No more Chicken Tikka – Satt aber Resistent

Posted on 9. Januar 2012 von

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Bis in die Tagesschau hat es die Pressemitteilung des BUND über den Antibiotikamissbrauch in der Hähnchenmast geschafft.

Ich mag Huhn, doch ich mag weder MRSA noch ESBL. Beides sind Abkürzungen hinter denen sich Namen für multiresistente Keime verbergen. Das bedeutet, diese Keime sind gegen mehrere Antibiotika unempfindlich, die früher noch gegen sie gewirkt haben. Dabei ist MRSA oder Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus wohl der bekannteste. Methicillin ein Testantibiotikum, das im Menschen nicht eingesetzt wird, sondern als Indikator gilt.

Neben dem MRSA wurde auch ESBL, was für Extended Spectrum β-Lactamasen steht, gefunden. Das bedeutet, dieses Bakterium hat die Möglichkeit eine bestimmte Art Antibiotika zu knacken und unwirksam zu machen. Es gibt noch andere von den Viechern und in Indien wurde bereits einer gefunden, der ist gegen alles resistent. No more Chicken Tikka.

Es ist jedoch in der Regel erst einmal kein Problem, mit diesen Keimen in Kontakt zu kommen, Staphylococcus aureus ist ein normaler Bewohner der menschlichen Flora und macht seinen Job, ob er resistent ist oder nicht. Auch Vertreter der ESBL-Fraktion gehören zur Flora, zum Beispiel E. Coli im Darm.

Ein Problem werden diese Keime erst, wenn sie an einer Stelle im Körper auftauchen, an die sie nicht gehören. Wenn sie sich dort vermehren und ausbreiten, ist das Mist. Dann spricht man von einer Infektionskrankheit. Das will keiner. Das passiert dummerweise vor allem dann, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann, wenn man angeschlagen ist, nach ein Operation zum Beispiel.

Die Tagesschau schlägt vor, in der Küche auf besondere Hygiene zu achten, was mit dem Bild eines halben Huhns unter fließendem Wasser verdeutlicht wird. Außerdem soll das Fleisch ausreichend erhitzt werden. Was bei Salmonellen helfen mag, ist in diesem Fall allerdings sinnlos. Die einzige realistische Chance, nicht von einem MRSA oder ESBL besiedelt zu werden, ist, kein (resesistent verkeimtes) Huhn zu kaufen.

In Krankenhäusern werden große Anstrengungen unternommen um die Übertragung von diesen Keimen zu verhindern. Mit z.T. erheblichem Aufwand.

Wer ein mit ESBL oder MRSA kontaminiertes Huhn so kochen will, dass hinterher keiner dieser Keime in der Wohnung mehr lebendig ist, braucht ein Händedesinfektionsmittel, ein Flächendesinfektionsmittel, eine heiße Spülmaschine und eine gute Organisation. Am Ende muss alles, was das Huhn berührt hat desinfiziert werden. Ich mag zwar Huhn, das ist mir aber zu viel Aufwand. Geschick könnte auch helfen. Das Huhn muss dann direkt aus der Packung in die heiße Pfanne, ohne es direkt zu berühren, was Jörn Kabisch dazu wohl sagt?

Man kann Huhn wohl vorerst nur auswärts essen, gut durch. Und geben Sie dem Koch nicht die Hand.

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