Das Netzwerk der Heiler – Homöopathiehochschule in Traunstein

Posted on 30. September 2012 von

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Es scheint geschafft. Die Traunsteiner bekommen eine Hochschule für Homöopathie. Im Chiemsee zu schwimmen wird damit wohl bald zu einem nicht ungefährlichen Abenteuer, wegen homöopathischer Verseuchung. Eine Gefahr, die sich bei jedem Schauer erhöht.

Wenn Bernd Kramer mit seinem Text in der Zeit Recht hat, gibt es bald Bachelor- und Masterhomöopathen aus Bayern. Die vom Kollegen e2m erwähnten Hürden des Hochschulrechts scheint man übersprungen oder eher umgangen zu haben. Mithilfe der European Union of Homoeopathy (E.U.H) wird eine weitere Zauberhochschule in Deutschland eröffnet. Leider ist Dumbledore als Schulleiter nicht verfügbar, um den kleinen HomöopathInnen „systematisierte Magie“ beizubringen.

Was bringt man angehenden Homöopathen an so einer Hochpotenzschule eigentlich bei? In anderen Studiengängen werden in den ersten Semestern Grundlagen gelehrt, die wichtig sind, um das Fach zu verstehen. Information breitet sich aus, das ist einer der Erklärungsansätze zeitgenössischer Homöopathen. Lernwilligen JungheilerInnen Chemie und Physik beizubringen wäre verschwendete Energie, weil die Information einfach in den Köpfen verschwindet und nie wieder herauskommt. Ausgenommen natürlich Quantenphysik. Allerdings braucht man dafür nur eine Unterrichtseinheit, mit einem Tafelbild, welches 10 x mit einer Pfauenfeder (hohe Quantenresonanzschwingungsenergie!) in das Heft geschrieben wird:

Gleiches gilt für Anatomie, Physiologie und Biochemie, was zählt, sind die Symptome. Alle Symptome: warme Speisen am Morgen, frieren am Abend, Angst vor Kaninchen, das Bedürfnis, Fenster zu öffnen oder zu schließen, sich zu fragen, ob die Haustür abgeschlossen ist oder sie offen zu lassen. Das nennt man „ganzheitlich“ (weil „beliebig“ so einen schlechten Klang hat). Um die subtilen Unterschiede zum Gesunden herausfinden zu können, müssen die JunghomöopathInnen Gesprächsführung lernen. Das ist beruhigend, der Stundenplan füllt sich langsam. Homöopathen mögen sich für nichts in ihrer Medizin bezahlen lassen, ob sie sich diese Prinzipien auch bei einem Studiengang gefallen ließen, darf bezweifelt werden.

Den Rest der Zeit wird man wahrscheinlich zum Teil mit Hahnemann füllen. Hahnemann lesen, interpretieren und anwenden. Denn nur, wer sich an Hahnemanns Anweisungen hält, ist ein echter Homöopath. Das sagt Hahnemann („Macht’s nach aber macht’s genau nach„). Davon ist nur Steiner ausgenommen, der hat sich, wahrscheinlich nachdem er sich posthum eine Erlaubnis geholt hat, davon befreit. Und natürlich Heel, Hersteller komplexhomöopathischer Mittel, dessen Gründer Dr. Hans-Heinrich Reckeweg sich wohl sagte: „Scheiß drauf, ich weiß es besser*.“ Und niemand widerspricht. Wie auch, wenn die Theorien, die hinter dem ganzen Zauber stecken, sich empirischer Forschung entziehen.

So gesehen haben die Lehrer an der neuen Hochschule in Traunstein alle Freiheiten, sie können lehren, was sie wollen, es ist vollkommen egal, es kommt auf die Urkunde an, die später in der Praxis hängt. Vor einiger Zeit fragte ich in einem offenen Brief an den DZVhÄ, woran man einen seriösen Homöopathen erkennt, mit genau dieser Idee im Hinterkopf. Eine Antwort habe ich bisher nicht bekommen. Das wird vermutlich auch so bleiben, denn nicht mal der Oberdruide, Prof. George Vithoulkas, kann eine Antwort darauf geben. In „Homöopathie Konkret“, einem Magazin für klassische Homöopathie (die Hahnemannjünger, nicht so Panscher wie Heel), ist folgendes zu lesen:

HK: Welche Attribute und Qualitäten benötigt ein Homöopath, um ein guter Homöopath zu werden?
Das ist eine interessante Frage, die ich versuche, zu beantworten, indem ich von den Beobachtungen meiner Studenten ausgehe, die ich viele Jahre unterrichtet habe.
Ich kann aber nicht sagen, dass ich die Antwort weiß. Erst einmal sollte ein guter Homöopath, nachdem er gelernt hat, erfolgreich seine Patienten zu behandeln, sein erworbenes Wissen, das ihn zu einem guten Verschreiber werden ließ, an andere weitergeben. Ich dachte immer, dass die Hauptqualitäten eines solchen Homöopathen Enthusiasmus und Hingabe wären.

Aber jetzt sehe ich, dass diese beiden Qualitäten in der Welt der Homöopathie nicht genügen. Aus heutiger Sicht würde ich eine Qualität hinzufügen – und diese ist „Aufrichtigkeit“.

Naive Studenten Lügen und Fantasien zu lehren, die fern der Prinzipien sind, die Hahnemann aufgestellt hat, ist ein unaufrichtiger Akt, den die Welt auf lange Sicht gesehen zurückzahlen wird, da die Möglichkeit realer Heilungen, zu der die Homöopathie fähig ist, in völliger Verwirrung persönlicher Ideen und Meinungen verloren gehen wird.

Also Hingabe, Aufrichtigkeit und Hahnemanns Leersätze, aber eigentlich weiß er es nicht. Zwar schimpfe ich viel über HomöopathInnen (und andere Quatschmediziner), doch gehe ich davon aus, 99,9% der VerordnerInnen arbeiten mit Hingabe und Aufrichtigkeit. Das machen aber auch die, die sich nicht an Hahnemann halten, mit ähnlichen Ergebnissen, siehe Heel.

Wir sind also immer noch nicht wirklich weiter mit dem Curriculum für Traunstein. Gesprächsführung und Hahnemann macht auf dem Papier einen verdünnten Studiengang. Aber wahrscheinlich ein großartiges Geschäftsmodell.

*Besser als Hahnemann und wer will da widersprechen, wer heilt, hat schließlich Recht!

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