Laufzettel Freitagtechnik – „Puttin‘ swim fins on a cat“

Eine Selbstantwort auf „Freiheit, die wir meinen“, Selbstreferenzialitis und nicht nachlassender Freude am Schreiben; nicht unbedingt bei der Freitag

Zurzeit liegt nichts an: freitag.de/community ist per Workshop für das Paper vereinnahmt (ein Eilteblogger hat dazu sogar ein hochgelobtes Blog geschrieben); es verschwinden nach wie vor Beiträge, ohne dass davon Notiz genommen wird; beim Laden der Seiten von unser aller Plattform warten wir immer noch auf Godot. Alles geht seinen geregelten Gang.

Wäre da nicht, dass in meinem Kopf bereits seit dem Kofferpacken für Berlin die Frage rumort:

Warum Blogger in ihr exaktes Gegenteil, nämlich in die Zwänge einer Zeitung und ihres Formats pressen? Nicht!

 

These 1: Bloggen bei ist Alleinstellungsmerkmal für der Freitag

Über die Motive, warum sich eine Zeitung gegen den Trend eine „Community“ zulegt hat, ist viel und meist ziemlich Gehässiges geschrieben worden. Ich erspare uns die Wiederholungen, pars pro toto ein Eintrag auf der -> Facebook-Seite des Papers von vor zwei Jahren und dazu der -> Tweet. Ein paar Reaktionen gab es auch, einschließlich Trackbacks.

Tatsächlich ist das, was als „Community“ auftritt, -> Alleinstellungsmerkmal im deutschen Sprachraum des Verlags und der Zeitung der Freitag, mithin der -> gleichnamigen Mediengesellschaft mbh & Co. KG. Und weil Geschäft Geschäft ist, kann bei nüchterner Betrachtung gesagt werden: Egal, was der „Community“ wiederum (an Motiven, Linien, Links, rechts etc.) zugeschrieben wird – ohne sie wäre der Freitag nur ein Blatt unter vielen. Die Details kann sich jeder bei der -> IVW abholen, Designpreis hin oder her.

These 2: Bloggen hat keine Form und keine erste Seite

Auch hier erspare ich uns lange Ausführungen und verweise auf Antje Schrupps -> „Dekoration und Reichweite“. Das nachfolgende Zitat markiert den Unterschied:

Ich bezweifle stark, dass jemand, der die Relevanz des eigenen Handelns daran misst, wie viele Leute „draufklicken“, sich der Versuchung erwehren kann, das eigene Tun entsprechend zu modellieren. Das traurige Extrem sind dann diese aus Keywords zusammengerotzten Texte, die für Werbekram Klickzahlen generieren sollen. Sie haben ganz offensichtlich überhaupt keine Relevanz, sie sind nämlich komplett sinnfrei. Aber sie haben Reichweite. Reichweite zu haben, ist ihr einziger Zweck.“

Schrupp hat nicht zu Freitag geschrieben, sondern zum Selbstverständnis von Bloggern. Sie ist in ihrer Einschätzung nicht allein. Von ziemlich genau der anderen Seite, nämlich den klickabhängigen Charts, kommt Jens Schröder aka Popkulturjunkie (ehemals deutscheblogcharts.de) her und -> konstatiert: „…der Faktor Traffic spült vornehmlich suchmaschinenoptimierten Content-Schrott nach oben.“

Ändert sich daran etwas, nur weil statt xy.wordpress.com die URL eines Blogs lautet freitag.de/community/blogs/xy?

Positiv ausgedrückt: Das Projekt Freitag versucht, in der Kombination von Blogs und Paper eigenständige Relevanz zu erzeugen. Negativ ausgedrückt: Ohne eigenständige Relevanz von Blogs scheitert das Projekt der Freitag!

