troll

Der Troll, das immer noch unbekannte Wesen

Die Rede ist nicht von Harry Potter, sondern Antje Schrupp. Als früherer Blogger bei freitag.de, der die dortigen Beiträge zumindest noch soweit liest, als sie eine Unterstützung durch die Redaktion erfahren, ist mir deren Empfehlung aus der Netzlese von „Trolle und ihre Absichten“ nicht entgangen.

Ich weiß ja nicht, warum das Thema immer noch nicht durch ist. Nach einem tazlab zu „Brauchen wir eine neue Ethik im Netz?“, nach Niggemeiers Geschichte vs. duMont, die dann eine auch des Spiegelfechters wurde und anderen Petitessen, was wäre da noch zu diskutieren? Knigge, das ist mittlerweile state of the art für die Plebs, gilt auch online: als Benimmbuch.

Das Sonderbare aber ist, dass bei „Troll“ (gibt’s den eigentlich in weiblicher Ausführung auch, fragt mich gerade Al Bundy) neben dem erhobenen Zeigefinger immer noch so etwas wie „die Welt ist böse, retten wir wenigstens das Netz“ mitschwingt. Das ist so fruchtbar wie Handbücher für Community-Manager: Wie lenke ich ein Gemeinwesen ideal. Sonderbar nur, dass es gerade einmal 1 Kanzler und 16 MPs gibt, dafür aber viele mittlerweile arbeitslose Moderatoren. Auch die Netzwelt lässt sich halt nicht einfach in solche und jene unterteilen. Das ist höhere Kunst. Harry Potter eben.

Meine Antwort an Antje Schrupp, unter ihrem Blog als Kommentar abgesetzt, dokumentiere ich hier:

Liebe Antje Schrupp,

abgesehen davon, dass ich Trolling anders verstehe: Die positive Konnotation als Köderauslegen gegenüber communityfremden Usern gemäß der englischsprachigen Urbedeutung und subsequenter Definition von Michele Tapper (in: Usenet Communities and the Cultural Politics of Information bei David Porter, Internet Culture, Routledge, London 1997, S. 39 ff.)  – „Trolling wird innerhalb der Subkultur von [Newsgroups] akzeptiert und ausgebaut, weil es dem zweifachen Zweck dient, Maßstäbe der Community zu stärken und die gemeinschaftliche Bindungswirkung zu steigern, in dem all denjenigen ein Spiel zur Verfügung gestellt wird, die die Spielregeln kennen, um es gegen die zu spielen, die sie nicht kennen. Es wirkt sowohl als Spiel als auch als subkulturelle Methode der Grenzziehung“; also ggfs. auch ein zunächst „destruktiv“ erscheinendes Verhalten durchaus Sinn machen kann, wenngleich ich mit dieser Begriffsbestimmung ganz sicher keinen Stich mehr gegen die mittlerweile herrschende Konvention mache;

Und abgesehen davon, dass: Das www ermöglicht nicht nur, sondern macht es zu einem Massenphänomen, dass Personen und/oder Kreise zueinander in Beziehung gesetzt werden können oder sich setzen, die aus den unterschiedlichsten Gründen (geographisch, sprachlich, gesellschaftlich u.v.a.m.) nie auch nur in Kontakt treten würden; also gerade die Durchlässigkeit durch das Medium und damit seine Grenzenlosigkeit es wären, die ein „Gefühl“ von Entgrenztheit vermittelt, womit zu fragen wäre, was so besehen „eine Kultur“, zumal eine solche im „Netz“ wäre;

Abgesehen schließlich davon, dass: Trolle ausgeschlossen werden, also im weitesten Sinn sanktioniert, weil stets der subjektive Einschlag mitgelesen wird, so als ob, analog gedacht, die reine Wegnahme einer Sache stets den Dieb ausmache, weil vermutet werde, er wolle sich in jedem Fall die Sache zueignen; dass wir es bei dieser Betrachtungsweise immer mit Ahndung von Gesinnung zu tun hätten (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Gesinnungsstrafrecht); was in vielen Fällen von Forenbereinigungen auch tatsächlich so läuft und „Trollerei“ nur die Umschreibung für „nicht genehme Meinung“ ist;

Abgesehen von diesen drei Aspekten also: Was wäre überhaupt „ein“ oder „das“ Motiv dieser sagenhaften Trolle?

Ihre Antwort dazu ist sehr ehrlich, denn Sie kehren die Perspektive um und räumen freimütig ein, was Sie sich erwarten: respektvoller Umgangston, Höflichkeit, einen angenehmen Austausch. Sie haben damit für sich „die Spielregeln“ definiert, anhand derer Sie scheiden, was Sie anziehen und was Sie exkludieren wollen. Das ist für Ihre individuelle Plattform nicht zu beanstanden.

Aber es hat herzlich wenig mit „Diskussionskultur im Netz“ zu tun, erst recht nicht mit deren „Rettung“, denn es wird eine, zumal abwehrende Einzelperspektive generalisiert, ohne dazu ein objektives oder auch nur objektivierbares Fundament zu legen. Denn was alleine „destruktiv“ sei, erschließt sich aus Ihrem Beitrag nicht. Ihre Auffassung entspricht vielmehr der Erfahrung von AutorInnen, die durchaus pointiert schreiben und alleine Kraft dessen neben der Aufmerksamkeit auch in den zweifelhaften Genuss versuchter Demontage gelangen. Das aber ist gerade nicht der Blickwinkel von ModeratorInnen, die beim OpenSource der Meinungen, ebenso pointiert gesagt: allenfalls dafür zu sorgen hätten, dass sich Forumsteilnehmer nicht an die Gurgel gehen. Nicht weniger, vor allem nicht mehr.

Beste Grüße, e²m

….

[Update 16.04.2014: „über Trolle, Empöreria und andere Internet-Diskurs-Phänomene“

Fefe + Frank aka Alternativlos -wer sonst- haben sich des Themas noch einmal in aller Ausführlichkeit angenommen.
http://blog.fefe.de/?ts=adb05d5b
http://alternativlos.org/31/ (mit weiterführenden Links für angehende TrollologInnen
http://realternativlos.org/31/

Für wenn’s regnet.]

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