Mine

Die Granate

Wahlkampf          Der Blog „Sprengsatz“ meint, „Steinbrücks Markenkern ist Klartext“. Der gehöre aufpoliert und nicht entschärft. Ein Blick in die Werkstatt eines Bombenbastlers       

Der Mann ist Experte in Sachen Minenfelder. Wer die für die Flaggschiffe von Springer und die höchst erfolgreichen Polarisierer Stoiber und Rüttgers medial ausgelegt hat, braucht den Namen seines Blogs „Sprengsatz“ nicht weiter zu erläutern. Michael Spreng kann mit Worten umgehen wie mit Waffen.

Den jüngsten Beweis hat er angetreten mit seinem „Klartext gegen Nebelwand“ vom vergangenen Freitag. Und verrichtet hinter jener genau die Arbeit, die ihm kongenial ist – seine Nebelwand aus aufgesetzter Chancenprognose zu einem Steinbrück, auf den „keiner mehr eine Flasche Pinot Grigio für fünf Euro“ wetten will und gemimter Bewunderung („der Treiber gegen die Getriebene“) versteckt das kalte Händchen: Sich und denen, die Spreng bislang nahe stand, Optionen offen zu halten.

Denn der scheele Blick in Richtung „Stammtisch, wo undiplomatischer Klartext ankommt“ ist natürlich auch und erst recht einer der Union. Wie schon immer die per Schlagzeile auszuschlachtenden Dissonanzen weniger zwischen Seeheim und Wildbad Kreuth zu suchen waren, sondern beim politischen Aschermittwoch, so gilt es auch weiterhin, das Volk zu unterhalten.

Steinbrück in der Hinsicht zu stützen, bedeutet die eigenen Geistesgrößen von CDU/CSU zu stützen, die schon immer saftige Sprüche auf Lager gehabt haben wie der von Spreng betreute Stoiber („Wir waren den Ausländern gegenüber zu tolerant“). Nur dass die fehlende Toleranz sich nun auch auf die Ursprungsländer der Ausländer bezieht, wenn ein Ruprecht Polenz sich zur Wahlempfehlung ebendort aufschwingt und mit dem Entzug von Vertrauen droht. Kaum zu erwarten, dass solcherlei gestrickte Kandidaten in Hintertupfing oder Börnemüld anders reden werden als „wir können das natürlich viel besser“.

Der vordergründige Gusto des Michael Spreng verdeckt die Furcht, dass in dem Kandidaten Steinbrück eine zu große Übereinstimmung mit den eigenen Populisten gesehen werden könnte. Denen ist nämlich der eigene Horizont schon lange zu eng geworden, und sie versuchen ihn auf die Nachbarn auszudehnen. In dieser Logik sind die Italiener, die „Clowns“ wählen, nur die sinngemäße Fortsetzung des Mythos von den „faulen Griechen“ – vom Süden hat man nichts als Theater zu erwarten.

Die Waffe der Ironie legt bei Spreng nicht den Finger in die Wunde, sondern augenzwinkernd nahe, dass das im Ergebnis schon alles seine Richtigkeit hat. Wahlkampf auf Kosten Dritter könnte man das nennen. Oder von außen gesehen das immer weiter um sich greifende Gefühl, dass „am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ doch nicht nur ein Spruch ist. Deutschland ist schon Weltmeister im Export, pro capite sogar der in Sachen Waffen. Seit einiger Zeit auch in Worten. Und Spreng hat sich gerade als Chefmunitionierer empfohlen. e2m

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