Homöopathie im Kreuzfeuer

[In der Freitag Community wurde ein „Netzwerk-Homöopathie“ kritisiert, welches kürzlich gegründet wurde. Die genutzten Argumente sind nicht neu und auch nicht spezifisch auf das Netzwerk gemünzt, so dass ich als selbsternannter homöopathischer Haus und Hofkritiker und Blogtherapeut gerne dazu Stellung nehme.]

Wenn man über Homöopathie diskutiert, ist zuerst wichtig, festzustellen, auf welcher Basis man darüber diskutiert. Der Autor des verlinkten Textes (oder die Autorin, ich verwende die männliche Form) umgeht dieses Problem, indem er auf das angeblich laufende Verfahren verweist und von einem „ewig währenden Streit“ schreibt. Das weist auf eine gewisse Unkenntnis der Historie der Homöopathie hin. Das „aktuelle“ Interesse an der Homöopathie lässt sich nämlich ziemlich eindeutig auf August Bier zurückführen Bier veröffentlichte 1925 den Text „Wie solle wir uns zur Homöopathie stellen“. Während es in den 5 Jahren vor der Veröffentlichung acht Arbeiten zur Homöopathie gegeben hatte, waren es in den Jahren 1925 – 1935 157. Das lag auch daran, dass  Reichsgesundheitsführer Conti daran gelegen war, die „verjudete Schulmedizin“ durch eine Neue Deutsche Heilkunde zu ersetzen. Homöopathie sollte ein zentraler Bestandteil davon sein, immerhin war Hahnemann Deutscher. Die Erwartungen erfüllten sich jedoch nicht (s. „Donner-Report“). Der „ewig währende Streit“ wurde also durch eine Person sowie die Interessen einer ideologisch geprägten Gesundheitspolitik wiederbelebt. Die Sache ist jeodoch spätestens heute entschieden: Homöopathie wirkt auf Placeboniveau. Das kann man glauben oder nicht. An Realität ändert das nichts.

Der Autor gibt an, den Patienten sei es letztlich ohnehin egal, was wirkt, „das Setting (…), das Medikament oder eine Kombination aus beidem“. Wenn es den Patienten wirklich egal wäre, könnten Homöopathen dem Treiben des Netzwerks in aller Ruhe zusehen. Das Problem ist jedoch, dass es den Patienten eben nicht egal ist. Die Patienten gehen davon aus, dass das Arzneimittel eine spezifische Wirkung hat. Wenn die Patienten an diese nicht mehr glauben (!) ist Homöopathie nutzlos.  Dann ist auch die Placebowirkung dahin.

Bei wirksamen Arzneimittel schwächt mangelnder Glaube die Wirkung ab, was soweit gehen kann, dass keine mehr vorhanden ist. Das hängt unter anderem davon ab, wieviel mehr Wirkung als Placebo das Medikament hat.
Diese Information führt auch die Argumentation zur „Versorgungsforschung“ ad absurdum. Das passt insofern, weil die Versorgungsforschung von Homöopathen ohnehin auf eine absurde Weise genutzt wird. Man versucht, sie dazu zu nutzen, die Wirkung von etwas in den ungeordneten Bedingungen des Alltags zu belegen, das unter kontrollierten Bedingungen bereits gescheitert ist. Das ist in etwa so, als würde man jemanden der in der Geigenstunde nur schräge Töne fabriziert, in ein Orchester stellt und sagen: „Klingt doch ganz gut.“ Dadurch wird der Musiker nicht besser, aber das Orchester schlechter.

Es ist daher nicht relevant, wie Homöopathie im Versorgungsalltag abschneidet. Wenn wir den Versorgungsalltag als einzigen Maßstab nehmen, dann spricht nichts dagegen, auch schwere Erkrankungen homöopathisch zu Behandeln. Befürworter einer solchen Praxis gibt es. Deren Argumentation dafür ähnelt der des Autoren deutlich.

Offenbar ist die Sicht der Patienten dem Autoren sehr wichtig. Das ist auf der einen Seite löblich, wurde doch die Sicht der Patienten bis in die späte zweite Hälfte des letzten Jahrhunderts von der Ärzteschaft oft als wenig relevant abgewertet. Auf er anderen Seite sollten wir uns davor hüten  nun in das Gegenteil zu verfallen und die Sicht von Patienten als alleinigen Maßstab anzusehen. Wenn wir das machen, hört es nicht mit Homöopathie auf. Dann wird bald auf Kassenkosten unter ärztlicher Aufsicht gebetet, exorziert, geistgeheilt, beschworen; es werden Horoskope erstellt und Heilsteine auf Tumoren gelegt. All das sind Tätigkeiten, die Menschen als hilfreich erleben können. Das rechtfertigt nicht, sie als medizinische Therapien (!) anzubieten. Die Evidenz ist für viele dieser Verfahren ähnlich „durchwachsen“ wie für Homöopathie.

Folgten wir dem Autoren, sind das alles legitime Therapien und sollten bald unter „Evidenzbasierter Medizin“ geführt werden. Somit hat der Autor Recht, mit seiner Äußerung „Bei dem Streit um die Homöopathie geht es offensichtlich neben möglichen finanziellen Interessen der Ärzteschaft, der Pharmaindustrie. der Apotheker um die Anwendung der Regeln der Evidenz-basierten Medizin bzw. über das Verständnis von Evidenz-basierter Medizin.“ Nur anders als intendiert. Folgte man der Argumentation des Autoren, würden die fetten Töpfe des Gesundheitssystems bald für einen ganzen Blumenstrauß an Methoden geöffnet. Die Anbieter würde es freuen.

Das wird aber nicht passieren. Dafür sorgt die Sonderstellung der „besonderen Therapieformen“ im deutschen Arzneimittelrecht. Während Heilsteine niemals die Schwelle des Wirksamkeitsnachweises überspringen würden, wurde diese Schwelle u. a. für Homöopathie geschliffen. Einen besonderen Grund dafür gibt es nicht. Die Homöopathie hat ein Sonderrecht bekommen, durch das sie geschützt wird. Wäre sie so wirksam, wie ihre Apologeten behaupten, wäre dieses Sondergesetz nicht notwendig.

