Senatorin heilt Homöopathen

Diese Homöopathen! Man kann ihnen nur gratulieren. Sie haben es wieder geschafft, eine Landespolitikerin in ihren Bann zu ziehen und vor den magischen Karren zu spannen. In Bremen findet in diesem der Homöopathie-Kongress des DZVHÄ statt und die Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Verbraucherschutz übernimmt die Schirmherschaft. Wie die GWUP bereits erwähnte, überbringt sie ein paar humoristische Grußworte:

„Natürlich wissen Sie, dass die Homöopathie trotz zwischenzeitlich vielfach zu beobachtender Therapieerfolge noch immer unter kritischer Beobachtung vor allem dann steht, wenn es um naturwissenschaftlich belegbare Nachweise von Wirkungen geht. Eine kritische Begleitung der Homöopathie ist nach wie vor angezeigt.“

Hihi, „zwischenzeitlich“ zu beobachtende „Therapieerfolge“, die aber offensichtlich nicht „naturwissenschaftlich belegbar“ sind. Ein prächtiges Oxymoron. Man sieht förmlich, wie die Senatorin sich auf ihrem Stuhl windet und versucht, es allen Recht zu machen. Vielleicht gab es in Bremen Planspiele, die Homöopathen nach Worpswede auszulagern und das Problem den niedersächsischen Kollegen aufzuhalsen. In Worpswede besteht auch mehr grobstoffliche Nähe zu den „Geisteswissenschaftlern„, so dass man sich nicht mit dem „deterministisch-materialistischen Weltbild der Physik, das bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Gültigkeit hatte“, herumschlagen muss und sich ganzheitlich seinem magisch inhumanen Weltbild widmen kann.

Wem sich die Senatorin da andient, lässt sich exemplarisch an einem Dr. Friedrich zeigen, der sich der homöpathischen Krebsbehandlung verschrieben hat. Der rühmt sich Beispielsweise der Leitung einer „Klinik“ auf Baltrum, in der, neben diversen anderen Erkrankungen, Krebs, „auch neben einer schulmedizinischen Therapie“, homöopathisch behandelt wird. Also ist er kein Dogmatiker, wir freuen uns ja schon über kleine Erfolge.

Die Klinik wird in einem Infoblatt der „Deutschen Gesellschaft zur biologischen Krebsabwehr“ als Anlaufstelle genannt. Darin heißt es unter anderem:

„Die Homöopathie kann Begleitmaßnahme neben den bewährten Methoden sein oder auch für immer mehr Menschen das zentrale therapeutische Prinzip. Dabei hat sich gezeigt, dass die Erfolge größer sind, wenn frühzeitig – am besten noch vor einer geplanten Operation – mit der Behandlung begonnen wird.“

Vielleicht ist es mein schlechter Charakter, der durchkommt, aber das liest sich, als würden Fortschritte in der homöopathischen „Behandlung“ gemacht und eine ausschließlich homöopathische Behandlung stelle eine Option dar. Also eine Option, bei der man realistische Überlebenschancen hat. Man möge mich pessimistisch nennen, aber das halte ich für unrealistisch. Man könnte auch von unverantwortlich sprechen.

Wo wir gerade bei „unverantwortlich“ sind. Friedrich hat bereit auf einem Homöopathie-Kongress 2013 über homöopathische Krebsbehandlung gesprochen, der Mann hat Erfahrung in sanfter Verantwortungslosigkeit. In einem Dokument zu seinem Vortrag bezieht er sich auf Ramakrishnan, zu dem man lesen kann:

„Ramakrishnan behauptet auf seiner Webseite, mit seiner Methode Krebserkrankungen im Frühstadium zu fast 80% heilen zu könne“

Friedrich hingegen stellte 2013 den Fall einer Frau vor, die sich im Spätstadium eines metastatsierten Karzinoms in seine verantwortungslosen Hände begab. Homöopathie ist eben eine ganzheitliche Methode, mit der man Patienten in jeder Lebensphase sicher in den Tod begleiten kann. Doch der Fall scheint anders verlaufen zu sein. Ein paar Perlen der homöopathischen Prosa:

„Bei der homöopathischen Krebsbehandlung fällt auf, dass Heilungen neben den lokalen und chronischen Mitteln oft einer oder mehrerer Nosoden bedürfen, um überhaupt gelingen zu können.“

„Das Mittel für das Tumorrezidiv war in diesem Fall Apis. Apis hat den Wärmeüberschuss, die Ödem-neigung, die Durstlosigkeit. Es ist ein Mittel mit starkem Bezug zu Tumoren der Eierstöcke, und hier besonders rechts. Zur chronischen Symptomatik von Apis gehören auch die Reizbarkeit und die Eifersucht.“

