Wenn eine Professur nicht einmal für den Nachruf taugt

Pseudowissenschaften – Prof. Dr. Dr. Walach, Leiter der IntraG an der Viadrina, hat in einem auf den Seiten des Instituts veröffentlichten gespenstischen Nachruf „die Öffentlichkeit“ für den Freitod des Publizisten Claus Fritzsche verantwortlich gemacht

Der Grund für diese Zeilen ist einer der Trauer. Es geht um einen Menschen, der sich vor zwei Wochen das Leben genommen hat. Zu seinem Weg, da wir gestern davon Kenntnis erhalten haben, sagen die Ausrufer:

Claus Fritzsche, wir zollen Ihnen und ihrer Entscheidung Respekt!

Und gegenüber den Angehörigen:

Ihnen gilt unser empfundenes Mitgefühl.

Damit und mit der Maßgabe, dass über Tote nur Gutes zu berichten sei, sollte das Ende des Geschriebenen erreicht sein. Hätte es Prof. Dr. Dr. Harald Walach bei dem Nachruf in seinem gestrigen privaten Blog bewenden lassen, würde sich die Anteilnahme als Teil der Trauerarbeit entfalten können.

Professor Walach aber hat es für angemessen erachtet, ein j’accuse durch Veröffentlichung auch auf der Internetpräsenz des von ihm geleiteten Instituts „IntraG“ offizialisieren zu müssen. Eine Anklage gegen das, was er als „ein letzter Tropfen zuviel“ bezeichnet und das Lebensmaß von Claus Fritzsche zum Überlaufen gebracht habe: „Die öffentlichen Angriffe“.

In Augenblicken des Schmerzes um einen Menschen, mit dem man auch privatimen Umgang gepflegt hat, kann die persönliche Wahrnehmung getrübt sein. So mag es sich verhalten, wenn es um die Einordnung von „Blogs und illegalen Webseiten“ geht oder um angebliche „Schmähschriften“ als Träger jener vermeintlichen Angriffe. Und damit nachgesehen werden.

Den Toten aus dem Grab sprechen zu lassen, um über diesen gespenstischen Zeugen einen moralischen, wenn nicht sogar strafrechtlich relevanten Verdacht in den Raum zu stellen, aber ist ungeheuerlich. Denn vor allem Einer kann sich gegen diese Inanspruchnahme nicht mehr zur Wehr setzen: Claus Fritzsche selbst. Hat er das wirklich verdient?

Im journalistischen Teil seiner Tätigkeit hat Claus Fritzsche seinen Nestor Harald Walach oft und authentisch zu Wort kommen lassen. Jeder kann das kongeniale Geben und Nehmen lesen: Was das publizistische Konzept zu Pseudowissenschaften förderte, war auch ganz im Sinne des von Walach verbreiteten Anliegens, den wissenschaftlichen Betrieb zu entgrenzen. Diese Form der PR schützte den Hochschullehrer und Institutsleiter vor den Unwägbarkeiten, die sich angesichts öffentlicher, kritischer Stimmen von Zeit („Der akademische Geist“), Süddeutsche („Esoterik-Institut vor dem Aus?“) oder Spiegel („Hokuspokus Verschwindibus“) ihm gegenüber ergeben haben. Die Stimmen, die nur eine kleine Auswahl darstellen, werden nun nicht leiser.

Auf die Abschirmung muss der Leiter der IntraG aber jetzt verzichten, dessen wird er sich mit Bedauern bewusst geworden sein. Denn Walach hat sie mit einem Phantasma ersetzt, das aus Zuweisungen und Verdächtigungen, aus einem Schuldaufladen besteht. Das wird dem Publizisten Claus Fritzsche, wie wir ihn in seiner Schriftform kennen lernen durften, kaum gerecht. Wir denken: Nein, das hat er nicht verdient jetzt auch noch als Gespenst zu dienen.

