Rotz und Schnodder – Helfende Hausmittel

Posted on 4. November 2012 von

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Schnupfen - Hausmittel

MedizinerInnen mögen vieles können: Helfen, heilen und Kotzbrocken sein. Aber eines können sie nicht: Krank sein zelebrieren. Das können Nichtmediziner besser, natürlich auch nur bei ungefährlichen, selbstlimitierenden Erkrankungen wie Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Die besten Tipps für eine gute Party habe ich hier gesammelt. Vielen Dank an alle TeilnehmerInnen.

Mit den fiesen Methoden fange ich mal an. So wurde empfohlen, 3 gehäufte Teelöffel Salz* in 0,25 l heissem Wasser aufzulösen, die Salzbrühe schluckweise zu vergurgeln, dann auszuspucken und den nächsten Schluck wegzugurgeln. Wiederhole man das ganze 3-4x/Tag, sei man nach 3 Tagen gesund. Wer es exotischer mag, darf diese Lösung lauwarm durch die Nase ziehen und das Ganze ayurvedisch nennen. Der Gedanke daran, mit heißem, schleimlösend wirkenden Meersalzwasser zu inhalieren, schreckt mich weniger ab. Allerdings warne ich vor der Anwendung dieser Methode bei Kindern aufgrund der Gefahr schwerer Verbrühungen. Entgegen landläufiger Meinung wirkt der Dampf vorwiegend in den oberen Atemwegen, die man auch mit (Meer)Salznasentropfen gut befeuchten kann. Wer bei Kindern nicht aufs Inhalieren verzichten möchte, dem sei ein Inhaliergerät angeraten. Das ist zwar kein Hausmittel, aber es besteht keine Verbrühungsgefahr.

Ebenfalls erwähnt wurde japanisches Heilpflanzenöl, welches, aufgetragen auf diverse Körperteile, ebenfalls helfen soll. Auch hier ist Vorsicht geboten bei Kindern, je nach Stärke kann die Kleinen der Effekt auch schon mal umhauen. Auch Kren (Meerrettich) wurde empfohlen, daran zu riechen soll heftiges Ausatmen durch die Nase provozieren. Die Folgen sollten offensichtlich sein: Taschentuch bereithalten!

Kommen wir zum angenehmen Teil, süße Sachen und Tee. Eine zentrale Rolle bei den süßen Sachen spielt der Honig. Der wird, kalt oder über einer Kerze erhitzt, mit diversen Pflanzen vermischt. Ganz vorne dabei ist die Zwiebel, die offenbar bei kaum einem Rezept fehlen darf und gepresst oder geschnitten wird, um sie über Nacht ziehen zu lassen und den Sud als Hustensaft zu nehmen. Misanthropen schrecken auch vor der Verwendung von Knoblauch, zum Teil pur, nicht zurück. Zitrone und Ingwer sind ebenfalls treue Begleiter und lassen sich allein oder mit Honig in heißem Wasser auflösen und geben dem Immunsystem einen Schub, so heißt es. Wenn die Pharmaindustrie die Spezialmischung aus Zitrone, Ingwer, Chili und Ahornsirup in ihre Hände bekommt, bricht wohl ein Patentstreit in der Küche aus. Als süße Trägermasse muss nicht Honig dienen, auch Anis (bei unseren niederländischen Nachbarn), Zucker und Zuckerrübensirup wurden empfohlen.

Neu war mir Propolis, so eine Art Bienenbeton aus Harz, Wachs, Pollen und Spucke (von Bienen), gemischt mit Zucker. Es könnte durchaus sein, dass man sich den ganzen Zauber sparen und auf den Zucker beschränken kann, angereichert mit was immer einem schmeckt. Das Monell-Zentum für Geschmacksforschung in Philadelphia hat entdeckt, dass der Zucker in Hustenbonbons bei der Linderung des Hustens vielleicht die größte Rolle spielt.

Nicht zu vergessen die Tees. Krank sein ohne Tee ist wie ein Krankenhaus ohne schlechtes Essen. Irgendwas würde fehlen. Kamillentee! schallte es aus fast allen Kommentaren und es wurde darauf hingewiesen, ganze Blüten zu nehmen und nicht den Schredder im Beutel. Mischbar ist die hübsche Blume gut mit Salbei gegen die heraufdräuende Rüsselpest. Puristen unter den Kranken behaupten, die Ingredienz sei ohnehin egal, Hauptsache heiß. Das scheint mir auch in anderen Lebensbereichen ein gutes Motto zu sein.

Aus dem fernen Osten erreicht uns die Kunde vom Halswickel (s.u.), die, im Gegensatz zum Wadenwickel, heiß angewendet werden sollen. Wadenwickel sind ein echter Klassiker und dienen neben der Fiebersenkung auch dem Betütteln. Helfen soll auch, einen Esslöffel Schwedenbitter anzudrohen, was auch immer das ist.

Wie über die Nase laufendes, sehr heißes Wasser die Schleimhäute abschwellen lassen soll, ist mir nicht ganz klar, doch für 2h soll dieser Effekt spürbar sein und nach 4-5 Behandlungen der Schnupfen weg. Nichts geht über Hausmittel. Hitze ist überhaupt fast so beliebt wie Honig, denn Viren krabbeln über kalte Füße nach oben, es heißt ja nicht umsonst Erkältung.