„Da Apis aber offensichtlich so gut passt und weitgehend gut gewirkt hat und keine neuen Symp-tome aufgetreten sind, gehen wir zunächst von einem Dosierungsproblem aus (häufige C-30-Gabe) und geben Apis als Q 3 einmal täglich.“

„Homöopathisch wird jetzt sehr deutlich, dass Medorrhinum im besten Fall ein Zwischenmittel war, jedoch kein Tumorheilmittel, da Symptome des Rezidivtumors wieder auftauchen.“

„Innerhalb von über drei Jahren ist es zu keinem Wiederauftreten der Tumorerkrankung gekommen. „

Ein Wunder! Auch in diesem Fall wird ganz klar angenommen, dass eine alleinige homöopathische Behandlung zur Heilung eines metastasierten Karzinoms geführt hätte. Jemand der einen solchen Bericht verfasst, muss der Ansicht sein, ausschließlich mit Globuli Krebs behandeln zu können. Dazu passen Äußerungen Friedrichs, wie eine optimale „Krebstherapie“ auszusehen hat:

„Im Idealfall ist der Patient schon vor der Diagnose Krebs in homöopathischer Behandlung. Wird die Krankheit festgestellt, sollte nicht panisch mit der erstbesten Therapie begonnen werden. Ich rate dazu, sich erst einmal Zeit zu nehmen, etwa vier bis acht Wochen, bis sich die erste Panik gelegt hat und man sich über die verschiedensten Therapieformen und Krebs informiert hat.“

Eine „schulmedizinische“ (sprich evidenzbasierte) Behandlung wird hier mit „erstbeste“ abgewertet und die Überlegenheit von Globuli impliziert. Frau Quante-Brandt, Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Verbraucherschutz, wertet durch ihre Schirmherrschaft Menschen auf, die sich der Quacksalberei verschrieben haben. Sie schreibt, „eine qualifizierte Würdigung auch unkonventioneller Methoden halte“ sie „für unabdingbar“. Durch ihre Schirmherrschaft macht sie jedoch deutlich, dass es sich dabei um leere Phrasen handelt und verhöhnt all die Menschen die Quacksalbern in die Hände fallen und unter Umständen teuer dafür zahlen.

Aber, diese Hoffnung bleibt, vielleicht versucht die Senatorin auch, die Homöopathen mit eigenen Waffen zu schlagen. Sie schreibt Dinge, die der Wirklichkeit widersprechen so, dass die Homöopathen sich damit beschäftigen. Dem Simile Prinzip folgend, könnte das dafür sorgen, dass die Globulisten zur Vernunft kommen und das Licht der Aufklärung sehen. Frau Quante-Brandt, Sie Guerilla-Skeptikerin! Jetzt heißt es nur noch hoffen, dass das Similie-Prinzip doch kein Unsinn ist! Dann wäre der Homöopathie-Kongress 2016 in Bremen der letzte seiner Art.

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9 Gedanken zu “Senatorin heilt Homöopathen

  1. Ramen und Hail Eris, ich sage Euch: Natürlich wissen WIR alle, dass die FSMoPathie trotz zwischenzeitlich vielfach zu beobachtender Therapieerfolge noch immer unter kritischer Beobachtung vor allem dann steht, wenn es um naturwissenschaftlich belegbare Nachweise von Wirkungen geht. Eine kritische Begleitung der FSMoPathie ist nach wie vor angezeigt.

    Aber so wisset auch, dass die FSMoPathie lediglich als Placebo-Forte angeboten wird!

    http://fsmosophica.org/fsmopathie

    Ramen.

  2. Tut mir leid, ich kann die Spammerei von Mr. MIR auf jedem skeptischen Blog langsam wirklich nicht mehr ertragen. :-(

    1. Ich würde es als Zitat sehen. Unter jedem Text zu einem gesundheitlichen Thema findet sich jemand, der eine Loblied auf die Globuli singt. Mr. MIR imitiert das sehr konsequent :-)

  3. Das kannst Du sehen, wie Du willst, es ist ja Dein Blog. :-) Aber realistisch gesehen spammt er die gesamte Skeptikerszene mit Links zu seinem Blog zu. Ich habe ihn noch nie „zitieren“ sehen, ohne dass er gleichzeitig seine Seite beworben hätte. Ein bisschen Werbung der skeptischen Blogs untereinander ist ja verständlich, aber wenn jeder „Vorgarten damit zugesch…“ ist, wird es mehr als störend. Für mich jedenfalls – denn ich lese viele skeptische Blogs (anscheinend fast so viele wie Mr. MIR, aber er hat sicher noch ein paar mehr entdeckt).

  4. Aber es geht ja eigentlich um den Artikel: Der gefällt mir – wie die meisten Deiner Beiträge – sehr gut. Danke. es ist nicht zu fassen, wie sich Politiker immer wieder vor den Karren der Homöopathen spannen lassen.

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