Scharlatan II

Homöopathischer Analphabetismus

In der Zeitschrift „Homöopathie – dem Magazin für Nix Und Wieder Nix“ durfte sich Jens Behnke zum Thema Homöopathie und Wikipedia äußern. Dort, so der Autor, kommt Homöopathie nicht gut weg, weil Mitglieder der „so genannten Skeptikerbewegung“ die Macht hätten. Wer ihre Meinung nicht vertrete, fliege raus. Dass Homöopathie nach Jesus Christus der meist umkämpfte Artikel ist, gibt dem Autoren nicht zu denken. In beiden Fällen geht es AnhängerInnen darum, dem eigenen Glauben widersprechende Fakten nicht wahr haben zu wollen. Anstatt dazu zu stehen, unterstellen sie der jeweiligen Gegenseite lustigerweise, genau das.

Dabei bin ich homöopathischer Atheist, meine Ansicht zu Homöopathie hat mit Glauben nichts zu tun, sondern mit Evidenz. Und so ist es auch bei Wikipedia. Der Autor macht den Fehler vieler Anhänger von Pseudowissenschaften. Sie fordern, ihre Sicht solle gleichberechtigt neben der wissenschaftlich belegten, etablierten Sicht dargestellt werden. Das wird dann als „ausgewogene“ Darstellung verstanden. Ist es aber nicht. Oder, im Falle von Wikipedia: wäre es aber nicht. Die Evidenz in Sachen Homöopathie ist eindeutig. Es ist alles gesagt. Wenn man es so machte, wie Herr Behnke möchte, müsste der Artikel zur Hohlen Erde auch neu geschrieben werden, ebenso der zu Elvis, Hitler, Loch Ness und Astrologie, um nur einige Beispiele zu nennen.

Das eigentlich groteske an diesem Wortbeitrag ist aber, dass sich hier jemand zum Thema Recherche äußert, der selbst offensichtlich nicht den blassesten Schimmer davon hat! Gut, dass der Autor sich in seinem Text auf die Washington Post bezieht aber die Huffington-Post verlinkt, geschenkt. Von einem seriösen Medium könnte ich erwarten, dass der Autor seine Aussagen überprüft und den Link zur Originalquelle hinzufügt (dann wüsste er auch, dass es sich um einen Blog der Washington Post handelt). Bei einem Blatt wie „Homöopathie“, das nicht mal die eigenen Autoren ernst nehmen, weil es lediglich dem Marketing dient, erwarte ich das  ohnehin nicht.

Wenn aber der Autor „Dana Ullman“, DEN Marktschreier der Globulisten als Kronzeugen anführt, seinen Namen falsch schreibt und ihn dann noch als „homöopathischen Arzt Dana Ullmann“ bezeichnet, hat er sich für einen Diskurs über Recherche disqualifiziert. Dana Ullman ist Journalist, Autor und „Master of Public Health“ aber kein Arzt. Er darf auch nicht als Arzt praktizieren. Das hat er zwar mal versucht, bekam dann aber juristische Probleme.

Ich weiß ja nicht, wie viel Sorgfalt von den AutorInnen von „Homöopathie“ erwartet wird. Wahrscheinlich orientiert man sich da an der homöopathischen Forschung. Mir wäre sowas peinlich. Und  ich bin nur Blogger. Und mir ist wenig peinlich. Und mir wäre das peinlich.

Bildschirmfoto mit Textauszug aus "Homöopathie"
Bildschirmfoto mit Textauszug aus „Homöopathie“

Ein Gedanke zu “Homöopathischer Analphabetismus

  1. In „Homöopathie“ hat Dana „Ullmann“ ja auch „Tatsachen“ – jetzt kommt’s: „festfestgestellt“. Ob das wohl das Gegenstück zur Dilution ist? Demnächst wohl: festfestfestgestellt.

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