Schweigende Heilpraktiker

Posted on 7. August 2016 von

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Unter dem Text in dem ich Axel von Maltitz und seine Auskunftsfreude zu einem seiner ehemaligen Patienten kritisierte, hat sich eine kleine Diskussion entsponnen. Eine Kritik an meiner Kritik war, dass es auch Ärzte und Psychotherapeuten gibt, die von Patienten erzählen und mit deren Geschichten andere unterhalten. Diese Kritik ist berechtigt und doch geht sie am Kern vorbei. Es ist in der Regel (ich spreche hier nur von meinen Erfahrungen) nicht möglich, von den Geschichten Rückschlüsse auf ein Individuum zu ziehen (verboten ist es trotzdem). Wenn eine Person davon erfährt, kann sie juristische Schritte einleiten und die betreffende Person sanktionieren. Bis hin zum Entzug der Approbation.

Im Gegensatz dazu zeigt Herr von Maltitz wenig Einsehen, dass er vielleicht etwas falsch macht. Wir könnten ihm zugute halten, sich kurz nach dem Attentat in einer Ausnahmesituation befunden zu haben. Immerhin hat sich einer seiner Patienten suizidiert. Vielleicht hatte er wenig Erfahrung im Umgang mit Medien. Es wäre also möglich, dass ein selbst angeschlagener Therapeut von Journalisten überrascht wurde. In dem Fall hätte jedoch spätestens einige Tage später eine Stellungnahme des Bedauerns kommen müssen.

Bedauern würde Herr von Maltitz offenbar jedoch vor allem, nicht ausreichend Aufmerksamkeit aus dieser Situation zu schlagen. Auf der Website des Vereins Exilio werden TV-Interviews mit ihm verlinkt. Und auf einer lokalen Nachrichtenseite wurde erst heute ein neuer Text mit Videomaterial den Patienten betreffend veröffentlicht.

Gut, faule Eier gibt es in jedem Beruf. Erst kürzlich veröffentlichte der Spiegel eine Datenbank von ÄrztInnen, die Geld von Pharmaherstellern bekommen. Ist Herr Maltitz nur ein faules Ei oder ein Symptom für einen im Kern intransparenten Berufsstand: die Heilpraktiker?

Wäre ich ein Verband, der Heilpraktiker vertritt, hätte ich am nächsten Tag eine Pressemitteilung herausgegeben und mich von den Handlungen des Herrn Maltitz distanziert. Das wäre ein letzter Dienst an dem Patienten, dem offenbar niemand hatte helfen können. Doch auf den Websites der Verbände gibt es viel Pastellfarben aber keine Stellungnahmen. Der Fachverband Deutscher Heilpraktiker e. V. schweigt. Beim Verband Unabhängiger Heilpraktiker e. V. ist alles sanft und totenstill. Der Verband Deutscher Heilpraktiker e. V. kehrt nicht vor der eigenen Türe. Ruhe herrscht auch beim Verband Freier Psychotherapeuten, Heilpraktiker für Psychotherapie und Psychologischer Berater e.V.. Endlich, beim Berufsverband der Therapeuten für Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetz e.V. findet man… war nur ein Scherz. Kein Wort zu Ansbach und dem auskunftsbereiten Heilpraktiker. Und auch auf heilpraktiker.de konnte ich nichts finden.

Ich bin nur Blogger und habe meine begrenzten Möglichkeiten der Internetrecherche genutzt. Absence of evidence is not evidence of absence – aber ich konnte nicht finden, was meine Kritik entkräften würde. Heilpraktikerverbände reklamieren für ihre Mitglieder, Schweigepflicht zu haben. Sie sind jedoch nicht Willen, diese durch oder sich dafür einzusetzen. Einem plappernden Heilpraktiker stehen schweigende Berufsverbände gegenüber.

Update 01.09.2016:

Wer statt meinem juristisch auf Sand gebautem Rant noch etwas Substantielles über den politischen Angriff auf die ärztliche Schweigepflicht lesen will, sei an diesen Text von ed2murrow verwiesen.

Weiterlesen:
Missverständnis um vergiftete Heilpraktiker
Kompetenzbefreite Heilpraktikerinnen im Doppelpack
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Posted in: Pharmaconcern