„War On“ – Trumps schrille und stille Helfer

Nach der Leinwand erzählen Bildschirme die grossen Storys der heutigen Zeit

Bannons Filmographie ist unmissverständlich in der Sprache des Krieges gehalten: „In the Face of Evil: Reagan’s War in Word and Deed“, „Battle for America“ oder auch „The Undefeated“ (in Anspielung an den gleichnamigen Western von 1969, der zu Zeiten des Bürgerkriegs spielt) handeln nicht von Personen, sondern sind Heldenverehrungen. Klitterung und Vereinfachungen gehen Bannon dabei immer leichter von der Hand. In seinem bislang letzten veröffentlichten Streifen „The Torchbearer“ (etwa: der Fackelträger, 2016) erklärt der einfache Kumpel von nebenan, verkörpert von dem Duck-Dynasty-Patriarchen Phil Robertson, nahezu zweitausend Jahre Menschheitsgeschichte. Vom Untergang des römischen Reiches bis zur heutigen Schwäche der USA offenbare sich einzig der Abfall von Gott. Solange dieser gottlose Zustand nicht beseitigt sei, gebe es nur eine Sache zu tun, die richtig sei: Die Schwachen sterben zu lassen, damit die Starken leben können.

Dem Problem der Faktentreue ist Bannon mit einem geschickten Zug begegnet. Zusammen mit weiteren namentlich nicht genannten Personen gründete er 2012 in Florida das Government Accountability Institute (GAI). Die Mission der gemeinnützigen Organisation: „Vetternwirtschaft, Missbrauch von Steuergeldern und andere Formen von Regierungskorruption oder Amtspflichtverletzungen auszuforschen und zu veröffentlichen“. Während Bannon dort als Vorstandsvorsitzender fungiert, hat das Institut als Präsidenten und Aushängeschild den zur Mission kongenialen Mann.

Peter Schweizer ist nicht nur Republikaner durch und durch und seine Schreibkompetenz geadelt durch den Umstand, 2008-2009 beratender Redenschreiber im Weißen Haus gewesen zu sein; der damalige Mieter hieß George W. Bush. Sondern Schweizer hat eine Reihe von Schriften verfasst, die als Sachbücher gehandelt werden, u.a. Portraits der Familie Bush und von Ronald Reagan. Auch wenn ihm im Laufe der Zeit etliche sachliche Fehler unterlaufen sind und er an vielen Stellen Behauptungen zurücknehmen musste (die Plattform mediamatters hat einige zusammengestellt) – die dem Kosmos um Bannon kritisch gegenüber stehenden News von Bloomberg gestehen zu, dass die Vorwürfe des Instituts „gegen bedeutende Politiker faktenbasiert“ seien.

Hier ist der Grundstein für das Schlagwort des Wahlkämpfers Trump gelegt worden, dass Hillary Clinton korrupt sei und er sie im Falle seines Wahlsieges ins Gefängnis stecken würde. Im Mai 2015 veröffentlichte GAI Schweizers Buch „Clinton Cash“. Darin kommen die hohen Honorare zur Sprache, die die Clintons für Reden vor geschlossenem Publikum hielten. Und es wird von sehr hohen Spenden vor allem aus dem Ausland zugunsten der Clinton-Stiftung berichtet. Selbstredend machte Bannon als Produzent und Drehbuchautor daraus den gleichnamigen Film, der im Juli 2016 in den USA veröffentlicht wurde. Die Hauptrolle spielt als Kommentator-Ankläger Peter Schweizer selbst. Breitbart News kündigte am 23. Juli an, den Film auf der Plattform eine begrenzte Zeit lang kostenlos zur Verfügung zu stellen, um 4 Tage später den „Director’s Cut“ anzupreisen. Am 9. September wurde der Film für alle gratis zugänglich auf Breitbarts YouTube-Kanal hochgeladen.

Dass es sich in der Kernaussage um ein Machwerk der Suggestion handelt, erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Denn zu seinem Hauptvorwurf, Spenden hätten Entscheidungen von Hillary Clinton als Außenministerin beeinflusst und würden sie als spätere Präsidentin in Dankesschuld binden, kann Schweizer keine harten Fakten vorlegen. In der Sendung „Smerconish“ vom 11.6.2016 bei CNN räumte der Autor ein, dass er weder Bestechung noch Vorteilsannahme, aber auch keine direkte Rolle von Clinton bei Entscheidungen des Außenministeriums zu Gunsten von Spendern belegen könne. Der Verdacht alleine aber reiche aus, um Ermittlungen durch Bundesbehörden in Gang zu setzen. Das politische Kalkül: Spenden aus arabischen und damit in den Augen vieler US-Amerikaner despotisch-rückständiger Länder würden am Ruf der Demokratin Clinton als Verfechterin von Fortschritt und Frauenrechten nachhaltig kratzen.

Es geht nicht um Fakten, es geht um den Twist einer Story

Schon einmal hat das Rezept funktioniert. Am 20.10.2015 veröffentlichten GAI und Schweizer das schmale e-book „Bush Bucks: How Public Service and Corporations Helped Make Jeb Rich“, versehen mit einem Vorwort von Bannon. Darin wurde Jeb Bush, ehemaliger Gouverneur von Florida und Prätendent auf die Präsidentschaftskandidatur bei den Republikanern, nicht nur als typisches Beispiel des Washingtoner Establishments durch die Vernetzungen im Bush-Clan gezeichnet. Sondern seine geschäftlichen Erfolge nach der Amtszeit als Gouverneur wurde von Schweizer in der einfachen Frage konzentiert: „Wurden Regierungsmacht und öffentlicher Dienst zur persönlichen Bereicherung benutzt?“ Die Frage beantwortet Schweizer ebenso wenig konkret wie im Fall der Clintons.

