zu haben, dem Mausoleum mit Platz für 36 der gens berlusconiana. Idyllisch gelegen im Park seiner Villa San Martino, im besten aztekisch-kubistisch-freimaurerischen Stil, verfügt es über einen riesigen Stromerzeuger für die Tage, da auch dieses Versorgungsnetz in Italien zusammenbrechen wird.

Wie soll man einen derart weitsichtigen Menschen würdigen, der am vergangenen Donnerstag die Schwelle zum ehrenden Alter überschritten hat? Mit den besten Worten des großen Dichters: Warte nur, balde / Ruhest du auch. e2m