Ebola und die Quacksalber

Endlich! Eine Katastrophe, die perfekte Katastrophe um all unsere Verschwörungstheorien zu entstauben und der Welt ein weiteres Mal zu zeigen. Denn, liebe Leute, Infektionskrankheiten gibt es nicht! Oder zumindest kein Ebola, klare Kiste. Der Beweis? Ist es nicht offensichtlich? Überall wo die Helfer des Roten Kreuzes auftauchen, gibt es auch Ebola! Das zumindest scheint die Logik von Rosina Kaiser zu sein, die auf ihrer Facebook-Seite die Übersetzung eines Textes von Nana Kwame, einem Ghanaer, der Ebola für eine große Verschwörung hält. Die Logik hinter der Annahme folgend, erzeugen Regenschirme Regen und verursachen Airbags Unfälle. Denn immer wenn Menschen mit Regenschirmen rumlaufen, regnet es und immer, wenn ein Airbag ausgelöst wurde, gab es einen Unfall. Wenn man Ursache und Wirkung einfach vertauscht, eröffnen sich der eigenen Weltsicht ungeahnte Möglichkeiten. Confirmation Bias Gone Wild!

Aber das ist nicht der einzige „Beweis“ den die Autoren anbringen. Die Mitarbeiter des Roten Kreuzes (warum eigentlich nur vom Roten Kreuz?) würden nämlich in ihrer Arbeit behindert und zum Teil angegriffen. Das täten die Menschen, um sich vor den „Injektionen“ zu schützen, denn „die Afrikaner“ (sic!) seien ja nicht „so dumm„, dass sie nicht wüssten, was ein Virus ist und das Viren Infektionserkrankungen hervorrufen könnten. Nein, das wüssten sie sehr wohl und weil sie WISSEN, dass die Erkrankungen nicht von einem Virus hervorgerufen würden, wehrten sie sich gegen die Mitarbeiter des Roten Kreuz.

Dass Menschen nicht wissen, was es mit Viren auf sich hat, hat weniger mit „Dummheit“ zu tun als mit mangelnder Information (im günstigeren Fall) oder mit Falschinformation (im ungünstigeren Fall). Mangelnde Aufklärung war von Beginn an ein Problem für die HelferInnen in den betroffenen Gebieten und die WHO hat schon früh für Programme zur Aufklärung geworben. Aber auch Falschinformation war von Anfang an, ein Problem. Wie zum Beispiel so eine Falschinformation, die Kwame auf seiner Facebookseite verlinkt: Mitarbeiter von Hilfsorganisationen würden Menschen etwas injizieren, damit sie sterben und man ihnen die Organe entnehmen kann. Oder der Information, Menschen würde Wasserquellen vergiften, ebenfalls, damit man als Ebola-Tote deklarierten Menschen die Organe entnehmen kann. Gleichzeitig sei Ebola eine „Biochemische-Waffe“ die von „CIA-Zionisten“ getestet würde. Was denn nun?

Nur am Rande. Frau Kaiser schenkt Kwames Angaben unter anderem Glauben, weil er ja vor Ort sei. Er gibt an, in den USA zu wohnen und eine Firma in Ghana zu haben. Ghana ist aber mehrere hundert Kilometer von den betroffenen Ländern entfernt. Vielleicht ist ihr einfach nicht klar, wie groß der Kontinent Afrika ist. Das wäre allerdings nicht ihre elemantarste Wissenslücke.

Kwame selbst ist jedoch der Meinung, es gehe bei der Ebola-Inszenierung darum, amerikanische Soldaten ins Land zu bringen, wegen Öl und wegen der Diamanten. Frau Kaiser scheint diese Meinung zu teilen, sie behält wohl immer die „Balance in bewegten Zeiten„. Sie wundert sich in ihrem Post, dass man keine Bilder von Menschen mit den „sehr auffälligen und schlimmen Symptome einer Ebola Infektion“ sieht. Vielleicht sollte sie ihre Informationen weniger aus der Matrix empfangen. Dieser Ebola-Strang zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass er weniger Symptome eines „hämorraghischen Fiebers“ hervorruft. Das würde die von ihr genannten „schlimmen Symptome“ hervorrufen. Eine Infektion kann aber auch unspektakulär aussehen und trotzdem tödlich sein. So ähnlich wie „INTERGALAKTISCHE ATLANTISCHE HEILMETHODEN“: komplett ausgedachter unspektakulärer Bullshit und trotzdem sauteuer.

Über die Motive ist man sich uneins. Ob stimmt, was man behauptet ist nicht wichtig, einig ist man sich jedoch, dass Ebola nicht existiert oder nicht für den aktuellen Ausbruch verantwortlich ist. Dafür gibt es Brunnenvergifter, gegen die man aufklären muss (wenn sie Glück haben), damit die Wahrheit ans Licht kommt. Vielleicht meint die Autorin dieses assoziativ gelockerte Aneinanderreihen von wirren Ideen über die Welt, wenn sie von einem „lichtvolleren Zugang zu Ihren Fähigkeiten“ spricht, den man auf ihren Seminaren erlernen kann.

Frau Kaiser zeigt hier wieder, wie hoch der Preis ist, den Anhänger der sanften Esoterik zahlen. Wer die „Wahrheiten“ von Jan Van Helsing oder David Icke verbreitet oder der Überzeugung ist, irgendwelche Licht-Energie-Quanten-Matrix-Pyramiden-Heil-Scheiße hätten eine Bezug zur Realität, hat diesen selbst verloren. Schlimmer noch, die Fähigkeit mit Informationen kritisch umzugehen, geht verloren. Die Nachrichten  und das Netz werden zum Basar des eigenen Confirmation-Bias. Strahlend und mit lichtreinem Gewissen, kann man „den Afrikanern“ verkünden:

„Fürchtet Euch nicht, Ihr Menschen der Neuen Zeit, verjagt einfach bösen Materialistenmediziner und nehmt diesen Heilkristall mit Pupsenergie (134 Euro) oder mein „Regenbogen-Energie-Tuch aus reiner Seide“ (120 Euro). Wenn letzteres Euch nicht heilt, ist es groß genug um es über Eure toten Kinder der neuen Zeit zu legen, damit sie karmisch gereinigt die nächste Reinkarnation beginnen. Außerdem sind sie dann für Reptiloide unsichtbar.“

Sowas in der Art bedeutet es wohl „diffuse Energien zu kanalisieren und die Wirklichkeit entstehen zu lassen„.

 

[Die Zitate stammen von der Website der Autorin, die ich nicht verlinken werde.]

Den Behauptungen von Kwame wird bei Snopes gut begegnet.

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9 Gedanken zu “Ebola und die Quacksalber

  1. Jetzt mal zum Inhalt: Ganz schön gruselig, was die Dame da von sich gibt. Regenbogen-Energie-Tuch aus reiner Seide zum Einwickeln der verreckten Kinder, Herrschaftszeiten, wie abgebrüht kann man denn sein?

    1. Gruselig auf jeden Fall, bleibt aber innerhalb der Grenzen, des Gewohnten aus der Ecke. Abgebrüht denken ich eher nicht, die Dame wäre wahrscheinlich schockiert, wenn Sie wüsste, was wir davon halten, was sie macht. Wer’s glaubt wird halt seelig….

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