These 3: Bloggen ist und lebt von Vernetzung

netzwerke

Blogs sind keine Sequels, wie in der ersten Abbildung, dem etwa das Konzept der Network-Corporations zu Beginn des vorigen Jahrhunderts zugrunde lag. Sie sind aber vergleichbar mit

Soziogramm Lombardi

Darstellung © Mark Lombardi, via Streifzug

wo die Namen von Einzelpersonen ohne weiteres durch Nicknames bzw. Blogtitel ersetzt werden können. Das ist selbstverständlich. Dabei ist der technische Weg (trackbacks, twingly, twitter, facebook, Blogrolls, rss, pinboard.in u.a.m.) zunächst sekundär. Noch einmal Antje Schrupp:

Was für mich wichtig ist, wird mich finden. Auch wenn ich möglicherweise die einzige Person auf dieser Welt bin, für die das wichtig ist.“

Das ist die gänzlich unbescheidene, dezentrale und großzügige Sichtweise eines Menschen, der seine „Ideen und Gedanken bloggt, denn nur so können diejenigen, für die das eventuell relevant ist, sie auch finden“. Vernetzung in diesem Sinne ist Angebot und Inbezugnahme ohne  Abhängigkeit. Wird es aufgenommen, entsteht Vernetzung. Und kann weiter transportiert werden. Das ist die einzige Gegenleistung, die sich ein Blogger erwarten sollte.

These 4: Bloggen für Freitag ist wie Katze mit Schwimmflügel

Das Festhalten an einem (wie auch immer gearteten) Konzept von Community als Ausdrucksform der Beteiligung von Lesern/Schreibern ist weitestgehend selbstreferenziell und damit steril. Nicht weil von freitag.de nicht maßgebliche transportfähige Anregungen ausgehen würden, sondern weil sie in der Praxis der überwiegenden Zahl der Blogs dort enden.

Probe aufs Exempel: Wie viele Blogger transportieren wie oft Blogs aus der Community so nach außen, dass daran selbständig angedockt werden könnte? Alleine bei Betrachtung der „Mein Web“ und „Mein Projekt“ in den Profilen findet sich am Ziel kaum einmal eine Bezugnahme auf  freitag.de oder /community, erst recht keine auf /community/blogs/xy. Wenn das aber alles so irrelevant wäre, dass es nicht einmal erwähnt wird, warum dann überhaupt dort etwas veröffentlichen?

Folge ist, dass die Zeitung nun -sollten die Anregungen aus dem -> Workshop umgesetzt werden- eine eigene Andockstation  per Abbild der Community im Paper schaffen würde, um den Anschein von Bloggerei zu wahren. Der aber im Ergebnis das ziemlich genaue Gegenteil bewirkte: Eine Verjournalisierung, aber bitte mit Leitfaden! Wie wenig Selbstbewusstsein brauchen Blogger bei freitag.de eigentlich noch?

These 5: 

These 6: Ungewissheit prägt

Technisch ist die Bloggerei auf der Plattform von freitag.de völlig uninteressant. Je mehr man sich außerhalb umsieht, desto klarer wird das – der Kreativität sind ganz enge Grenzen gesetzt, die noch dazu mit der Geduldsprobe der Ladezeiten einhergehen.

Es bedürfte also einer besonderen Motivation, dennoch hier (weiter) zu schreiben. Diese Frage kann der Freitag offensichtlich über die Bereitstellung seiner Ressourcen hinaus nicht beantworten. Und diese Bereitstellung dient anderen Prioritäten.

Mein Wunsch wäre: Mehr Experimente (selber Seite einrichten, schauen wie das geht, damit herumspielen); Mehr Bezugnahmen (was tut sich hier, was mir gefällt, was tut sich anderswo, was ich hier gerne sähe); Mehr Lust (ey, den Journalistensprech habe ich drauf wenn ich will, aber will ich das?); Mehr Selbstbewusstsein (ich bin überzeugt von dem, was ich schreibe); Mehr Unabhängigkeit (ich brauche freitag.de nicht, aber er braucht mich); Mehr Alltag (wir leben an Orten – und beschreiben sie; wir leben nicht vom Bloggen – wovon dann, unter welchen Bedingungen); Mehr Zusammenarbeit (wir sitzen eh auf einer Anlaufstelle, warum wurden also Gesprächsprojekte eingedampft, Filmexperimente nicht weitergeführt?); Die Redaktion schamlos ausnutzen – die hat das Know-How für viele interessante Dinge und will unsere Texte, gutes Geschäft auf Gegenseitigkeit.

Und endlich den Relaunch. Jetzt!
e2m

Ein Gedanke zu “Laufzettel Freitagtechnik – „Puttin‘ swim fins on a cat“

  1. Und endlich Relaunch? Wie ich die Springerknechte kenne, werden sie die Community outsourcen, überhaupt jede Kommentar-Möglichkeit. Und dann sitzen da ein paar verängstigte Teilzeitkräfte, die alles blitzschnell löschen, was der Millionärsclique nicht passen könnte.

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