Spiel mit dem Feuer

MakeLoveNotWar2.0 – B®ett- und andere Verlustierungen

Kennen Sie Risiko? Müssen Sie nicht, denn das „ultimative Strategiespiel“ hat es nie unter die Bewerber zum Preis für das Spiel des Jahres geschafft. Die dortigen Jurys bevorzugen ohnehin Mythos und blaues Blut, kongenial unterfüttert mit Fleiß auf der Scholle: Die Siedler von Catan sind dann das programmatische Bindeglied zwischen Barbarossa und Adel verpflichtet, personifiziert von Thurn und Taxis.

Bei Risiko dagegen macht man sich schmutzig, gerade wenn unter Freunden gespielt. Denn da sind nicht nur der Zufall von Würfel- als Schlachtenglück oder die Überlegung, wie vieler es bedarf, um andere zu schlagen. Jede Gang von der anderen Straßenseite denkt sich das Gleiche, bevor es zur Sache geht. Sondern es ist das Gefühl, nach sieben Stunden Ringen um die Weltherrschaft erschöpft aufzustehen und bei versöhnlicher Geste gegenüber den Mitspielern ziemlich dreckig zu denken, „ha, euch hab ich’s aber gezeigt“. Oder mit den Worten des Herstellers Hasbro: „Mit der Neuauflage des RISIKO-Klassikers von 2008 darf nun nach über 25 Jahren endlich wieder ‘erobert‘ und ‘angegriffen‘ werden.“ Und natürlich total siegen.

Das geht selbstverständlich völlig an der Wirklichkeit vorbei und ist deswegen nur ein lausiges Brettspiel. Wenn heute Grenzen überschritten werden, dann ist das humanitärer Einsatz reinsten Herzens, die Verantwortung andere zu schützen oder ganz einfach Prävention. Was schon in der Praxis mit Früherkennung bei Krebs dem Einzelnen hilft, kann dem Wohl der Völker nur frommen, sagt uns das gesunde Empfinden, gerade beim Geschwür des Terrorismus. Mit anderen Worten, wir leben in einem medizinischen Zeitalter inklusive Präzision seiner chirurgischen Instrumente. Weswegen vorbeugende Reihenuntersuchungen an der Tagesordnung sind und ihre Notwendigkeit einleuchtet.

Angela Merkel und wer für sie können sich also empören, aber nicht wundern, dass auch sie aufgerufen wurde, denn: Wenn unreine Gedanken die Urzellen aller bösen Metastasen sind, ist es nur fürsorglich ein Screening durchzuführen. Und weil das in dem Fall nicht einfach per Messung und Schnittstelle geht, kommt es aufs einzelne Wort an. Die SMS „Schatzi, ich komm heute spät aus dem Büro“ wird so zur Offenbarung für jeden Profiler: 1. Die Zielperson lebt in einer Beziehung 2. Sie geht keiner manuellen Tätigkeit nach (Affinität zu White Collars; Querverweis Abt. Banken) 3. Schon bessere Ausreden gehört (Auftrag an OpGrup: Schlafzimmer verwanzen).

Das hat auch überhaupt nichts Persönliches. Denn schließlich wurden im Namen des Kampfes gegen jenen schrecklichen Morbus Terror die Daten von ganzen zwei Dritteln der deutschen Bevölkerung, so die Chefärzte in Karlsruhe, als anlasslose Verdachtsfälle bevorratet. Unter epidemiologischen Gesichtspunkten richtig, muss das auch für das Personal gelten, das über unsere Volksgesundheit wacht. Der gute Onkel Doktor aus Amerika, wo ohnehin die Koryphäen sitzen, hat daran nur erinnert.

Manchmal beschleicht mich freilich ein seltsames Déjà-vu: Ob das nicht vielleicht doch eine Art Risiko 2.0 ist? Zeitgemäß aufgepeppt als Ärzte ohne Grenzen und dem Auftrag „an diesem Wesen soll die Welt genesen“? Bei dem man nach endlosen Stunden an einem Tisch völlig fertig aufsteht und bei versöhnlicher Geste …?

Dann doch lieber das gute alte Doktorspiel. Das ist freudige Erregung, totale Entspannung und die ultimative Antwort auf all unsere kleinen schmutzigen Gedanken. Sex ist kein Tabu, da kann sogar zuhören, wer mag. Auch im Alter. e2m

[Artikelbild: Heike Geisler http://www.flickr.com/photos/willlernen/ unter Lizenz http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/deed.en]

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2 Gedanken zu “Spiel mit dem Feuer

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