Aber eine Sache beunruhigt uns: Das „Wir“. Für wen schreibt Professor Dr. Dr. Wallach? Will er damit zu verstehen geben, dass das Stil und Überzeugung der gesamten IntraG sind, mit ihr aller darin Tätigen oder Auszubildenden und damit ein nicht unbeträchtlicher Teil der Viadrina selbst? Ist das der Spiritus Rector, wonach Frage, Erörterung und deren Ergebnisse zu vorgeblichen Errungenschaften  zu diffamieren sind, weil sie sich kritisch, vor allem öffentlich artikulieren?

Diese Form der Vereinnahmung, die schon vor dem physischen Tod nicht halt macht, sondern ihn sogar zum Anlass nimmt, ist alles andere als das noch kosmopolitisch anmutende transkulturelle Selbstverständnis des Instituts: „offen zu sein für neue Fragestellungen und Einsichten.“ Das Erbe einer so missverstandenen Wissenschaft anzutreten, die sich offen gibt, aber hermetisch abschließt, wird nicht leicht sein, erst recht nicht für Studenten.

Nur eine Partie hält sich auffallend zurück: Die früheren Sponsoren der Pharmaindustrie des von Herrn Harald Walch mitinspirierten und –verantworteten, von Claus Fritzsche ins Werk gesetzten publizistischen Netzwerks.  Ihre offensichtliche Konsequenz seit der überstürzten Beendigung der Geschäftsbeziehungen – besser, nichts Falsches mehr schreiben zu lassen. e2m

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5 Gedanken zu “Wenn eine Professur nicht einmal für den Nachruf taugt

  1. Es,steht nicht auf der offziellen Seite des Instituts bei der Viadrina sondern auf einem gesonderten Blog zum Themenbereich des Instituts. Ausserdem steht da ganz klar drüber, dass es sich um einen persönlichen Nachruf handelt. Natürlich trauert Mensch nicht alleine, aber das heisst m.E. nicht dass alles, was danach kommt, nicht einfach eine persönliche Sache sein könnte.

    Mir liest sich das hier, als würde man selbst genau das tun, was man dem Anderen vorwirft: gerade in diesem Artikel hier wird der Tod dieses Menschen zum Anlass genommen, ihn für die eigenen Zwecke zu instrumentalisieren. Manchmal ist das Brett, das man vor dem Kopf eines anderen zu sehen vermeint, wohl blos das eigene.

    1. @ Spiegel

      Zur angeblichen Privatheit: Auf der IntraG-Präsenz unter der viadrina-URL http://www.europa-uni.de/de/forschung/institut/institut_intrag/index.html ist deutlich der Eintrag mit Link „IntraG-Blog & News“ gesetzt. Der Blog wiederum firmiert unter „Impressum“ ausdrücklich mit „Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften“ nebst Links zur Viadrina-URL; und nicht etwa mit „Prof. Walachs Spielwiese“. Mit ist schließlich nicht bekannt, dass Herr Fritzsche Mitarbeiter des Instituts gewesen sei. Mir fällt nur noch der Begriff vom salvatorischen Hinweis ein.

      Im Übrigen, haben Sie den Unterschied bemerkt? Hier können Sie kommentieren. Alles andere liegt natürlich in Ihrem Auge als Betrachter.

      Beste Grüße, e2m

  2. k.A. bin kein Jurist, mich interessiert hier mehr der menschliche Aspekt und da finde ich die Instrumentalisierung für eigene Zwecke hier mit Abstand ausufernder als man es dort mit viel Unwohlwollen sehen kann.

    Sind Sie Jurist? Den Vorwurf, dort würde er einen womöglich „sogar strafrechtlich relevanten Verdacht in den Raum [zu] stellen“ finde ich doch sehr arg weit hergeholt. Das würde ja heissen, Walach würde eine Tötungsabsicht unterstellen oder sowas? Hallo?!

    Ja, da wird angeklagt, dass die „schmutzigen Methoden“ der Skeptikerszene nicht der Selbstdarstellung entsprechen und scheinbar harmlose Schummeleien bei Journalisten zu wirtschaftlichem Ruin führen können, was unabsehbare Folgen haben kann. Ich finde aber den Ton im Nachruf verhalten genug, um in der Folge vielleicht innezuhalten, statt wie hier gleich loszuschrei(b)en und das für einen Generalangriff zu instrumentalisieren.

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