Umdenken in der Homöopathie

Posted on 5. Januar 2014 von

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Wenn die ApologetInnen der Globulisten die Meinungsluke öffnen, bleibt kein Auge trocken. Ich zumindest habe herzlich gekichert als ich das Interview der Leiterin der neuen Zauberschule in Traunstein gelesen habe. Während garstige…Entschuldigung…polemische Skeptiker den Hokus-Pokus namens Homöopathie auf immer neuen Ebenen auseinander nehmen, bleiben die Homöopathen bei bekannten Argumenten, die haben sich ja auch bewährt. Wenigstens da bleibt die Logik der Homöopathen konsistent: Keine Medizin wird mit keinen Argumenten verteidigt oder „similia similibus curentur“, der alte Hahnemann wäre stolz.

Akademieleiterin Anja Wilhelm gibt ihr Bestes, wenn sie das Konzept der neuen Akademie erklärt. Da möchte sie eine bessere wissenschaftliche Grundlagen schaffen (…), um in die oftmals sehr polemisch geführten Diskussionen für und wider die Homöopathie mehr sachliche Distanz hineinzubringen. Was natürlich ein ehrbares, wenn auch lustiges Ziel ist, welches jedoch in ihrer nächsten Antwort „Ein großer Schwerpunkt des Studiums ist die Praxis. Es gibt über alle drei Studienjahre verpflichtende Praktika, in denen die Studierenden bei Therapeuten in der Praxis tätig sind.“ irgendwie konterkariert wird. Wie man beim über die Schulter schauen, die wissenschaftliche Grundlage der Homöopathie schaffen will, stellt mich vor ein Rätsel.

Dass erfahrenen Homöopathen über die Schulter geschaut wird, hat Akademieleiterin Anja Wilhelm übrigens auf die Frage geantwortet, dass man in den drei Jahren „Studium“ (Anführungszeichen von mir) doch unmöglich genug Erfahrung sammeln könne. Damit bleibt sie eine Antwort schuldig. Macht aber nix, ich antworte gern: Drei Jahre reichen dicke, Homöopathie kann jeder, der gerade im Stuhl sitzen kann und nicht komisch riecht.

Frau Wilhelm teilt uns mit, dass man einen Hochschulstudiengang aufbauen und sich [dabei] das Ziel [setzt], klinische Studien kritisch [zu] analysieren, sei es, dass sie für oder gegen die Homöopathie sprechen. Dafür(!) wird dieser ganze Bohai veranstaltet? Um Studien kritisch zu analysieren. Wenn das mal nicht ein wenig hypertroph ist. Als gäbe es keine „Carstens-Stiftung“, keinen „DZVhÄ“ und keine polemischen Blogger. Weiter erörtert sie, es sei ihr Anliegen, dass wir die wissenschaftlichen Grundlagen festigen. Höhö, das gelingt bestimmt durch „kritisches analysieren“.

Hach, aber den schönsten Ausspruch von Akademieleiterin Anja Wilhelm findet man am Ende des Interviews, wenn sie nach dem Vorteil der Homöopathie gefragt wird:

„Ich bin niemand, der Heilungsversprechen gibt, aber man kann gerade bei Krankheitsbildern viel verbessern, wo schulmedizinisch kurativ nicht mehr viel möglich ist, sondern wo es um Linderung geht, um Palliation.“

Fällt es sonst noch jemandem auf? Mal abgesehen davon, dass hier die „Schulmedizin“ mit dem Attribut „kurativ“ geadelt wird, wo es doch sonst heißt, die „Schulmediziner“ unterdrückten nur Symptome , anstatt zu heilen. Wenn das nicht genau das Gegenteil von dem ist, was Globulisten sonst behaupten, dann weiß ich auch nicht. Ich dachte, einzig Homöopathie  könne eine Heilung hervorrufen, weil sie eben nicht Symptome unterdrücke, sondern die Grundursache, die aus dem Gleichgewicht geratene Lebenskraft, behandele. Und nun wird hier Palliation angeboten, also der Prototyp von Medizin, die sich einzig darauf beschränkt, das Leid eines Menschen zu vermindern, wenn es KEINE HEILUNG mehr gibt? Palliation ist per Definition das „unterdrücken“ von Symptomen.

Wenn da mal nicht jemand versucht, sich in einer alternden Gesellschaft einen neuen Markt zu erschließen.

Posted in: Pharmaconcern