Hochschule für Homöopathie in Traunstein

Posted on 8. März 2012 von

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Aus Traunstein im Chiemgau erreicht uns die Nachricht, Großes stehe bevor in dem 19 ooo-Einwohner-Ort im Herzen Bayerns. Eine Hochschule für Homöopathie, so heißt es, sei in Planung, im Grunde schon gebaut. Die Lebenskraft für eine solche Hochschule zumindest ist bereits spürbar, in den Straßen des Ortes, wo der Winter langsam dem Frühling Platz macht und mit dem Frühling die Hoffnung einkehrt. Die Hoffnung auf Heilung. Nichts weniger versprechen sich die Verantwortlichen der Region.

Heilung auf körperlicher, psychischer, geistiger, seelischer, metaphysischer und pekuniärer Ebene. Auf letztgenannter Ebene bekämpft der Freistaat Bayern gerade mit 500 000 Euro für den Umbau des alten Gymnasiums, damit es Hochschule, Gesundheitsamt und Krankenpflegeschule fassen kann, ein Symptom.

Wann die Hochschule ihre Arbeit aufnehmen kann, steht in den Sternen. Zwar haben sich diverse potentielle SchulleiterInnen beworben, es waren auch vielversprechende KanditatInnen dabei, „am Ende“, so ein Verantwortlicher, „scheitert es jedoch immer am Aszendenten.“ Traunstein, so erfährt man, sei ein Wassermann-Ort und bei unpassenden astrologischen Eigenschaften der neuen Schulleitung drohe eine Katastrophe. Dabei sind die Stadtoberen relativ unbeleckt an die Sache herangegangen: „Wir waren etwas naiv“, schmunzelt der Landrat, „doch dann haben wir uns von Fachleuten beraten lassen und sind jetzt, so denke ich, auf einem guten Weg.“ Die von den Kandidaten zu erfüllenden Voraussetzungen wurden bei Vollmond ausgependelt, „dafür sind wir extra mit einem Ruderboot auf den Chiemsee, überall sonst war der Elektrosmog zu stark.“

Probleme gab es zu Anfang noch bei der Erstellung des Curriculums, weil es zu Unstimmigkeiten zwischen den beteiligten Fachleuten gekommen war. Klassische Homöopathen wehrten sich entschieden gegen Inhalte, die Hahnemanns Werk verwässern. Vertreter der Komplexhomöopathie verwiesen auf ihre guten Erfahrungen und fordern mehr Offenheit von den Klassikern. Zu einem Eklat wäre es fast gekommen, als Vertreter beider Gruppen bei einer Sitzung jeweils Belege vorbrachten, wonach die jeweils andere Methode wissenschaftlich nicht haltbar sei. Nachdem ein Vertreter der Klassischen Homöopathie sogar den Internetpranger „Esowatch“ zitiert hatte, war die Sitzung unterbrochen worden.

Man einigte sich später auf Offenheit zu allen Seiten und wird nun auch Mikroimmuntherapie und Homöopathie nach Körbler anbieten. Wenn es zu Widersprüchen kommt, sollen die Studierenden selbst entscheiden, wie sie sich entscheiden. „In der Wissenschaft“ so ein Heilpraktiker, der vor Ort praktiziert, „muss man gegensätzliche Ansichten aushalten.“ Und weiter: „Uns geht es hier um sanfte Medizin, da werden wir doch das Klima nicht durch Streit vergiften.“

Schnell einigte man sich auf ein Motto der Hochschule. Über dem Eingang und auf dem Briefpapier wird in „Wer heilt, hat Recht“ das Markenzeichen der Hochschule zu erkennen sein. Ein weiteres wird das Fehlen einer Bibliothek sein, „wir machen Erfahrungsmedizin, zu viele Fakten wirken da einschüchternd.“

Die Hochschule für Homöopathie ist nicht die einzige Innovation, die in nächster Zeit aus Traunstein erwartet werden kann. Die Gemeinde, so wurde aus inoffiziellen Quellen bestätigt, stehe in Verhandlungen mit „Grantelwasser“ aus Österreich, um die Wasserqualität des Chiemsees nachhaltig zu verbessern. Zur Zeit wird in Österreich berechnet, wie viele Flaschen in den See zur Wasserbelebung verbracht werden müssen. Das Ganze dürfe man nicht losgelöst von der Hochschule sehen, so ein Firmensprecher, immerhin gehe es darum, auch regionale Quellen bei der Herstellung von Homöopathika zu nutzen.

Man darf gespannt sein, welchen Weg diese Entwicklung im Süden der Republik nimmt und ob die in Traunstein ausgebildeten AkademikerInnen die großen Probleme Bayerns werden lösen können.

Weitere und vor allem echte Informationen bietet chiemgaugemseneier.

 

Update: 13.3.2012 10:00Uhr

Auch die GWUP berichtet über den Vorgang.