Interessant an dem Text ist auch die verzerrende Darstellung der Homöopathie als individuelle Therapie, die den ganzen Menschen behandelt, anstatt nur die Symptome. Das Gegenteil ist der Fall. Ein Homöopath sucht im Rahmen seiner Anamnese nur ein Symptom. Genau das eine, besondere Symptom. Nach diesem einem (!) Symptom sucht der Homöopath dann seine Arznei aus. Für mich ist das nicht ganzheitlich sondern ziemlich zersplittert, quasi atomisiert (da sind auch die Quanten nicht weit).

Natürlich hat dieses eine Symptom mit der aus dem Gleichgewicht geratenen Lebenskraft zu tun, die den ganzen Menschen durchströmt. Aus Sicht der Homöopathen ist die Konzentration auf ein einziges Symptom also durchaus ganzheitlich. Das ist aber nicht das, was die Mehrzahl der Menschen unter „ganzheitlich“ versteht.
Und so werden viele Aspekte der Homöopathie öffentlich nicht ehrlich dargestellt, nicht transparent gemacht.
Die Kritiker wollen also nicht das „Vertrauen in die Homöopathie erschüttern“, sondern zeigen, dass das Vertrauen der Patienten durch Homöopathen (wissentlich oder unwissentlich) systematisch missbraucht wird.

 

Zusatzinformationen:

August Bier

August Bier fand über einen Umweg zur Homöopathie. Er war an zentraler Stelle an der Entwicklung der Spinalanästhesie beteiligt. Dabei wurde zu der Zeit Kokain genutzt. Kokain war vorher als lokales Anästhetikum genutzt worden, um die damals sehr riskante Allgemeinanästhesie zu vermeiden. Allerdings kam es schnell zu Todesfällen wegen Kokainüberdosierungen. Die Konzentration wurde daraufhin, auch unter Mitarbeit von Bier, immer weiter gesenkt, so dass man irgendwann in Bereichen war, in denen auch einige niedrigpotente (D3 – D5) Homöopathika wirken.

Versorgungsforschung

Versorgungsforschung bedeutet, herauszufinden, ob ein Medikament, welches unter kontrollierten klinische Bedingungen eine Wirksamkeit nachweisen konnte, diese auch in den Alltag übertragen kann. Versorgungsforschung sollte als letzte Phase einer Arzneimittelzulassung eingeführt werden, das würde jedoch einiges kosten und den Widerstand der Industrie hervorrufen, weil der eine oder andere Blockbuster auf der Strecke bleiben würde.

Alltrials

Wer einer müssigen weiteren Diskussion um die Homöopathie aus dem Weg gehen und seine oder ihre Zeit sinnvoll nutzen will, gehe zu alltrials. Dort wird für eine bessere Medizin von morgen gekämpft, ohne sich gegen Homöopathie zu wenden, sondern sich den richtig schweren Jungs zuzuwenden.

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17 Gedanken zu “Homöopathie im Kreuzfeuer

  1. Lieber Merdeister,

    wie immer brillant und geistreich analysiert und dargestellt – insbesondere die in Wirklichkeit eben oft FEHLENDE Ganzheitlichkeit der Homöopathie.
    Einen Streit kann es nicht geben, die Faktenlage ist klar.

    Die hinsichtlich Religionen ist es auch.
    Es geht hier um Glauben. Glauben ist bekanntlich eine sehr hartnäckige Geschichte, deren Auswüchse (Kreuzzüge, Inquisition, Dschihad) an Schrecklichkeit und Grausamkeit alles Andere in den Schatten stellen.

    Viele Christen und viele Homoöpathen sind dennoch sehr wohlmeinende Menschen, die auf diesem Weg eine gewaltige Placebowirkung aufbauen können.

    Schlussendlich und mit leider zunehmendem Alter lokalisiere ich den Feind wo anders, nämlich dort wo Menschen ebenso evidenzbasiert wie auch rücksichtslos Geld verdienen – mit Medikamenten, die nicht evidenzbasiert sind, sondern auf Studien fussen, die von dem Herstellern selbst konzipiert, durchgeführt, ausgewertet und interpretiert werden (ein grundlegender Fehler des staatlichen Zulassungssystems – es rächt sich, wenn der Staat fürs Allgemeinwohl nichts ausgeben will, nur für die Sportförderung).

    NEJM und Lancet drucken alles, wofür genug Sonderdrucke bestellt werden, und die peers drücken beide Augen zu, damit man die Dollarzeichen nicht sieht.

    Zugegeben, ab und zu gibt es in NEJM und Lancet auch ein paar wirklich gute und interessante Arbeiten, die aber meist nichts mit Pharmaka oder Medizintechnik zu tun haben.
    Eine sehr geschickte Strategie.

    Ein Epidemiologe der LMU München: „Sagen Sie mir, was Sie beweisen wollen, ich mache Ihnen die Studie dazu“

    Selbst das scheint aber nicht immer zu klappen. Daher bin ich auch für Alltrials!

    Dr. Peter Pommer

    1. Danke, danke :-)
      Natürlich hast Du Recht, wenn Du von den Pharmaunternehmen schreibst, die alles machen, was ihnen die Möglichkeiten bieten. Ben Goldacre hat ja auch geschrieben, Homöopathen langweilten ihn, darum gehe er jetzt dahin, wo es wehtut, also nicht ihm, sondern den Unternehmen. Ich bin wirklich gespannt, was die Kampagne bewirken wird. Wenn sie Erfolg haben, könnte das Veränderungen in der Medizin bewirken, die wir uns noch gar nicht vorstellen können.
      Und was Paper und Peers angeht, ändert sich die Kultur langsam auch. Laaangsaaaam aber es tut sich was. Lustigerweise sind treibende Kräfte nicht die Homöopathen, sondern die Skeptiker. Aber wenn Alltrials Erfolg hat, dürften auch Massen an negativen Globulistudien auftauchen.
      Alltrials lebe hoch.

  2. Klar, Homöopathen können mit wissenschaftlich exakten Studien wenig anfangen, die sind eher ein Feindbild, deshalb sind sie auch nicht die treibende Kraft, aber eine kritische zumindest, wenn diese Kritik auch anders begründet ist.

    Wenn ich mir die Nicht-Kommunikation (ausser in Fachinfos, die zu lang zum Lesen sind) von bekannten Fakten wie z. B. die Probleme von Pradaxa bei Niereninsuffizienz und auch Leberinsuffizienz, die bedauerlicherweise defekten INR-Testgeräte im Kontrollarm bei Xarelto ansehe oder die retrospektive Studie eines bis zur Dummheit frechen Wiener Professors ansehe, die zeigt, dass Tamifu doch wirkt, kann ich Deinen Optimismus leider nicht teilen.

