E wie Energie. Oder Er

Posted on 21. März 2015 von

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Energiewende – Die absonderliche Metaphysik in Sachen Strom

Sonnenfinsternisse, so die gerade eben überstandene, sind mit elegischer Beschreibung begleitet: Dass plötzlich Stille herrsche, selbst die kleine Feldmaus ihr schwaches Fiepen einstellt. Anders als bei anderen Ereignissen wie Vulkanausbrüchen oder Erdbeben, bei denen schon im Vorfeld die Tierwelt deutliche Zeichen der Panik von sich gibt, ist es ein Moment menschlicher Ergriffenheit, wie es Adalbert Stifter in „Die Sonnenfinsternis am 8. Juli 1842“ beschreibt. Denn, so der Chef-Autor des deutschen Biedermeier, „[v]or tausendmal tausend Jahren hat Gott es so gemacht, daß es heute zu dieser Sekunde sein wird.“

Dass anno domini 2015 bei aller Fügung der Sphären gleichwohl Unruhe herrschte, hat zwei Gründe. Eltern waren um das Augenlicht ihrer Sprösslinge besorgt, aber es gab nicht genug Schutzbrillen. Und Unken aus der Energiewirtschaft malten den Blackout an die Wand: Sonnenenergie – Sonne = alle Räder stehen still. Natürlich menschengemacht, was müssen wir uns auch von einem Stern und der Himmelsmechanik abhängig machen. Blöder geht’s wohl nicht.

Dabei ist das nur ein kleiner Teil der grausigen Wahrheit, wie uns die Naturwissenschaften lehren. Die Sonne ist à la longue der ultimative Feind des Menschen. Wenn sie sich einst zum roten Riesen aufbläht, bekommen die Erde und ihre Bewohner den finalen Sonnenbrand. Oder um es mit Florian Freistetter (Scienceblog „Astrodicticum simplex“) von der Sternwarte an der Uni Jena zu sagen: „Ob die sich aufblähende Sonne die inneren Planeten aber komplett zerstört oder einfach nur zu leblosen, verbrannten Steinkugeln reduziert, bleibt allerdings offen…“. Halleluja, und der vertrauen wir mit der Energiewende unsere Zukunft an?

Natürlich ist das, was wir heute „Brückentechnologie“ nennen und bis zur Neuerfindung der Nachhaltigkeit einsetzen wollen, eine Frage zeitlicher Perspektive. Wer von heute bis in rund 5 Milliarden Jahren -dann kommt der Riese-, Windspargel und polykristalline Rechtecke aka Sonnenpanele in Aussicht stellt, ist ein Pessimist. Schon Isaac Asimov, der ziemlich phantasiebegabte Biochemiker, wusste neben positronischen Gehirnen auch von hyperatomaren Energiequellen zu schreiben. Und Sci-Fi-Autoren haben schließlich immer recht, siehe Jules Verne.

Fortschritt, stetige Abfolge von try & error

Andererseits hat Fortschritt stets etwas von Alchemie. Das Ei von Garching, 1957 der erste Nuklearreaktor auf deutschem Boden, versprach in dem bitterarmen, hoffnungslos rückständigen Agrarstaat Bayern mehr als eines des Columbus zu sein: Es war, so die Botschaft jener Zeit, als Weltformel in Sachen Strom nicht weniger als das Feuer des Prometheus, das hier zum Wohl der Menschen gebändigt würde. Und obwohl sich das alles Jahrzehnte und ein paar GAUs später als der erste globale Irrtum, um im Bild zu bleiben: als Büchse der Pandora realisierte, ist eine Änderung unbestreitbar – Forschung und Wohlstand sind seitdem in München zuhause. Alles nur ein dummer Fehler?

Wer heutige Debatten und Proteste zu regenerativen Energien besieht, kommt um die irrationale Komponente nicht herum. Denn gleich, ob ein fränkischer Großgrundbesitzer nun -> seinen Wald zum unberührbaren „Wunder, das wir Schöpfung nennen“ erklärt, wofür wir „dem Herrgott danken“ müssen und zwar „demütig“; und dabei ein ganz klein wenig der germanische Thing seine Renaissance feiert. Oder zu SuedLink dem -> Fußvolk nichts Besseres einfällt als „Elektrosmog“ und sonstige „Verschandelungen“: Diese regenerativen Brückentechnologien ließen sich, sobald die Zukunft per hyperatomare Aggregate oder Warp angebrochen ist, schneller wieder abbauen als ein Einfamilienhaus zum Aufbau benötigt. Keine radioaktiven Hinterlassenschaften, keine Verseuchung der Grundnahrungsmittel per Fossilien, keine 10-jährigen Rückbauzeiten wie bei AKWs und dennoch …

Vielleicht ist es eine Urangst, die die Menschen seit Anbeginn begleitet, den Elementen nicht nur ausgesetzt, sondern seit dem Ackerbau auf sie angewiesen zu sein. Vielleicht fällt deswegen das Eingeständnis so schwer, dass der Versuch, sich in Sachen Feuer von der wetterwenderischen Natur unabhängig zu machen, vorerst gescheitert ist. Vielleicht ist das „error“ im „try“ so tiefgehend, dass wir wirklich wieder den geistigen Beistand eines Gottes benötigen – der schon als Aton im Ägypten des 12. vorchristlichen Jahrhunderts mit seinen wärmenden Strahlen den Monotheismus einläutete, um über den römischen „sol invictus“ als „Weihnacht“ zu seinen Ehren mit der Wintersonnwende auf uns zu kommen.

Der Mühe, uns der unausweichlichen Herausforderung zu stellen, nimmt uns jedenfalls niemand ab. Ganz besonders nicht in Bayern, wo, christlich-sozial hin oder her, der politische Handlungshorizont dem Regler am Trafo einer Modelleisenbahn entspricht: Hauptsache, der Strom kommt aus der Steckdose. Dabei wäre, um es ebenso konservativ auszudrücken, sich die Natur zu Nutze zu machen sowohl ältester biblischer Auftrag wie tatsächliche Genesis von Zivilisation.

Bekannt ist, dass die Reibung an der Lederhose Spannung erzeugt. Aber sie reicht nicht, um Laptops zu betreiben. Selbst das ist, wie wir heute wissen, nur eine Nuance in der weiß-blauen Metaphysik: „… und so wartet die bayerische Regierung bis heute auf die göttlichen Eingebungen“. e2m