Den Bereich Krankheitslifestyle bringt hinlegen, abwarten, vom Gatten gekochten Tee trinken wohl am besten auf den Punkt, doch echte Fachleute im Huldigen der Geister des Schnodders ziehen andere Register. Wer einen stabilen Kreislauf hat, wagt ein heißes Bad. Man liest dumme Bücher, kocht eine Hühnersuppe (s.u.) und ignoriert Telefon und Türklingel. Die Lücken werden je nach Gusto mit süßen Sachen oder Salz und Tee aufgefüllt. Um eine wunde Nase zu vermeiden wird Vaseline empfohlen, gegen die wunde Seele helfen tröstende Worte von der Familie. Eine besonders hohe Dosis dieser Medizin benötigen Männer.

Frauen, deren Körper einem anderen Menschen zur Ernährung dient, stehen vor einem weiteren Problem: Knoblauch, Zwiebel, Chili , Zitrone…alles nicht das Beste für Bauch und Po des Nachwuchses . Die Lösung, so einfach wie naheliegend, ist ein guter Tipp für uns alle: Ich werd einfach nicht krank, das ist der Weg, gesund zu werden! Aber was macht man dann mit dem ganzen Honig, der Hühnersuppe und dem Gelben Schein?

Halswickel

„Benötigt werden ein kleines (Hand)tuch (15cm x20cm), Plastikfolie eine Spur größer (Küchenfolie, Einkaufssackerl, etc.), ein Halstuch oder Schal.

Das kleine Frotteetuch in möglichst heißes Wasser tauchen, fest auswringen, schnell auf den Hals vorne, das Plastik drüber, dann das Halstuch (welches Dank der Folie trocken bleibt). Ab ins Bett. Das ganze bleibt ca. 20 Minuten oder bis es zu kühlt wird drauf. Dann nur das feuchte Tuch mit Plastik weg, Tuch oder Schal drauf lassen.“

„Heilende Hühnersuppe  à la weinsztein

Zutaten für 4 Personen:

Schritt 1  – die Brühe: 1 großes Huhn von mindestens 2000 g*, 1 große Zwiebel, 2 Stangen Porree (nur das Grüne), ½ Sellerieknolle, 2 dicke Möhren, 1 große Knolle Knoblauch, 1 Daumen großes Stück Ingwer, 10 bis 20 schwarze Pfefferkörner, 1 großer Zweig Rosmarin, einige Lorbeerblätter, 5 halbierte Wacholderbeeren, 4 Gewürznelke, 1 längs halbierte scharfe Chili-Schote.

Die Zwiebel quer halbieren. Einen großen Kochtopf trocken erhitzen, dann die Zwiebel mit der Schnittfläche nach unten auf den Topfboden geben und einige Minuten bräunen. Per Karamellisieren entstehen Röststoffe (Maillard-Reaktion) und tiefe Aromen. 3 oder 4 Liter kaltes Wasser in den Topf geben und zugleich das Huhn und die Gemüsezutaten (Porreegrün, Sellerie, Möhren, Ingwer und Knoblauch alles grob geschnitten) sowie die restlichen Zutaten. Bei mittlerer Hitze aufkochen, danach auf die kleinste Stufe runter schalten. Immer mit Deckel.

Schritt: nach 90 bis 120 Minuten das Huhn aus dem Sud nehmen und abkühlen lassen. Dann die Haut entfernen und die wieder ihn den Topf geben, der leise weiter vor sich hin köchelt. Das Fleisch von den Knochen schneiden und in einer Schüssel bedeckt und gekühlt beiseite stellen. Knochen und Karkasse (Knochengerüst) mit einem Küchenbeil zerhacken und ebenfalls in den Topf mit der Brühe geben. Alles sollte mindestens drei weitere Stunden (oder die ganze Nacht, so mache ich es) auf der untersten Stufe weiter vor sich hin simmern. Evtl. zwischendurch mit kochendem Wasser ergänzen. Dann alles durch ein großes Haarsieb in einen anderen Topf gießen. Alles Feste entfernen. Wir benötigen nur die gefilterte Brühe.

1 Tasse Fadennudeln (oder Sternchen- oder Buchstabennudeln) separat kochen. Das Weiße der Porreestangen längs halbieren und quer sehr fein schneiden. 1 große Möhre schälen und sehr fein würfeln, ebenso ¼ Sellerieknolle, wieder 1 Daumen großes Stück Ingwer, ½ Knoblauchknolle, 1 Zwiebel. Das Fleisch vom Huhn ziemlich fein schneiden. Alles mit einer großen Tasse Tiefkühlerbsen und den gegarten Nudeln in die Brühe geben. Sanft köcheln und per Probieren den Garpunkt abwarten. Würzen mit Salz, reichlich schwarzem Pfeffer, gehackter Chili-Schote nach Geschmack, etwas Soja-Sauce. Ich gebe gerne etwas Worcestershiresauce an meine Portionen, allerdings sollte es die von Lea & Perrins sein. Und grob gehackte glatte Petersilie.“

Danke an alle Beteiligten für die tollen Hausmittel.

Weitere Hausmittel, die es nicht mehr in den Text geschafft haben, gibt es im Kommentarbereich des ersten Teils bei Freitag.de oder den Ausrufern.

[Disclaimer: Nicht alles in diesem Text geschriebene gibt meine Meinung wider oder ist ernst gemeint. Dieser Text hat nicht den Anspruch, Empfehlungen zur Therapie irgendeiner Erkrankung zu geben, sondern dient (hoffentlich) der Unterhaltung.]