Auch wenn der Umstand vielleicht nicht entscheidend war: Der zwar als etwas langweilig und streckenweise unbeholfen, aber ansonsten grundsolide wirkende Mann hatte trotz eines eigenen Wahlkampffonds von 150 Millionen USD über Nacht den Ruch der Korruptheit an sich kleben, den er nicht mehr loswurde. Im Februar, 4 Monate vor dem Nominierungskongress der Republikaner, gab Jeb Bush seine Ambitionen auf, ein ernst zu nehmender parteiinterner Gegenspieler von Trump war abgemeldet.

Die Linie hat sich auch gegenüber Clinton ausgezahlt. Aber dass Bannon schon frühzeitig zusätzlich auf Emotionen gesetzt hat, misst sich an dem häufig anzutreffenden Adjektiv „evil“, wenn es um die Kandidatin der Demokraten ging. Wo auch immer jemand das Wort verwendete, Breitbart News berichtete darüber. Einen besonderen Coup landete Bannon persönlich, als er vergangenen Mai im verlagseigenen Sender SiriusXM Herbert London interviewte. Darin bezeichnete der in konservativen Kreisen sehr geschätzte Hochschullehrer und Präsident des Think-Tanks London Center for Policy Research Hillary Clinton als „eine böse Kraft, eine Verkörperung des Bösen, die Probleme bereiten wird, unsere Verfassung überhaupt aufrecht erhalten zu können“.

Derartige disruptive Emotion zu wecken, die dann in öffentliche Forderungen übergehen, gegen Hillary Clinton Gewalt anzuwenden, ist das eigentliche Markenzeichen von Breitbart News. In einem kurzen Feature vom 17. August zeigte die Tageszeitung New York Daily News auf, dass in Sachen gerichteter Konfrontation Trump und die Plattform sich ergänzen. Bis in das Jahr 2014 lassen sich rassistische oder schwer sexistische Veröffentlichungen genauso nachweisen wie diejenigen, die die Opfer von Polizeigewalt als die eigentlich Schuldigen von Unruhen beschreiben. Dazu gehört der verschwörerische Ton, den Breitbart etwa im Mai 2015 verbreitete. Afro-Amerikaner „wütend zu halten“ sei „ein finsteres Komplott“ der Demokraten: „So zu tun, als seien sie nicht ihre Unterdrücker sondern ihre Retter, um sie anzuhalten, für die eigene Zerstörung zu wählen: big government und die Demokraten, die das kontrollieren“.

Was aber hält, mehr noch als eine politische Agenda eines Kandidaten, einen Laden zusammen, der in Bezug auf Geschlechter und Ethnien, Gamer- und Kinokultur, geschäftlicher oder politischer (Un)Ehrlichkeit selbst höchst aggressiv und widersprüchlich agiert, bis hinein im Kampf alle gegen alle in den eigenen Redaktionen?

12 Gedanken zu “„War On“ – Trumps schrille und stille Helfer

  1. Bloggerin Dame von Welt hat mich mit ihrem Beitrag „Mike Pence: ‚I was tea party before it was cool‘.“ auf Kopfzeiler aka Johannes Kuhn umgeleitet. Seine Gedanken zu einem „Breitbart in Deutschland“ sollten auch in Blogs ernst genommen werden: „Zustände, Probleme, Lösungen – Politik und politische Berichterstattung klingt einfach, aber es ist kompliziert. Man kann es wegabstrahieren oder zu stark anekdotisieren.“

    Zum Thema, warum Clinton entgegen ihrer Botschaft Frauen nicht erreicht hat, hat Eva Thöne bei SPON („Die ungerechte Gerechtigkeit“) einige sehr bedenkenswerte Gedanken angeboten. Sie zitiert ua. für die Zeit nach „Pussygate“: „Die Journalistin Tina Brown schreibt im ‚Guardian‘ dazu, diese ‚zwei Wochen mediales Hyperventilieren‘ hätten auf viele Frauen im Landesinneren den gegenteiligen Effekt gehabt – gerade weil ihnen Trumps Verhalten so vertraut war: ‚Das sind belastbare Frauen, die häufig zwei oder drei Jobs gleichzeitig haben, und für die flegelhafte Männer ein gelegentliches Berufsrisiko darstellen, keine existenzielle Bedrohung. Sie mögen ihre Augen gerollt haben angesichts Trumps ungebremster Rüdheit, aber kauften ihm trotzdem ab, dass er so gut wie kein anderer darin ist, Jobs zu schaffen. Und sie fragten sich, ob sein Verhalten tatsächlich schlimmer war,als das von Bill Clinton.‘

    Und das ist dann schon ein Stück mehr Tiefenanalyse als das in vielen anderen Publikationen anzutreffende „nichts entschuldige die Ignoranz und ja, auch nicht die fehlende Solidarität, die sich in diesem Ergebnis [der Trump-Wahl] zeigt“. Wer es auf diesem Level haben will, kann sich mit dem Blick nach München begnügen, als Mama Bavaria beim Starkbieranstich am Nockherberg 2016 die CSU-Politikerinnen reihenweise aufgespießt hat („Kellerpriemel“, „Hendl“). Barbara, die Stamm-Mutter aller CSUlerinnen war wegen des Mangels an weiblicher Solidarität ausnahmsweise richtig sauer: „„Wenn Frauen in der Politik sind, sollte man das nicht so handhaben wie heute“.

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