Generalisierte Kritik

Posted on 22. Dezember 2012 von

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Calvin Angry

Herr Walach ist unzufrieden! Edzard Ernst hat ein Paper veröffentlicht, in dem Nebenwirkungen homöopathischer Behandlungen untersucht werden. Nebenwirkungen durch Homöopathie? Das ist doch lächerlich!

Herr Walach mag es nicht, wenn Homöopathie im Allgemeinen und seine Arbeit im Besonderen kritisiert wird. Aber ernst genommen werden soll die Homöopathie trotzdem! Genau das hat Ernst gemacht. Wenn beim Test eines echten Medikamentes ein unerwünschtes Symptom auftaucht, wird es in der Regel später im Beipackzettel erwähnt, selbst wenn es wahrscheinlich wenig mit dem Medikament zu tun haben sollte. Deswegen gibt es auch Nebenwirkungen, die bei fast jedem Medikament auftauchen, sowas wie Kopfschmerzen und Übelkeit. Diese Maßstäbe haben Ernst und Kollegen nur impertinenterweise auch an die Homöopathie angelegt. An die göttliche Homöopathie und das kurz vor Weihnachten. Das findet Herr Walach doof und hat einen Blog geschrieben, um seinem Unmut Ausdruck zu verleihen.

Da hat der Ernst doch tatsächlich eine Herzinsuffizienz und einen Blasenkrebs kausal mit der Behandlung mit Hochpotenz-Homöopathika (C1000 oder so) in Verbindung gebracht. Lächerlich, die generalisierte Quantentheorie ist, per Definition, nur für gute Effekte heranzuziehen. Für alles andere gibt es die Schulmedizin. Oder Karma.

Geholfen hätte, neben dem Blick auf die Tabellen, einer in den Text des Papers. Dort wird erklärt, eine Kausalität würde angenommen, wenn die Autoren der Fallbeschreibungen, auf die sich Ernst und Kollegen beziehen, das tun. Es wird also gar nichts darüber gesagt, ob das überhaupt möglich ist. In der Diskussion wird darauf hingewiesen, dass es schwierig ist, zwischen direkten und indirekten Nebenwirkungen von Homöopathie zu unterscheiden. Schuld daran sei auch die schlechte Qualität der homöopathischen Literatur.

An dieser Stelle sei Mark Crislip zitiert:

„If you collect individual cow pies into a larger pile, it does not transmogrify into gold. Can you make any conclusions under those circumstances? GIGO. Garbage in, garbage out (…).“

Man könnte Ernst höchstens dafür kritisieren*, dass er sich immer noch mit Scherzmedizin beschäftigt. Allerdings könnte er dann entgegen: „Sonst macht es ja keiner.“ Auch wieder wahr.

Weil im Text von Herrn Walach darauf verlinkt wird, habe ich den Originalartikel, auf den er sich bezieht, gelesen und kann Ernst nur zustimmen. Der Text ist wirr, es wird wild assoziiert und alles mit allem verbunden. Das passt natürlich zur generalisierten Quantentheorie. Davon abgesehen sagt es auch etwas über die Qualität der medizinischen Behandlung aus, die homöopathische Journals zu veröffentlichen bereit sind. Akute Angina pectoris mit Homöopathie zu behandeln, verlangt schon eine starke Konstitution. Des Patienten wohlgemerkt. Dass sowas in einer akademischen Zeitschrift veröffentlicht wird, ist gruselig.

Nachdem ich den Text gelesen habe, ist mir klar: Wer einem Homöopathen begegnet, der in homöopathischen Journals veröffentlicht, braucht für eine Behandlung vor allem eins – starke Nerven.

Interessant finde ich die Frage, warum Herr Walach sich nur einen der Autoren und dann gerade Ernst herauspickt? Erstautor ist Paul Posadzki und der ist auch für eine Korrespondenz als Ansprechpartner angegeben. Geht es vielleicht einfach nur darum, einen Kritiker unglaubwürdig zu machen? So ein Unsinn! Nur weil jemand unglaubwürdig ist, heißt das noch lange nicht, dass einem niemand mehr glaubt. Der Erfinder der generalisierten Quantentheorie sollte das eigentlich wissen.

Auf google+ findet eine Diskussion mit Herrn Walach statt.

*So wie mich auch😉