Fiktive Vorteile durch Vorurteile

Manchmal, also eigentlich immer, komme ich nach drei Wochen der Medienabstinenz wieder nach Hause, ins Netz und nichts hat sich getan. Alles ist beim Alten. Montag morgen schaute ich, nach drei Tagen Medienschmalkost, vor der Arbeit noch einmal kurz bei Spiegel-Online rein, dort ist man zwar nie gut aber meist schnell informiert. Da stand was vom Nazi-Terror in Deutschland.

Ebenfalls am Montag erging das Urteil im Falle Rola el Halabi, der Adoptivvater der Profiboxerin hatte im April auf seine Tochter geschossen, nachdem sie ihn als Manager entlassen hatte. Dieser Schritt war wohl nicht überraschend und hatte eine oder mehrere Vorgeschichten.

„Zum Jahresbeginn trennte sich die Weltmeisterin, die nebenbei ein Fernstudium absolviert, auch von ihrem langjährigen Manager Roy El-Halabi (ihrem Vater). „Ich habe ihm als Förderer und Manager sehr viel zu verdanken“, teilt die gebürtige Libanesin mit deutschem Pass mit. Doch nun mit 25 Jahren sei es Zeit, „neue Wege zu gehen und neue Ziele anzuvisieren“.“ Quelle Januar 2011

„Manager ist seit jeher ihr Stiefvater Roy El-Halabi. Er sagte, dass „Rola nicht mehr Weltmeisterin ist“. Außerdem will er sie sperren lassen, damit sie nicht mehr in den Ring steigen kann: „Die Gesundheit meiner Tochter geht vor.“ Hintergrund des Ganzen ist, dass Rola El-Halabi zwischen Juli und Oktober des vergangenen Jahres mehrmals in Ohnmacht gefallen war. In mehreren Untersuchungen wurden jedoch keine körperlichen Ursachen ausgemacht.“ Quelle
Januar 2011

„Vorausgegangen war eine Familienfehde, die bereits im Sommer 2010 begonnen hatte und immer mehr eskaliert war. Auslöser war die Liebe Rolas zu einem verheirateten Mann. Mit dieser Beziehung war ihr Vater und Manager nicht einverstanden. Mehrfach forderte er sie auf, sich von dem Mann zu trennen, doch die 26-Jährige gab nicht nach und bekam sogar Unterstützung von ihrer Mutter. Die Auseinandersetzungen in der Familie gipfelten darin, dass Rola ihren Stiefvater als Manager entließ.“ Quelle 14.11.2011

Die ehrgeizige junge Boxerin hofft nach ihren schweren Verletzungen auf ein Comeback.

Auf einer amerikanischen Website lautete der erste Kommentar unter dem Bericht zu den Schüssen auf sie:

„Roy El-Halabi sounds like Muslim name, nuff said. The religion of rest in peace just can’t stay out of the news.“

Als wäre die gesamte Geschichte anders zu bewerten, lauteten die Namen der Beteiligten „Meyer“, „Schulze“ oder „Carstens“.

Am Tag, als das Ausmaß der Taten einer Gruppe von, über 10 Jahre mordend durch dieses Land ziehenden, Nazis langsam klar wurde und bei Spiegel deren Bekennervideo in Auszügen zu sehen war, heißt es unter einem, das Strafmaß von 6 Jahren als zu gering anprangernden, Artikel bei PI zum Urteil im Prozess um den Anschlag auf Rola el Halali:

„Der an seiner Ehre gekränkte, eifersüchtige Moslem aus Kuwait wollte die Sport-Karriere des Mädchens beenden. In Berlin wurde er nun zu sechs Jahren verurteilt – wegen schwerer Körperverletzung. Man schießt zwei Magazine leer, und das ist nur schwere Körperverletzung! Dünkt ein bißchen wenig? Gab es Moslem-Bonus?“

Hier scheint der Wusch nach dem Gegenteil, dem Moslem-Malus mit, der gehört nicht nur in den Alltag sondern auch vor Gericht!

Unklar ist mir, woher die Autoren die Information, der Täter sei Moslem, nehmen. Über Google stößt man auf Spekulationen, nicht auf Fakten. Unklar ist auch, wie sich das Moslem sein, des Täters bis zur Tat gezeigt hat. Der Sport, den seine Adoptivtochter unter seiner Obhut ausführte könnte natürlich ein Hinweis sein. Oder die schlechte Ausbildung der Tochter. Klar ist, wer nach Moslem aussieht, sich anhört oder benimmt, ist Moslem. Und wer einmal Moslem ist, der bleibt Moslem. Ist wer nicht ist, wie wir, den kriegen wir. Es ist egal, wie sehr Ihr versucht, wie wir zu sein, ihr werdet nie dazu gehören.

Sarrazin gab an, sich in seinen Urteilen auf Statistik,  Zahlen, auf Wissenschaft zu berufen. Solche Zahlen liefert unter anderem das Bundesamt für Statistik,  dort werden Deutsche mit Migrationshintergrund seit 2005 gesondert erfasst. Die Definition dieses Hintergrundes ist anpassbar, je nach Windrichtung.

Am intellektuelle Überbau eines Klimas, in dem „anders“ zu „fremd“ wird und fremd bleibt, wird an vielen Stellen gebastelt. Sei es bei der Achse des guten, wo Bernd Zeller uns bescheinigt, alles sei halb so wild und wenn, dann sind die Linken Schuld. Sei es in den Kathedralen der christlichen Leitkultur, in denen Staatsrechtler differenzieren dürfen, welche der monotheistischen Religionen demokratietauglich ist und welche nicht. Welcher Mensch demokratietauglich ist und welcher nicht. Wer dazu gehört und wer nicht.

Hass kennt keine Religion und keine Weltanschauung. Hass kennt nur Opfer.

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