25 Jahre GWUP – Eine Geschichte vom Versagen

Posted on 14. Oktober 2012 von

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Mensch auf dem Mond

Meine erste bewusste Erinnerung an Nachrichten aus der Welt ist ein Feuerball am Ende einer weißes Säule aus Dampf vor einem blauen Himmel. Das waren im Januar 1986 die Reste der explodierten Challenger die sieben Astronauten in den Tod riss.

Gerne würde ich sagen, im selben Jahr hätte sich die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) gegründet, doch das wäre nicht wahr, die wurde erst im Oktober 1987 gegründet, in Roßdorf in der Nähe von Darmstadt. Seitdem bemühen sich „die Skeptiker“, wie sie sich mittlerweile auch nennen, um mehr Rationalität in der Welt. Zumindest in dem Teil der Welt, den man Deutschland nennt, denn Skeptikerorganisationen gibt es in vielen Staaten und antiparanormaler Imperialismus ist nicht gern gesehen. Kooperation hingegen schon. Sicher war es auch eine Anerkennung der Arbeit der GWUP, in diesem Jahr die Weltskeptikerkonferenz in Berlin stattfinden zu lassen. Oder die internationalen Skeptiker waren nur scharf auf deutsches Bier.

Nicht ganz so erfolgreich war die GWUP bisher bei der Suche nach einem Menschen mit paranormalen Fähigkeiten die sich unabhängig reproduzieren ließen. Jedes Jahr findet in Würzburg der PSI-Test statt, wo sich jeder Mensch 10 000 Euro verdienen kann, wenn er zeigt, dass er kann, was er oder sie behauptet. Wie wichtig dabei kontrollierte Bedingungen sind, wissen viele Skepitker aus eigener Erfahrung, so sind viele von Ihnen selbst „Magier“, wie Wolfgang Hund oder James Randi. Natürlich kann man jetzt sagen, dass die beiden sich noch nicht das Preisgeld geholt haben, läge daran, dass sie schlechte „Magier“ wären. Bessere haben sich, zumindest was den paranormalen Teil angeht, allerdings auch noch nicht gefunden. Aus diesem Grund war die GWUP bisher auch immer gezwungen den Aspiranten das Preisgeld zu versagen*.

Auf der Weltskeptikerkonferenz hatte ich das Glück, einige der ProtagonistInnen näher kennenlernen zu dürfen. Bemerkenswert war nicht nur die geringe Körpergröße von James Randi (im Kopf macht man (ich?) so berühmte Menschen ja gerne größer), sondern die Erfahrung, dass es sich in der Regel nicht um kühle, rationalistische, Technokraten handelt sondern um ganz normale Menschen. Zumindest wenn man von der großen Anzahl von T-Shirts mit Heavy Metal Bands absieht. Verwundert war ich über das ständige Hinterfragen wissenschaftlicher Ergebnisse, selbst wenn sie der eigenen Meinung entsprachen. Von dogmatischen Wissenschaftsfundamentalisten hätte ich mehr erwartet, da war ich doch ein bisschen enttäuscht.

In einer Dokumentation über die Challenger-Katastrophe, zwei Jahrzehnte nach dieser gedreht, wird gezeigt, wie es zu meiner ersten Erinnerung aus Nachrichten gekommen ist. Es war weniger diese ungeheuer Komplexe Maschine, die versagt hat, vielmehr waren es Menschen, die dafür verantwortlich waren. Es ist immer wieder faszinierend wie viel kognitive Dissonanz man entwickeln kann, wenn man sich einem Problem nicht stellen will…oder zu können glaubt. Diesem Problem, vor Problemen zu stehen, die man, aus welchen Gründen auch immer nicht lösen kann, entgeht man, wenn man sich ihnen nicht stellt.

Das ist aus meiner Sicht einer der zentralen Unterschiede zwischen der Esoterik zugeneigten Menschen und „Materialisten“ oder „Rationalisten“. Esoteriker schaffen sich Probleme, für die sie bereits Lösungen haben, während Materialisten nach Lösungen für Probleme suchen, die vorhanden sind. Nicht immer funktioniert das, manchmal steht nur Scham, Angst, das Ego oder ein fetter Gewinn zwischen Problem und Lösung. Das führt unter Umständen zu einem Feuerball in 15Km Höhe der sich in die Erinnerung eines Kindes brennt. Hätten die Esoteriker mehr zu sagen, wäre  meine erste Erinnerung aus den Nachrichten vermutlich eine andere, denn die Challenger wäre nie explodiert. Man hätte sie und ihr Geschwister allerdings auch nie gebaut.

*Ja, so flach sind die Witze hier.

There is no hint, the will come from elsewhere to save us from ourselfes.

Ich grüße alle bekannten, unbekannten und bald bekannten Wissenschaftsfundamentalisten der GWUP, die Pharmachemieatomlobyisten von Psiram.com, alle mit uns auf The Skeptator versammelten fundamentalathestischen Kommunistenblogger, sowie alle nerdigen Fellowskeptics. Auf weitere 25 Jahre Skeptizismus, Humanität und, in meinem Fall, Abenteuer mit der Orthographie.

[Bildquelle]