    Die Politik hält sich dank erfolgreicher Lobbyarbeit raus und wiegelt ab – wie bei der kürzlich erfolgten Anzeige gegen Boehringer Ingelheim (schliesslich ist deren oberster Boss ja Präsident des Deutschen Kirchentages, wie weiland Weizäcker, der die Produktion von agent orange für den Vietnamkrieg absegnete) oder beim Mucosolvan-Verbotsantrag der belgischen Arzneimittelbehörde (lebensgefährliche Allergien). Kurt Beck, dem Symphatieträger sei Dank, der hat einen Beratervertrag beim Hersteller….

    Ich würde mir wüschen, dass das ohne Volksaufstand besser wird, glaube aber nicht dran.

  3. Offenbar ist die Sicht der Patienten dem Autoren sehr wichtig. Das ist auf der einen Seite löblich, wurde doch die Sicht der Patienten bis in die späte zweite Hälfte des letzten Jahrhunderts von der Ärzteschaft oft als wenig relevant abgewertet. Auf der anderen Seite sollten wir uns davor hüten nun in das Gegenteil zu verfallen und die Sicht von Patienten als alleinigen Maßstab anzusehen.

    Hmnuja…

    Wie wäre es aber und zur Abwechslung mal mit Nachdenken darüber, warum überhaupt massenweise Patienten zu Homöopathen und anderen Behandlern gehen, ihre Zeit und ihre Mittel freiwillig selbst bezahlen und Linderung, mitunter Heilung ihrer Krankheiten erfahren?

    Wäre mit den kassenfinanzierten Behandlungen alles bestens, wäre das sehr viel weniger der Fall, nein? Dann träfe das nur noch auf sterbende, verzweifelte, allopathisch austherapierte Kranke und auf noch ein paar Verstrahlte mit zu viel Geld zu. Die Wahrheit ist aber, daß sich Homöopathen, Heilpraktiker und auch geldgeile Scharlatane immer größerer Beliebtheit erfreuen. Warum ist das so?

    Meine Erfahrungen sind definitiv nicht so, daß die Ärzte- und Versicherungenmißachtung der Patienten und ihrem Laienexpertentum über die eigene Person und ihre Krankheiten(<-Hilfsformulierung) in der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts geendet hätte. Ich habe vor allem mit Ärzten unter Zeitdruck zu tun, die nicht zuhören, Kollegendiagnosen ignorieren, jede Patientenfrage für eine Anmaßung halten, an Einzelsymptomen herumdoktern und die sich außerdem erstaunlich oft noch so lausig organisierte Praxen leisten, daß ich für übersichtliche Diagnostik xfach antanzen muß. Meine Sicht interessiert genau null. Der einerseits ständig geforderte 'mündige Patient' wird von sehr vielen Ärzten als Konkurrenz empfunden und nach Kräften bekämpft.

    Wir finanzieren ein extrem teures Gesundheitssystem, in dem komplex und/oder chronisch Kranke oft nicht gut betreut sind. Wohin fließt das viele Geld, wem nützt das?

    Jedenfalls nicht an die Ärzte, die sich Zeit nehmen und Symptome aus unterschiedlichen medizinischen Disziplinen zu einem Krankheitsbild verknüpfen und entsprechend behandeln – die müssen sich selbst ausbeuten. Die 'Droge Arzt', sprich: Zeit, Aufmerksamkeit, Zuwendung wird nicht wirklich bezahlt. Kostenersparnis durch verknüpfende und erst damit wirksame Behandlung wird weder honoriert noch von Versicherungen ohne den obligaten Widerspruch bewilligt. Warum?

    Placebo klingt immer so, als wären Kranke schrecklich dumm und furchtbar leicht zu beeinflussen. Da homöpathische Mittel bislang wissenschaftlich unter Placebo fallen: was genau wirkt dann daran?
    Und: warum nutzen Ärzte genau diese Wirksamkeit nicht viel mehr, in Verbindung mit nachweislich wirksamen Mitteln?

    Scheinen mir alles dicke Fragebretter zu sein und mich wundert seit langem, daß Sie an denen – zugunsten Ihres ewigen Homöopathie-Bashings, das immer auch Globulinehmer-Bashing ist – überhaupt nicht bohren.

    Warum eigentlich nicht, lieber Merdeister?

    1. Liebe Dame von Welt,

      Sie haben Recht, die wissenschaftliche Medizin ist von Korruption und Geldgier zerfressen.
      Der Patient ist zum Objekt des Profitstrebens von Konzernen und vielen Ärzte geworden – es geht nicht mehr oder allenfalls zum Schein um seine Leiden.

      Wer dagegen innerhalb der wissenschaftlichen Medizin ganzheitlich arbeitet, d. h. den emotionalen/seelischen Anteil einer Krankheit ebenso wichtig nimmt wie den biochemisch-mechanischen, der muss sich Zeit nehmen seinen Patienten kennen zu lernen, wahr zu nehmen, auf das emphatisch eingehen, was er sagt.

      Das aber kostet viel Gesprächszeit, die unser System, entgegen aller Phrasendrescherei, nicht bezahlt!

      Das ist der Systemfehler, der jeglicher Komplementärmedizin Vorschub leistet (Komplementärmedizin meine ich neutral, nicht abwertend).

      Ich bin froh um jeden Patienten, der Globuli statt Lipidsenker nimmt, noch froher bin ich, wenn er gar nichts nimmt, sich besser ernährt und mehr bewegt.

      Ich bin froh um jeden Patienten, der zum ganzheitlich arbeitenden Komplementärmediziner, auch zum Homöopathen mit Blick für den ganzen Menschen geht, statt zu Apparatemedizinern, die Kopfgelder für Überweisung zu Operationen und invasiven Eingriffen nehmen und Zuwendungen für die Verschreibung neuer, scheininnovativer, teuerer, wenig erprobter und damit gefährlicher Medikamente!

      Dennoch ist eine wissenschaftlich fundierte und evidenzbasierte PSYCHO-SOMATISCHE Ganzheitsmedizin, die Spiritualität nicht vergisst – derzeit zugegeben nur theoretisch – der vernünftigere Ansatz, mit den Krankheiten und Leiden des Menschen umzugehen, als ein wenig weiter entwickelter Denkansatz aus dem ausgehenden 18. Jahrhundert.
      Auch wenn es derzeit schwer fällt, an echte Fortschritte zu glauben, sollten wir nicht aufhören zu versuchen, unseren Teil dazu beizutragen.

