Goldenes Brett

Professor Walach gewinnt ‚Das Goldene Brett‘

Es ist der Höhepunkt einer beispiellosen Karriere, die Professor Harald Walach, das kann man neidlos anerkennen, aus dem Nichts erschaffen hat. Dabei war es keine einfache Konkurrenz in diesem Jahr, einem guten Jahr für die Pseudowissenschaft, deren größte Errungenschaft ‚Das Goldene Brett‚ auszeichnen soll. Zu oft bleiben sonst große Entdeckungen in diesem Bereich unbemerkt. Hatte im letzten Jahr noch Peter Arthur Straubinger abgeräumt, dessen Dokumentation über Lichtnahrung bei einigen ZuschauerInnen bleibenden Eindruck hinterlassen hatte, war in diesem Jahr das Who is Who, die Avantgarde der Pseudowissenschaft, nominiert.

Dieter Broers, ewiger Mahner vor dem kommenden Weltuntergang und Erfinder des Lebensfeldstabilisators, ist Kennern der Szene natürlich ein Begriff. Auch er wäre ein würdiger Preisträger gewesen. Sicher spielte bei der Entscheidung auch eine Rolle, dass unklar ist, ob Herr Broers seinen Aufstieg in die Liga des Lichts nach dem 21.12.12 weiter fortsetzen können wird. Pseudowissenschaft ist eine hartes Geschäft.

Überrascht war die Öffentlichkeit von der Nominierung der Österreichischen Ärztekammer, die ihren Mitgliedern Zertifikate für innovative imaginäre Therapien anbietet. Dabei reicht es nicht aus, Programme in Pastellfarben zu drucken, die Qualitätswächter der Ärztekammer fordern mindestens die Nutzung der Begriffe: Ganzheitlich, sanft, Selbstheilungskräfte, integrativer Ansatz. Standards genössen bei der Kammer einen hohen Stellenwert, so ein Sprecher, egal welche. Der Ärztekammer Österreich kann man nur mehr Erfolg im nächsten Jahr wünschen.

Herr Walach war leider nicht persönlich anwesend und hat eine Kollegin vorgeschickt, die sich für die Nominierung bedankte. Ganz in der Tradition der Pseudowissenschaft erzählte sie einige eher dröge Anekdoten und berief sich auf Goethe und Freud. Feinstoffliche Größe bewies Walach durch seinen Gegenpreis, ‚die silberne Schere‘ (im Kopf), der in diesem Jahr an psiram.com ging. Herzlichen Glückwunsch an die Wissenschaftstaliban.

Am Ende hat sich jedoch Professor Harald Walach (Hogwarts an der Oder) in einem hochkarätigen Teilnehmerfeld durchgesetzt. Der Sieg ist verdient und seiner unermüdlichen Arbeit für Pseudowissenschaften zu verdanken. Dabei zeigte Professor Walach seine Begabung nicht nur, als er die Führung von Hogwarts an der Oder (Früher: Europauniversität Viadrina) davon überzeugte, es sei eine hervorragende Idee, ihm die Leitung eines Instituts zu übertragen. Schon vorher hatte er mit der Betforschung ein von vielen Fachkollegen gemiedenes Feld betreten und machte deutlich, dass physikalische Gesetze kein goldenes Kalb sind, um das man tanzt. Stattdessen ging er in bester wissenschaftssäkularer Manier voran und ignorierte, was ihm nicht passte.

An welchem Punkt der Pharmakonzern Heel auf Professor Walach aufmerksam wurde, werden wahrscheinlich nur Nutzer des Kozyrev-Spiegels je erfahren. Die Zusammenarbeit war bis zum heutigen Zeitpunkt fruchtbar für beide Seiten und gipfelte in der Verleihung des „Goldenen Bretts“ im Wiener Naturhistorischen Museum. Ohne Heel, soviel ist klar, wäre Professor Walach die pseudowissenschaftliche Karriereleiter nie so weit hinaufgeklettert. Er zeigte sich durch die Postulierung der Schwachen Quantentheorie erkenntlich, bei der es sich um des Professors Meisterstück handelt.

Fachleute und Kollegen haben von der Speerspitze der Aufklärung nichts weniger erwartet. Die Schwache Quantentheorie könnte durchaus das Ende der pseudowissenschaftlichen Forschung bedeuten, denn sie erklärt alles mit nichts. Und damit kennt Professor Walach sich aus.

Zum Weiterlesen:

Näheres zur Preisverleihung gibt es im GWUP-Blog.

Die Laudatio auf den Gewinner hielt Sixtus.

Die Videos der Preisverleihung gibt es hier.

Ein Dankeschön des alternativen Preisträgers Psira.com.

Der Standard war auch da.

Ein Kommentar im Mathlog.

Julia Offe von der GWUP im Interview.

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7 Gedanken zu “Professor Walach gewinnt ‚Das Goldene Brett‘

  1. Du reihst dich also ein in die Schar derjenigen, die eine ganze Uni wegen eines nebenberuflichen Teilzeitstudiengangs als „Hogwarts an der Oder“ bezeichnen? Sehr wissenschaftlich.

