DZVhÄ, Autismus und Quacksalberei

So läuft das wohl, wenn man einen ärztlichen Fachverband hat, der sich einer vorwissenschaftlichen Medizintheorie verschrieben hat: schlecht. Das Motto der ältesten Ärztevereinigung Deutschlands scheint zu lauten:

„Eine Qualitätskontrolle findet nicht statt.“

Welche Maßstäbe sollte man auch Ansätzen, wissenschaftliche sind von vornherein ausgeschlossen. Die Mitglieder des  Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte glauben an die Kraft der Anekdote. Was bleibt ihnen auch anderes übrig? Bei der Behandlung schwerer Erkrankungen ist die offizielle Linie des DZVhÄ, dass die „Schulmedizin“ Vorrang habe, Homöopathie jedoch begleitend eingesetzt werden könne, im Hinterzimmer werden jedoch Gestalten hofiert, die z.B. Krebs auch ausschließlich homöopathisch „behandeln“*.

Autismus“, ein bei Kommentatoren in letzter Zeit beliebter Begriff, um jemandem Selbstbezogenheit zu unterstellen, eigentlich jedoch eine schwere Erkrankung, die zu den „Tiefgreifenden Entwicklungsstörungen“ gehört. Menschen mit Autismus haben unter anderem Einschränkungen in der Kommunikation, der sozialen Interaktion und neigen zu gleichförmigen und sich wiederholenden Verhaltensweisen. Autismus ist eine Behinderung, die z.T. schwere Folgen für das Leben der Betroffenen und deren Familien haben kann. „Kann“, weil es Menschen gibt, die mit den Jahren viele Strategien entwickeln um in der Welt der „neurotypischen“ Menschen (das sind die „Normalen“), mit all ihren Fallstricken zurecht zu kommen.

Der DZVhÄ gibt einer „Therapie“ seinen Segen, die sich auf die Menschen konzentriert, die noch keine Möglichkeit hatten, diese Strategien zu entwickeln: Kinder. Die Therapie nennt sich „CEASE“, steht für „Complete Elimination of Autism Spectrum Expression“ und verspricht eine Heilung (sic!) des Autismus. Da sich wohl jedeR TherapeutIn aussuchen kann, was unter „Autism Spectrum Expression“ zu verstehen ist, mag das aus Sicht der Anbietenden sogar möglich sein.

Es gibt jedoch keine Heilung von Autismus. Das ist eine Wahrheit, der alle Eltern und viele Betroffene in die Augen sehen müssen. Wobei „müssen“ bedeutet, dass ihnen niemand etwas anderes versprechen darf, wer das macht, sagt die Unwahrheit. Es gibt viele Möglichkeiten, mit den Besonderheiten, die aus dem Autismus resultieren, zurechtzukommen. Eine Heilung gibt es aber nicht.

Und doch wird eben das, nun auch im Namen des DZVhÄ behauptet. Der unterstützte eine Weiterbildung für die CEASE-Therapie im September 2013 in Mühlheim an der Ruhr. Dabei ist es nicht nur der Fakt, dass eine Heilung versprochen wird, der Übelkeit erregt, sondern auch die Ideen, die der Erfinder der CEASE-„Therapie“, Tinus-Smits, über Autismus verbreitet. Autismus werde zwar nicht nur durch Impfungen hervorgerufen (Autismus wird überhaupt nicht von Impfungen hervorgerufen), sondern unter anderem auch durch Nasenspray (welches die Mutter während der Schwangerschaft benutzt hat) oder Milch, welche in der Mikrowelle aufgewärmt wurde. Die Liste ließe sich fortsetzen. Smits ignoriert damit Erkenntnisse, die über Jahre und Jahrzehnte gewonnen wurden: Autismus ist nicht die „Schuld“ der Eltern. Was die Gegenteilige Behautpung in diesen auslösen kann, möge jedeR LeserIn selbst beurteilen.

Smits und seine NachfolgerInnen setzten damit die Tradition vieler Protagonisten von Quacksalberei fort: Sie füllen die Lücken im Wissen mit den bunten Ideen der eigenen Phantasie, egal wie unplausibel oder sogar unmöglich diese sein mögen. Und beim Thema Autismus gibt es noch viele Lücken, die man mit Unsinn füllen kann.

Den herbeifantasierten Ideen Smits zufolge liegt die Ursache in Energieblockaden. Was auch immer das sein soll. Hervorgerufen nicht nur durch alles, was dem gemeinen sanften Heiler als schlecht erscheint, sondern auch durch mangelnde Inkarnation. Das geht ein wenig in Richtung Steiner, demzufolge Menschen mit Behinderung im früheren Leben zuviel gelogen haben und sich nun zu sehr schämen um bewusst auf unserem Planeten zu wandeln.

Diesen wirren Ideen und dem Heilungsversprechen erteilt der DZVhÄ, ein Berufsverband von AkademikerInnen, seinen Segen und stellt sich mit seiner gesamten Autorität dahinter. Beschäftigt sich in dem Club eigentlich irgendwer mit dem Hintergrund zu den „Fortbildungen“ die man adelt? Oder reicht es einfach, Globuli auszuteilen? Bisher sieht es zumindest so aus, als hätte sich  nicht auch noch die Ärztekammer Nordrhein dazu entschlossen Fortbildungspunkte für die Veranstaltung zu verteilen.

Eine Qualitätskontrolle mit wissenschaftlichen Maßstäben kann niemand vom DZVhÄ erwarten. Empathie mit Menschen denen Hoffnungen gemacht werden, die nur enttäuscht werden können allerdings schon. Aber ich schrieb bereits früher, dass Homöopathie im Kern nicht humanistischen Werten verpflichtet ist.

*Das betreffende PDF ist (für mich) mittlerweile nicht mehr unter dzvhae.de auffindbar.

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