      Dr. Peter Pommer

  4. Liebe DvW, vielen Dank für ihren Kommentar. Seien Sie gewarnt, ich hatte seit unserem ersten Disput zum Thema kaum je jemanden der mich mit seiner Widerrede weiter gebracht hat als Sie, ich erwarte mir also einiges ;-)

    Um Ihre erste Frage, warum massenweise Patienten zu Homöoapthen gehen, zu beantworten, wäre wichtig, herauszufinden, ob die gemachte Annahme überhaupt stimmt. Sehen Sie, eines der Probleme die ich habe, ist, dass ich gar nicht genau weiß, ob es sich um ein relevantes Problem handelt. Das liegt unter anderem daran, dass der Bereich der Heilpraktiker kaum reguliert ist und keine Rechenschaft über sein Handeln ablegen muss. Zumidnest nicht vergleichbar mit Ärzten, die einen guten Teil ihrer Zeit darauf verwenden, zu dokumentieren, was sie gemacht haben, damit eine Behandlung nachvollziehbar ist. Heilpraktiker haben es da besser.
    Und die Therapiefreiheit kann auch bei ärztlichen Kollegen zu einer Wildwestmentalität führen, so dass „alles erlaubt“ ist.
    Kurz, ich weiß nicht, ob massenweise Patienten zu Homöopathen gehen. Es scheinen genug zu sein, um davon leben zu können. Auch wäre die Frage, wie wir „Homöopathen“ definieren? Fallen darunter nur Menschen die nichts anderes anbieten? Oder zählen auch Menschen dazu, die Globuli ergänzend einsetzen? Ist es für diese Diskussion wichtig ob der Anbieter daran glaubt?

    Die Frage, warum Menschen sich „alternativen“ Methoden zuwenden ist in der Tat erforscht. Die beste Antwort die man zur Zeit hat, ist, dass Menschen sich Therapien suchen, die ihrer Weltanschauung entsprechen (wobei Weltanschauung hier sehr weit gefasst ist). Sie wollen ihre Behandlungsoptionen erweitern, was aus Salutogenetischer Sicht die Handhabbarkeit stärkt und so für ein erhöhtes Gefühl von Kohärenz herbeiführt. Das korreliert positiv mit psychosomatischer Gesundheit. Aus Sicht von Patienten ergibt es Sinn, sich eine „alternative“ Behandlung zu suchen. Als dritter, und wahrscheinlich wichtigster Grund hat man die Tatsache gefunden, dass die Therapien angeboten werden. Oft ja von denselben Menschen die auch evidenzbasierte Therapieverfahren anbieten. Aus Sicht vieler Menschen ist die Wirkung einer Ibuprofen genauso magisch, wie die von Arnika C30. Aber Ibuprofen hat Nebenwirkungen.

    Das wäre der Versuch einer Antwort, die man sicher erweitern kann und deren Beantwortung mich auch sehr interessiert. Diese zu suchen geht unter anderem auf Sie und den geschätzten e2m zurück.

    Damit wäre auch ihre nächste Frage, „Wäre mit den kassenfinanzierten Behandlungen alles bestens, wäre das sehr viel weniger der Fall, nein?“ zumindest teilweise beantwortet. Die meisten Menschen sind mit „ihrem“ Arzt zufrieden, was gegen die These spricht, Menschen wendeten sich von der „allopathischen“ Medizin ab. In sehr vielen Bereichen ist „allopathische Medizin“ und „Alternativmedizin“ gar nicht voneinander zu trennen. Glauben Sie mir, mit der Forderung danach macht man sich nicht viele Freunde :-)

    Was Ihre Erfahrungen angeht, möchte ich mich dazu nur vorsichtig äußern, weil ich nicht denke, dass es mir zusteht, ihre persönliche Erfahrung zu kommentieren.
    Medizin ist ein sehr, sehr, sehr konservatives Fach und Veränderungen, insbesondere Veränderungen in der Haltung der ÄrztInnen gehen sehr langsam vonstatten. Es ist einfacher, sich an eine neue Leitlinie anzupassen als an neue Anforderungen an die eigene Einstellung. Das soll die Arschlochartigkeit einiger Kollegen, die Sie unglücklicherweise treffen, nicht entschuldigen, es soll sie erklären. Und vielleicht ein wenig Hoffnung machen.
    Vielleicht wäre es auch hilfreich Bewerber bereits vor dem Studium auf charakterlicher Eignung zu prüfen oder spätestens nach dem Staatsexamen einen passenden Fachbereich finden ;-)

    „Die ‚Droge Arzt‘, sprich: Zeit, Aufmerksamkeit, Zuwendung wird nicht wirklich bezahlt. Kostenersparnis durch verknüpfende und erst damit wirksame Behandlung wird weder honoriert noch von Versicherungen ohne den obligaten Widerspruch bewilligt. Warum?“

    Ja und Nein. Einerseits ist es wichtig, dass Zeit Aufmerksamkeit und Zuwendung im Budget abbildbar werden (wie schön technokratisch ich klingen kann), andererseits gibt es viele Erkrankungen, die man relative fix behandeln (oder nicht behandeln kann). Und, wir beide wissen, was passiert, wenn Anreize geschaffen werden, sich viel Zeit für die Patienten zu nehmen: Plötzlich machen alle Redekuren und man kriegt keinen Termin mehr. Sie wissen was ich meine? Leider muss so etwas immer klar reguliert werden, sonst nutzen das die schlauen Füchse unter den Kollegen und (fast) keiner hat etwas davon.
    Also ja, mehr Zeit, aber nicht um ihrer selbst willen, sondern empirisch abgesichert.

    Placebo hat nichts damit zu tun, ob jemand „dumm“ oder klug ist, auch wenn es so klingt (dafür kann aber das Placebo nichts). Es gibt Menschen die sehr empfänglich für Placeboeffekte sind, andere nicht. Placeboeffekte sind zum einen der Erwartungseffekt (jemand verspricht mir Linderung) und Konditionierung (ich habe immer eine weiße Pille mit Schmerzmittel bekommen, die hat geholfen, also hilft eine weiße Pille ohne Schmerzmittel auch). Der Effekt der Konditionierung muss aber immer wieder aufgefrischt werden. Im Medizinischen Alltag wirkt vor allem der Erwartungseffekt.