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  2. Weshalb sich überhaupt solche Gedanken machen? Wenn wir ohnehin nicht ohne Theorie auskommen, kann es dann nicht egal sein, welche Theorie wir nehmen, eine wissenschaftlich akzeptierte oder eine mythologisch-narrative; Hauptsache wir machen unsere Erfahrungen und können sie vermitteln? Auf eine solche Haltung wäre meine Antwort ein klares Nein. Es ist eben nicht egal, mit welcher theoretischen Brille wir in die Welt blicken. Denn unsere Theorie, unser Weltmodell bedingt mit die Dinge, die wir sehen. Unsere Sprache ist die Begrenzung unserer Welt, sagte sinngemäß Wittgenstein und meinte damit, dass unsere Möglichkeit, die Welt theoretisch zu begreifen und begrifflich zu fassen, diese auch prägen. Unsere implizite Theorie prägt unsere Welt in dem Sinne, dass sie die Dinge, Vorkommnisse und Gegenstände bestimmt, die darin vorkommen können, oder aber auch nicht (Collingwood, 1998; Schwartz & Russek, 1997). Insofern ist es auf jeden Fall sinnvoll und ein Akt der geistigen Hygiene, sich über seine implizite Welttheorie, sein geheimes Weltmodell Rechenschaft zu geben. Professionell plädiere ich dafür, anstelle einer naiven und konkretistischen Gegenposition zur reduktiven Wissenschaft zunächst in den eigenen Reihen Theoriekritik zu betreiben und innerhalb der Wissenschaft nach Anküpfungsmöglichkeiten zu suchen. Dies hat einen doppelten Sinn: zum einen verhindert man dadurch ein Auskristallisieren und Verfestigen untauglicher theoretischer Strukturen. Zum anderen behält man die Dialogfähigkeit mit dem Hauptstrom der Wissenschaft, was vor allem dann von Nutzen ist, wenn man von dieser wahrgenommen werden möchte (und dass dies sinnvoll ist, ist die implizite Voraussetzung die ich mit diesem Beitrag und die wir alle innerhalb des Deutschen Kollegiums für Transpersonale Psychologie machen).

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    1. Weshalb sich überhaupt solche Gedanken machen? Wenn wir ohnehin nicht ohne Theorie auskommen, kann es dann nicht egal sein, welche Theorie wir nehmen, eine wissenschaftlich akzeptierte oder eine mythologisch-narrative; Hauptsache wir machen unsere Erfahrungen und können sie vermitteln?

      Wenn Herr Walach seine Theorien als mythologisch narrative bezeichnen würde, hätte er nicht diesen Preis gewonnen.

      Auf eine solche Haltung wäre meine Antwort ein klares Nein. Es ist eben nicht egal, mit welcher theoretischen Brille wir in die Welt blicken. Denn unsere Theorie, unser Weltmodell bedingt mit die Dinge, die wir sehen. Unsere Sprache ist die Begrenzung unserer Welt, sagte sinngemäß Wittgenstein und meinte damit, dass unsere Möglichkeit, die Welt theoretisch zu begreifen und begrifflich zu fassen, diese auch prägen.

      Das ist allerdings nur eingeschränkt richtig, denn sonst könnten wir heute nicht Dinge erklären, für die es vor 500 Jahren noch keine Begriffe gab.

      Unsere implizite Theorie prägt unsere Welt in dem Sinne, dass sie die Dinge, Vorkommnisse und Gegenstände bestimmt, die darin vorkommen können, oder aber auch nicht (Collingwood, 1998; Schwartz & Russek, 1997).

      Das mag sein. Die Theorien von Herrn Walach lassen sich jedoch nicht belegen und widersprechen Theorien, die belegbar (und widerlegbar!!!) sind. Ich bin mir sich sicher ob Collingwood, 1998; Schwartz & Russek, 1997 sich auch auf Fantasietheorien bezogen haben.

      Insofern ist es auf jeden Fall sinnvoll und ein Akt der geistigen Hygiene, sich über seine implizite Welttheorie, sein geheimes Weltmodell Rechenschaft zu geben.

      ?

      Professionell plädiere ich dafür, anstelle einer naiven und konkretistischen Gegenposition zur reduktiven Wissenschaft zunächst in den eigenen Reihen Theoriekritik zu betreiben und innerhalb der Wissenschaft nach Anküpfungsmöglichkeiten zu suchen.

      Wer sollte das Ihrer Ansicht nach machen?

      Dies hat einen doppelten Sinn: zum einen verhindert man dadurch ein Auskristallisieren und Verfestigen untauglicher theoretischer Strukturen. Zum anderen behält man die Dialogfähigkeit mit dem Hauptstrom der Wissenschaft, was vor allem dann von Nutzen ist, wenn man von dieser wahrgenommen werden möchte (und dass dies sinnvoll ist, ist die implizite Voraussetzung die ich mit diesem Beitrag und die wir alle innerhalb des Deutschen Kollegiums für Transpersonale Psychologie machen).

      Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich das richtig verstanden habe. Ist Ihr Kommentar eine Kritik an Herrn Walach oder an den Preisverleihern (das hat mich natürlich nicht gehindert trotzdem mal zu antworten…transzendent sozusagen).

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