Gewappnet für die Spielplatzsaison – wir wünschen uns so viel für unsere Kinder

Posted on 25. April 2015 von

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Es ist ein warmer Frühlingstag. Endlich! Wir entern den Spielplatz. Schnell verabredet mit befreundeten Eltern und deren Kind, das sich zum Glück gut mit der Kröte versteht. Und umgekehrt.
Das kann man sich als Eltern ja auch nicht immer aussuchen.

Mir graut es schon vor den zukünftigen falschen Freunde meines Kindes.
Ok, im Grunde graut es mir vor den falschen Eltern. Schrecklich. Wenn ich mir vorstelle, dass die Kröte von seiner besten Kitafreundin eingeladen wird. Da stellen sich mir die Nackenhaare auf. In der Wohnung wird geraucht, die Kinder trinken Fanta und koffeinfreie Cola (ausschließlich! O-Ton von Mutti: ich trink selber kein Wasser, das tu ich meinen Kindern doch dann nicht an!). Wenn das Abendbrot verweigert wird, gibt es abends dann zum Sattwerden auch mal eine Tüte Chips. Gut. Egal. Ein ungesunder, total verzuckerter Tag, wird die Kröte nicht umbringen, aber mit dem Rauchen in der Wohnung habe ich ein echtes Problem.
Aber zurück auf den Spielplatz, schließlich gab es bisher noch keine Verabredung und damit auch keinen Konflikt.
Es ist immer wieder ein Ereignis. Auf den Spielplatz kommen, gemustert werden, mustern. Die Gepflogenheiten sind unterschiedlich. Ich halte es wie im Wartezimmer. Ein unverbindliches Hallo und dann einen Platz suchen. Wir entscheiden uns für den Rasen. Der ist höher gelegen und wir behalten den Überblick.
Will ich das wirklich?
Will ich dieses Kind sehen müssen, das permanent andere nervt und haut? Will ich denken müssen: hoffentlich wird die Kröte nie so! Ich sage zu meiner Freundin: ich wünsche mir so sehr dass unsere Kinder in einer solchen Situation akzeptieren, wenn ein bedrängtes Kind sagt ‚lass das!Hör auf‘. Sie stimmt mir zu.
Wir sind Eltern, wir wünschen uns viel für unsere Kinder
Die Mutter des Kindes ist aber auch ein Elterntyp, bei dem ich ohnehin nicht weiß, was ich davon halten soll; zu Beginn unseres Spielplatzbesuches spielt sich die folgende Szene ab: die Gruppe um ihren Sohn kippt kleine Steine in Massen von der Rutsche. Unten sammelt sich ein beachtlicher Haufen und die Jungs rutschen rein und gucken, wie weit sie kommen. Sie haben Spaß, sind interessiert und beschäftigt. Die Mutter findet das alles aber nicht sooo toll: Lasst das mal,ihr macht die ganze Rutsche dreckig!…Haaalooo! Könnt ihr das jetzt mal lassen?! Zwei bis drei Ermahnungen später gibt sie endlich Ruhe. Sie wird kollektiv ignoriert.
Ganz ehrlich: mich interessieren dreckige Rutschen nicht besonders. Auch ob die Kinder kleine Steine in den Sandkasten bringen oder den Sand aus diesem heraus ist mir Jacke wie Hose. Was ich aber unerträglich finde, sind Eltern, die sich entschließen eine Sache nicht gut zu finden, dies ihren Kindern gegenüber kommunizieren und am Ende einfach aufgeben.
Könnten wir nicht einfach kurz überlegen, ob sich ein Konflikt lohnt, bevor wir ihn eingehen? Ist es zuviel verlangt sich kurz Gedanken darüber zu machen, ob es mir wirklich wichtig ist, dass die Rutsche sauber ist? Das nervt doch!
Vermutlich hätte ich mich gar nicht so sehr an der Situation gestört, wenn mich das Verhalten eben dieses Kindes, eben dieser Person am Ende unseres Spielplatztages nicht dazu genötigt hätte ihn und seinen Freund zur Sau zu machen. Ja, ich habe zwei etwa sechsjährige Kinder mitten auf dem Spielplatz richtig runtergeputzt.
Im Nachhinein denke ich, ich hätte die Eltern zur Sau machen müssen.

Die standen nämlich keine zwei Meter von den Kindern weg, als diese meinen Hund, der außerhalb des Spielplatzes angebunden war, mit kleinen Steinen bewarfen. Die Mutter des frechen Drahtziehers (leider ist nur der Mitläufer stehengeblieben, der Anstifter hat sich meine Standpauke bequem aus der Ferne angehört) schaute dann beschwichtigend zu mir rüber und signalisierte, dass sie jetzt aufpassen würde. Ich konnte ihr nur noch einen empörten Blick zuwerfen und bin kopfschüttelnd gegangen, um unsere Sachen zu packen.
Das Witzige ist ja, dass wenn mein Hund nicht so ein gutmütiges Tier wäre, und den Wolf (der bestimmt irgendwo in ihm schlummert) wecken würde, ich jetzt der Arsch wäre und nicht die Mutter, die nicht eingegriffen hat, als ihr Kind das Tier gequält hat.

Ach, ich hatte es fast vergessen: es war ja ein warmer Frühlingstag. Endlich!
Die Kröte hat gelernt im Stehen zu pinkeln und findet das auch richtig super. Richtig super finde ich auch, dass er den Sandkasten verlässt, um sein neues Talent unter Beweis zu stellen. Dass dafür der nächste Busch besser geeignet ist, als der Platz, der sich eben nur außerhalb des Sandkastens befindet müssen wir der Kröte noch vermitteln.
Es ist übrigens auch einfach sich über raufende und tierquälende Erstklässer zu ärgern, wenn das eigene Kind noch keine drei Jahre alt ist und noch immer fasziniert die Welt entdeckt und sich über jeden Schritt in die Selbstständigkeit nen Keks freut.
Ich bin trotzdem zuversichtlich, dass die Kröte auch in drei Jahren keine Tiere mit Steinen bewerfen wird, beziehungsweise dass mein Partner, unser soziales Umfeld und ich dafür sorgen werden, dass solche Dinge konsequent unterbunden werden und die Kröte am Ende genau weiß, wo das Problem liegt.
Tja, ich für meinen Teil fühle mich nach diesem Tag gewappnet für die Spielplatzsaison. Viel schlimmer kann es eigentlich nicht kommen.

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