    Bei der Homöopathie werden häufig noch andere unspezifische Effekt der Wirkung bezichtigt. Auch wenn ich weiß, dass Sie das Pickel kriegen, verlinke ich mal die GWUP: http://blog.gwup.net/2011/10/09/warum-homoopathie-wirkt/

    Ärzte nutzen Placeboeffekte im Zusammenhang mit wirksamen Mitteln. Edzard Ernst nennt das „Gute Medizin“. Damit spielt er ihren Argumenten von oben in die Hände.

    Diese Fragen habe ich jetzt weitgehend aus dem Kopf beantwortet, weil ich sie mir seit langem stelle. Ich gebe zu, dass sie in den Texten oft nur am Rand erwähnt werden. In der Regel trage ich diese Fragen jedoch in skeptische Kreise und versuche, dort die Argumente rund um die Alternativmedizin zu schärfen.

    Ich möchte gerne den Vorwurf des Globulinehmer-Bashings ganz entschieden von mir weisen! Nicht nur, weil sich das nicht gehört, sondern weil ich nachvollziehen kann, warum Homöopathie so anziehend ist, warum man sie nutzt. Und weil ich weiß, dass 1000 Studien nicht gegen die Erfahrung einer erfolgreichen, anders nicht erreichten Heilung helfen. Darum konzentriere ich mich in meiner Kritik seit langem auf die Anbieter.

    Ich hoffe, damit ein wenig zur Erhellung beigetragen zu haben und danke nochmal für Ihren anstoßenden Kommentar!
    merde

    1. Lieber merdie,
      Sie rutschen auf Ihrer eigenen Argumentation aus, Sie schreiben:
      Und, wir beide wissen, was passiert, wenn Anreize geschaffen werden, sich viel Zeit für die Patienten zu nehmen: Plötzlich machen alle Redekuren und man kriegt keinen Termin mehr. Sie wissen was ich meine? Leider muss so etwas immer klar reguliert werden, sonst nutzen das die schlauen Füchse unter den Kollegen und (fast) keiner hat etwas davon.

      Die Ärzte mit den Redekuren haben einen Namen und andere Ärzte können zu ihnen überweisen: Psychotherapeuten.
      Zutreffend ist, daß man bei den besseren unter ihnen seeeehr lange auf Termine warten muß. Angelegentlich bitte ich Sie und @alle hier herzlich um Unterzeichnen und gern auch um Weiterverbreitung dieser Petition.

      Zutreffend ist auch, daß man bei den sich selbst ausbeutenden Allgemeinmedizinern, die ihre Patienten nicht mit 10-Minuten-Terminen abspeisen, lange auf einen Termin warten muß, z.B. ich bei meiner Hausärztin 3 Wochen.

      Heißt: es gibt einen Bedarf an Ärzten, die sich Zeit nehmen und die nicht bloß das Folgerezept ausstellen. Sie umschiffen es zwar knapp und noch halbwegs elegant, sich die Patienten vor die Flinte zu nehmen und sie ‚Hypochonder‘ oder ‚einsame Wichtigmacher‘ zu nennen – „schlaue Füchse“ schon mal gleich gar nicht – aber ich möchte Ihnen unterstellen, daß Sie die schon mitmeinen.

      Wir sind uns aber einig, daß auch Hypochondern, Einsame-und-sich-Scheiße-Fühlenden und Weltanschauungsinhabern angemessene medizinische Behandlung zusteht? Wir sind uns auch einig, daß das Arztgespräch eine vergleichsweise sehr günstige und für den Patienten nebenwirkungsfreie Droge ist? Na, dann frage ich Sie doppelt, warum the fuck die Zeit für’s Arztgespräch nicht besser bezahlt wird!? Oder sind Sie inzwischen unter die Pharmalobbyisten gegangen? Die Pharmabranche scheint mir nämlich die Einzige zu sein, die von mehr (bezahltem!) Arztgespräch und von sich gesünder fühlenden Patienten einen Nachteil hätte.

      Sie schreiben: „Kurz, ich weiß nicht, ob massenweise Patienten zu Homöopathen gehen. Es scheinen genug zu sein, um davon leben zu können. Auch wäre die Frage, wie wir “Homöopathen” definieren? Fallen darunter nur Menschen die nichts anderes anbieten? Oder zählen auch Menschen dazu, die Globuli ergänzend einsetzen? Ist es für diese Diskussion wichtig ob der Anbieter daran glaubt?

      Ich meinte und schrieb „Homöopathen und andere Behandler“, die von den Patienten selbst bezahlt werden – in ihrer Mehrheit praktizieren die mittels Heilpraktiker-Darf-Schein (und die werden auch nicht alle mit H4 aufstocken müssen, sondern beschäftigen laut Statistischem Bundesamt (s. folgendem Artikel) sogar im Durchschnitt 3,1 Angestellte).

      Zur Anzahl der Heilpraktiker in Deutschland fand ich diesen Artikel lesenswert, kurz gesagt: man weiß es nicht wirklich genau. In jedem Fall aber ist ein Anstieg kontinuierlich seit den 1970er Jahren zu verzeichnen. Interessant fand ich auch das folgende Detail (auch zur parallelen FC-Diskussion): „Manche Scienceblogsleser wissen es sicher: Das Heilpraktikergesetz aus dem Jahr 1939, das den Heilpraktikern die Grundlage zur selbständigen Ausübung der Heilkunde ohne Approbation gab, hatte die Frage nach der Zeitgemäßheit negativ beantwortet. Das Gesetz war darauf ausgerichtet, dass die Heilpraktiker im Laufe der Zeit verschwinden.“ Wenn’s stimmt, hat’s nun nicht so geklappt.

      Der verlinkte Artikel schreibt aus bayerischer Sicht, ich erlaube mir die Ergänzung, daß die Hauptstadt nicht nur die Hauptstadt, sondern auch die Heilpraktiker- und Unheilpraktiker-Hauptstadt ist – könnte die im Artikel angenommene geringe Heilpraktikerdichte in der Ex-DDR glatt aufwiegen. Ich wiederhole also meine Frage, was Leute – außer einer ihnen nicht angemessen erscheinenden ärztlichen Performance – dazu bringt, massenhaft zu Behandlern zu pilgern, deren Zeit und Mittel (darunter auch homöopathische) sie selbst bezahlen, obwohl sie krankenversichert sind?

