mission impossible

Liebe Piraten…

„Liebe Piraten“ schreibe ich und meine vor allem eine ganz konkret.

Julitschka veröffentlichte gestern mit „Muss sich erst jemand anzünden“ einen Rant auf den Phlegmatismus ihrer Mitbürger gegenüber Überwachung und Spionage. Gegen Aushöhlung von Grundrechten, die kaum Widerstand hervorruft und gegen Nörgelköppe. Eine junge Politikerin am Limit.

Ich meine nicht nur Julitschka, sondern auch alle anderen, die sich in ihrem Text wiederfinden.

Wegen solcher Blogs übrigens mag ich die Piraten, sie zeigen wie dünn der Lack ist, der über den ,hinter den PolitikerInnen stehenden Menschen, gesprüht wird. Peer und Angela unterscheiden sich im Grunde nur im Haupthaar. Diese Authentizität macht die Piraten sympathisch. Aber sie mach sie nicht wählbar. Heißt, sie reicht nicht aus, um sie wählbar zu machen.

Als die ersten Piraten vor jedes Mikrofon gezerrt wurden, weil sie frischen Wind in die Sendungen brachten, fiel in einer Diskussionsrunde im Deutschlandfunk der Satz, der die Piraten für mich wählbar machte. Der Zustand der restlichen Parteienlandschaft macht sie für mich aktuell zur einzigen Option. Der Satz beschrieb die Art Politik machen zu wollen. Ich paraphrasiere: ‚Rational wissenschaftlich.‘ Das könnte zum Beispiel bedeuten: Entscheidungen sind falsifizierbar und revidierbar: Wir wollen mit diesem Gesetz X erreichen*. Nach einem festgelegten Zeitpunkt schauen wir uns das Ergebnis an und überlegen, ob wir das Gesetz ändern. Das heißt, es werden Fehler gemacht, weil die Möglichkeit Fehler zu machen im System vorgesehen ist. Im Gegensatz zu heute werden sie jedoch zeitnah korrigiert und nicht langfristig schöngeredet oder geTINAt.

Soweit die (von mir erträumte) Theorie.

Die Praxis sieht anders aus. Nach dem kometenhaften** Aufstieg folgte der meteorietenhafte Absturz der Partei „in den Umfragen“. Die Medien, die die Piraten vorher noch hochgejazzed hatten, suhlten sich nun in ihrer Häme. Mir tat es vor allem für die Menschen Leid, die Abseits all der zu Elefanten aufgeblasenen Mücken, Sacharbeit machten. So wurde im Deutschlandfunk noch der Mythos von der Partei ohne Programm beschworen, während ich von einen ziemlich ausgefeilten Entwurf zur Gesundheitspolitik wusste.

Acht Jahre, so lange habe ich den Piraten meine Stimme gegeben, denn ich denke, bis man so einen heterogenen Laden mit flachen Hirachien zum Laufen gebracht hat, dauert es einfach. Bisher habe ich nichts erlebt, was mich an meinem Entschluss hat zweifeln lassen. Manchmal höre ich Aussagen und Positionen, die halte ich für Mist. Das ist bei den anderen Parteien anders. Da höre ich oft Aussagen und Positionen die ich für Mist halte.

Wer in den Piraten Heilsbringer gesehen hat, ist sicher enttäuscht worden. Und wer schnelle Lösungen erwartet hat, sowieso. Wer gedacht hat: „Das ist ein interessantes Projekt, mit guten Ansätzen und viel Idealismus aber der Alltag wird es teilweise sehr langsam vorankommen lassen“ ist wahrscheinlich nicht enttäuscht. Und wieso auch? 2-3% ist knapp hinter FDP und die sind Regierungspartei. Dabei haben die gar kein Wahlprogramm.

*Unnötig zu erwähnen, dass man im Vorfeld auf die bestmöglichen Informationsquellen zugreift: Evidenzbasierte Politik. „Du magst die Vorsitzende sein aber Du irrst Dich, hier steht’s)

**Metaphern müssen nicht evidenzbasiert sein.

5 Gedanken zu “Liebe Piraten…

  1. Ich fange dann kommenden Monat mal mit der Piratenwahl an. Man wird mich danach oft zum Fremdschämen auffordern – und ich werde (vermutlich) regelmäßig darauf sagen, dass es hier um Grundrechte geht und nicht um einen Schönheitswettbewerb.

    Gäbe es den Verein nicht, gäbe es vermutlich schon einige Einschränkungen des Internets in Deutschland, von denen wir bisher verschont geblieben sind.

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  2. Gebe Dir in großen Teilen recht. Diesen Hickhack der großen Parteien, es jedem recht zu machen (müssen), möglichs keine Wählerschicht zu verprellen, macht das ganze Land unregierbar. Auch ich hatte große Hoffnungen in die Piraten. Allerdings haben sie es m.M.n. bis heute nicht geschafft, sich für eine größere Bevölkerungssschicht als wählbar zu etablieren.

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