      Ihr Argument „Als dritter, und wahrscheinlich wichtigster Grund hat man die Tatsache gefunden, dass die Therapien angeboten werden halte ich für Unsinn. Es ist genau andersrum: Heilpraktiker können in erwähnenswert großer und immer größer werdender Zahl wirtschaftlich überleben, weil es offensichtlich einen Bedarf für ihre Dienstleistungen gibt.
      Das regelt sozusagen „der Markt“ und zwar gleich doppelt: 1. gibt es Kranke, die 2. in der Normalmedizin keine Heilung/Linderung finden und 3. bereit sind, trotz Mitgliedschaft in einer Krankenversicherung selbst zu zahlen. Diesem „Markt“ sind kassenfinanzierte Ärzte wenigstens in Teilen enthoben – wobei ich es für eine extrem ungute Entwicklung halte, daß sich niedergelassene Ärzte zunehmend als wirtschaftliche Manager ihrer Praxen zu betätigen haben. Statt das zu tun, wozu sie ausgebildet wurden: lindern und heilen.

      Sie schreiben: „Ich möchte gerne den Vorwurf des Globulinehmer-Bashings ganz entschieden von mir weisen!

      Abgelehnt, Euer Ehren. Das schwingt immer mit und ist auch genau der Grund, warum ich mich von den Diskussionen Ihres umpteenthten Homöopathie-Bashing-Blogs so lange ferngehalten habe. Sie gerieren sich ebenso gläubig, bloß eben wissenschaftsgläubig.

      Ich möchte einen Teil von Anne Mohnens Kommentar nach hier transportieren und ihn unterstreichen, sie schreibt Ihnen beim Freitag:

      Der wievielte Beitrag zum Thema Homöopathie ist das nun aus Ihren Tasten? ;)
      Und hat das Gesundheitssystem nicht in Wirklichkeit ganz andere „Feinde“, hm? Bei einem Anteil der Homoöpathie im einstelligen Millionenbereich gegenüber 170 Milliarden € (Stand 2010?) Evidenz basierter Medizin, erscheint mir Ihre Alarmbereitschaft weniger als eine Donquichotterie. … Sorry, für jemand, der täglich mit auf Evidenz basierte Medizin zu tun hat, erscheinen Sie mir arg „gläubig“, wofür eben auch das ständige Bedienen dieses Nebenschauplatzes dienen mag.

      Ihre Antwort darauf „Und ich bin intellektuell einfach nicht zu mehr in der Lage als Homöopathiekritik“ geht noch nicht mal als Fishing for Compliments durch…;-)…

      Und jetzt Sie wieder, Grüße!

      (jetzt gehe ich auch Ihren link noch lesen, trotz Ihrer Pickelwarnung)

      1. Liebe DvW,
        mir ist, als ginge es Ihnen darum, mich ausrutschen zu sehen, aber ich mag mich auch täuschen.
        Ich war davon ausgegangen, die Forderung die Droge Arzt solle besser entlohnt werden, bezöge sich auf die somatischen Fächer. Denn Psychotherapeuten sind erstens nicht ausschließlich ÄrztInnen (vielleicht sogar eher in der Minderheit aber das weiß ich nicht genau) und zweitens ist der Zugang zu Psychotherapie bereits reguliert. Ohne einen Antrag an die Krankenkasse nach 5 Stunden und dessen Genehmigung, keine Psychotherapie.
        Bei meinen Einlassungen ging es mit darum, dass nicht immer die Qualität der Behandlung steigen muss, nur weil man mehr spricht. Und da Zeit genau wie Geld ein knappe Ressource ist, spreche ich mich dafür aus, die Droge Arzt sinnvoll einzusetzen. Das ist alles.

        Vielleicht haben Sie überlesen, dass die meisten Menschen die CAM nutzen auch zufrieden mit ihren Behandlern sind und damit das Gefühl haben, angemessen medizinisch behandelt zu werden. Wenn Sie so sehr ins Detail gehen wollen, nenne ich auch gern ein Beispiel, wo es schadet, dem Wunsch der Patienten nachzugeben: In den USA werden mittlerweile vermehrt Opitate verschrieben, wenn Patienten in Notaufnahmen kommen, auch wenn diese nicht indiziert sind. Die Kollegen machen das, weil ihr Gehalt unter anderem von den Online-Bewertungen der Patienten abhängt. Und die sind zufriedener, wenn sie bei Schmerzen Opiate bekommen anstatt Ibuprofen (oder auch mal nix). Nein, das heißt nicht, dass ich die Droge Arzt mit Opiaten vergleiche, schade dass ich den Eindruck habe, das deutlich zu machen. Das heißt, dass der Eindruck des Patienten, ob er eine gute Behandlung erhalten hat, nicht der einzige und ausschlaggebende Grund für das Handeln von ÄrztInnen sein kann. Und weil es so schön ist, noch ein Beispiel. In den USA hatte die FDA aufgrund vielversprechender Studienergebnisse ein Krebsmedikament für Brustkrebs verfrüht zugelassen, unter der Maßgabe, die frühen Ergebnisse zu überprüfen. Die späteren Ergebnisse hielten nicht das, was die früheren versprachen, woraufhin (man glaubt es kaum) die FDA die Zulassung zurückzog. Als das deutlich wurde, mobilisierte der Hersteller Frauen, die mit dem Medikament (und der Standardtherapie!) behandelt wurden und der Ansicht waren, dieses Medikament hätte ihr Leben gerettet. Diese Frauen forderten, das Medikament müsste allen zugänglich gemacht werden, weil es ihnen ja geholfen habe. Auch hier wurde die Behandlung gegen die Forderung von Patienten verändert.
        Wenn also die Homöopathie nicht die Belege bringt, die notwendig sind (und das tut sie nicht), dann gibt es keinen Grund, sie weiter im professionellen medizinischen Kontext anzubieten. Es gibt auch keinen Grund ihr ein Sonderrecht zugestehen (Binnenkonsens) auch nicht mit der Begründung, ÄrztInnen sprächen Zuwenig mit ihren Patienten.

        Sie haben mich gefragt, warum Menschen zu Alternativmedizinern gehen. Ich habe Ihnen die vorhandene Evidenz (oder einen Teil davon) präsentiert und sie waren nicht mit der Antwort einverstanden. Und sagen „aber trotzdem“, „glaube ich nicht“. Da müssen Sie schon mehr bieten. Einschränkend kann gesagt, werden, dass die Evidenz die ich kenne aus den USA stammt, die natürlich einen anderen „Gesundheitsmarkt“ hat.

        Frau Mohnen und ich sind uns einig darin, dass Homöopathie nicht über Placeboeffekte hinaus wirkt (zumindest habe ich sie so verstanden), uneinig sind wir uns in der Bewertung des Problems welches daraus resultiert.

        Und wenn Sie tatsächlich der Ansicht sind, ich würde Patienten dafür kritisieren, dass sie sich die Hilfe suchen, die sie als hilfreich empfinden, dann weiß ich nicht, ob diese Grundhaltung mir gegenüber zu diesem Thema eine weitere Diskussion rechtfertigt. Bitte nehmen Sie davon Abstand, mir Intentionen zu unterstellen, vor allem solche, die ich explizit von mir weise. Falls Sie ein (aktuelles) Zitat finden, welches aus ihrer Sicht auf diese Intention schließen lässt, dann bitte ich darum, damit ich es richtig stellen oder ändern kann. Ich kritisiere, die Methode und die Anbieter, polemisch, ausdauernd und leidenschaftlich, die Anwender nicht.

        Um das Thema „Glaube“ noch einmal aufzugreifen, würde mich interessieren, welches Beleges es bedürfte, in Ihnen ernsthafte Zweifel an einer spezifischen Wirkung der Homöopathie aufkommen zu lassen?

        Wie man im vorletzten Absatz lesen kann, etwas angefressen, möchte ich Sie trotzdem herzlich Grüßen, fühlen Sie sich aber bitte empört angesehen!

        1. mir ist, als ginge es Ihnen darum, mich ausrutschen zu sehen … Und wenn Sie tatsächlich der Ansicht sind, ich würde Patienten dafür kritisieren, dass sie sich die Hilfe suchen, die sie als hilfreich empfinden, dann weiß ich nicht, ob diese Grundhaltung mir gegenüber zu diesem Thema eine weitere Diskussion rechtfertigt.

          Nein, lieber merdeister – es ging mir nicht darum, Sie ausrutschen zu sehen.

          Und: bitte entschuldigen Sie, daß ich versucht hatte, die Diskussion mit Ihnen doch noch mal zu versuchen und zu diesem Zweck den Eindruck zu schildern, den ich aus Ihrem Homöopathiebashing über die Jahre gewonnen habe. Soll nicht wieder vorkommen. #empörtzurückguck

          1. Wie geschrieben, ich habe mich gefreut, dass Sie die Diskussion wieder aufgenommen haben. Ich habe mich nicht gefreut, dass Sie mir Intentionen zugeschrieben haben, die mir fremd sind.

            1. Ich wiederhole es gern, lieber merdie – ich habe Eindrücke geschildert, die ich aus Ihrem Homöopathiebashing über die Jahre gewonnen habe. Diskussion allein zum Zweck der Zustimmung zu Ihren Standpunkten wäre mir zu langweilig und erschiene mir sinnlos. Weswegen ich das Wiederanfangen einer Diskussion mit Ihnen über dieses Thema lieber gleich wieder aufhöre, nix für ungut.

    2. So, link gelesen, pickelfrei geblieben: zur Erörterung der Fürs und Widers der Behandlung von Kühen (denen man nun keine Homöopathie-Gläubigkeit unterstellen kann) mit homöopathischen Mitteln kennen Sie und ich eine Expertin: die Schachnerin. Die macht das erfolgreich und seit vielen Jahren – natürlich nicht nur, aber auch und zwar soviel wie möglich.

      Weil: Tiermediziner sind noch ein bißchen schneller mit z.B. Antibiotika bei der Hand als die Menschendoktoren, was die ohnehin unterbezahlten Milchbauern amtliches Geld kostet: 1. Tierarztrechnung, 2. Medikament, 3. Umsatzeinbuße, 4. Mehrarbeit.

      Die Milch einer Kuh, die z.B. Antibiotika bekommen hat, fällt nämlich eine ganze Weile flach, die Kuh muß außerdem von Hand gemolken werden (weil diese Milch nicht ins Normalsystem zwischen Stall und Milchküche darf, andernfalls hieße das Melkmaschine und Leitungen und Milchküche tiefenreinigen), die Milch muß extra entsorgt werden und das alles muß säuberlich dokumentiert werden.

      1. Ich würde dann erneut auf einen externen Text verweisen, hier nur ein kurzes Zitat:
        „Yet I need to answer the above question, of course. So I reiterate that the perceived effectiveness of homeopathy relies not just on the placebo-effect but also on phenomena such as regression towards the mean, natural history of the condition etc. I also usually mention that it is erroneous to assume that animals cannot benefit from placebo-effects; they can be conditioned, and pets can react to the expectations of their owners“

        1. merdie, mir wurde mal unterstellt, meine Kontrahenten in Aralseen aus links zu ersäufen. Sie machen das auch.

          Wie erklären Sie sich aber den mir unbekannten Hund, den ich mal angefahren, zuckend, und wild um sich beißend am Straßenrand fand und dem ich Rescuetropfen (ohne die mein Auto nicht fährt, die sind äußerst hilfreich, wenn mich mal wieder wer umzubringen versucht hat und ich aber noch 5 Stunden Autofahren muß) in den Hals träufelte.
          2 Minuten später war der so ruhig, daß ich ihn ins Auto laden und zum Tierarzt fahren konnte. Meine Heilpraktikerin erzählte von etwas ähnlichem mit Bachblüten und einer angefahrenen Wildsau. Ich habe Angst vor mir nicht bekannten Hunden, was Hunde immer merken und nicht leiden können und eine Wildsau fällt wohl kaum unter konditioniertes Haustier, das auf die Erwartungen ihres Halters reagiert. Auch die Milchkühe der Schachnerin sind keine Streichel- und Schoßtiere.

          Könnten wir uns vielleicht endlich darauf einigen (Vorschlag, den ich Ihnen schon öfter mal gemacht habe), daß die Wissenschaft die Wirkungen von homöopathischen Mitteln womöglich noch nicht nachweisen kann?

          Daß homöopathische Mittel auf mich wirken, steht für mich außer Frage. Außerdem nehme ich, wenn es nötig ist, auch allopathische Mittel. Ich bin also für Scharlatangläubigkeit ziemlich ungeeignet und mir hängt Wissenschaftsgläubigkeit fast ebenso aus dem Hals – insofern geht Ihre Mission doppelt an mir vorbei #lasttweet

          1. Liebe DvW,
            das Homöopathie auf Sie wirken, nehme ich Ihnen ab. Und, ob Sie es glauben oder nicht, ich will Ihnen das nicht einmal nehmen (selbst wenn ich die Fähgkeit dazu hätte).
            Für viele Menschen ist Homöopathie eine Möglichkeit, auch das schrieb ich, soweit ich mich erinnere, die Handhabbarkeit von Erkrankungen oder Symptomen zu erhöhen. Damit ergibt Sie aus Salutogenetischer Sicht durchaus Sinn für ein Individuum. Die erlebte Wirkung ist dabei so echt, wie die Wirkung von Ibuprofen. Das geht alles, ohne spezifische Wirkung, einzig durch Kontexteffekte. Wenn es anders wäre, wäre Homöopathie nicht so beliebt.
            Trotzdem denke ich, dass Homöopathie im professionellen medizinischen Kontext nichts verloren hat. Mehr Homöoapathie löst nicht die Ursache der Probleme im Gesundheitssystem. Die Beliebtheit der Homöopathie ist, wenn ich Sie richtig verstehe, ein Symptom dafür. Ich denke nicht, dass das ein Hauptgrund dafür ist, Forschung in dem Bereich weist ebenfalls in die Richtung. Ich habe übrigens, als echter Wissenschaftsgläubiger, meine Meinung in dieser Frage in den letzten zwei/drei Jahren angepasst. Vor zwei Jahren hätten wir beide hier noch einer Meinung seien können.

            Und es tut mir leid (leid tut es mir, weil ich mich wirklich nicht gerne mit Ihnen streite, nicht mal um hinterher ein wenig klüger zu sein) aber die Wirkung von Homöopathie wird nicht mehr nachgewiesen werden. Ich will das nicht nur behaupten sondern, auch wenn Sie nicht mehr antworten, versuchen, dass schlüssig zu begründen:
            In klinischen Studien lies sich zwar vereinzelt, eine Wirkung über Placebo nachweisen, doch je besser die Studie, desto kleiner der Effekt. In den „besten“ Studien ist die Wirkung dann weg. Werden die Studie systematisch gesammelt, ist kein Effekt über Placebo mehr zu sehen. Shang er al (2005) ist ein prominentes Beispiel. Die Metaanalysen wird zwar vom DZVhÄ kritisiert, eine reanalyse im eigenen Haus änderte aber am Ergebnis nichts. In GB, der Schweiz und Australien wurde von durch die Regierung eingesetzten Kommisionen Homöopathie für keine Erkrankung ein Nutzen über Placebo nachgewiesen. Und erst in den letzten Tagen wurde wieder ein systematische Analyse veröffentlicht, die bei 0 von 68 Erkrankungen keine spezifische Wirkung fand (sorry, ich kann gerade keine Links kopieren). Claudia Witt sagt ebenfalls, dass Homöopathie nicht über Placebo wirkt. Allerdings sieht sie klinisch dennoch einen Platz für Homöopathie (zumindest aktuell). Auch wenn man In Vitro Studien macht, sieht es nicht besser aus. Wenn jemand eine spezifische Wirkung nachweisen könnte, je, wenn nur jemand irgendwie die Unterschied zwischen Arnica C30 und Nux Vomica C30 nachweisen könnte, würden 1 000 000 Dollar auf ihn oder sie warten.
            Und auch innerhalb der Homöopathie gibt es so viele Ungereimtheiten die sich gegenseitig aussschließen. Rescue-Tropfen (die die ich kenne) sind Bachblüten. Das Prinzip der Bachblüten ist vollkommen anders als das der Homöopathie. Dabei handelt es sich um eine Art Signaturenlehre. Trotzdem wirkt beides gleich gut. Es ist deutlich plausibler, dass Sie beruhigend auf den Hund gewirkt haben, als die Rescue-Tropfen.
            Und wenn es keine Wirkung gibt, muss auch kein Wirkmechanismus nachgewiesen werden. Zumindest keiner über psychosomatische Effekte hinaus (das sind „echte“ Effekte).
            Ich glaube das letzte Mal über H. stritten wir beide vor 5 Jahren. Wenn wir bei diesem Rhythmus bleiben, bin ich gespannt wie unser Gespräch 2021 abläuft.

            Ihnen immer gewogen!
            merdeister

            1. Mehr Homöoapathie löst nicht die Ursache der Probleme im Gesundheitssystem.

              Es ist nicht Aufgabe der Kranken, die Probleme im Gesundheitssystem zu lösen. Aufgabe von Kranken ist, so gesund wie möglich zu werden.

              Neben der apathischen oder verschlimmbessernden Politik ist Gesundheitssystem-Problemlösung weit eher Aufgabe der im Gesundheitssystem Beschäftigten und selbstständig Arbeitenden.

              Insofern: bis 2021!
              Daß ich Ihnen gewogen bleibe, wissen Sie ja…;-)…

  5. Vielleicht interessiert Sie diese Fleißarbeit: Die Schein-Forscher: Jeder zehnte Arzt in Deutschland steht auf der Gehaltsliste der Pharmaindustrie

    Krebs ist eine Tragödie. Und ein glänzendes Geschäft.

    Die Antikorruptions-Organisation Transparency International hat schon vor Jahren gefordert, Anwendungs­beobachtungen zu verbieten. Weil sie „legalisierte Korruption“ seien, „eine Gefahr für Patientinnen und Patienten“. Doch passiert ist seither nichts. Die Schein-Studien erfreuen sich anhaltender Beliebtheit.

    – Allein im Jahr 2014 haben 16.952 Ärztinnen und Ärzte teilgenommen, darunter rund 12.000 niedergelassenem Arzt. Nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung entspricht das jedem zehnten Arzt mit Praxis, der auf diesem Weg Geld von der Pharmaindustrie erhalten hat.
    – Für jeden Patienten haben die Ärzte im Jahr 2014 im Schnitt 669 Euro Honorar erhalten. Betrachtet man den längeren Zeitraum 2009 bis 2014 beträgt das durchschnittliche Honorar pro Patient 474 Euro.
    – Im gesamten Zeitraum 2009 bis 2014 wurden Anwendungs­beobachtungen an 1,7 Millionen Patienten in Deutschland geplant.
    – Insgesamt verteilt die Pharmaindustrie auf diese Weise rund 100 Millionen Euro an Deutschlands Ärzte – pro Jahr.

    „Diese Studien sind wissenschaftlich wertlos“, sagt IQWiG-Chef Windeler. „Sie liefern uns keinerlei Informationen über den Nutzen und die Wirksamkeit eines Medikaments. Deshalb schauen wir sie uns auch nicht an.“

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