„War On“ – Trumps schrille und stille Helfer

Bild „der Frau“

Hillary Clinton in den gleichen Tönen wie Gamerinnen, Schauspielerinnen oder Journalistinnen anzugehen, hatte sich von Anfang an verboten. Mehr als einmal hatte die Kandidatin bewiesen, mit welch selbstverständlicher Lässigkeit sie mit derartigen Anwürfen umgeht. In dem berühmten Interview für das Fernseh-Magazin „60 Minutes“ von CBS-News, als es 1992 um die Affäre mit Gennifer Flowers ging, begnügte sich Hillary nicht mit der beistehenden Rolle der Ehefrau zu ihrem Mann Bill, dem damaligen Gouverneur von Arkansas. Ihre Kernsätze (ab Min. 09.38) : „Ich bin nicht die kleine Frau, die bei ihrem Mann sitzt […] Ich sitze hier […] für das, was wir gemeinsam erreicht haben. Wem das nicht genügt, was soll’s, dann wählt ihn nicht.“

Das war der Anfang der Legende vom interessensgeleiteten Bündnis „Clinton Inc.“. Es war vor allem der ungeheuer anmutende Ausbruch aus dem Althergebrachten, dass bei aller Selbständigkeit der Frau letztlich doch die Interessen des Mannes (Ruf, Beruf, Erfolg) überwiegen (sollen). „Dann wählt ihn nicht“ stellte eine selten in der amerikanischen Öffentlichkeit so klar ausgesprochene Distanz her, die bis in das Intime der Partnerschaft zwischen Mann und Frau reichte und den Riss quer durch das traditionelle Familienbild zu begründen vermochte.

Daran haben Bannon und seine Leute nicht nur mit Kriminalisierung und Dämonisierung der Person Hillary Clinton gearbeitet, ohne sie direkt als Frau angreifen zu müssen. Gerade in seiner Filmographie hat Bannon bewiesen, wie sehr ihn das Bild von der erfolgreichen, selbständigen Frau stört. Noch vor „The Undefeated“ hatte er 2010 mit „Fire from the Heartland“ einen Film aufgelegt als „the entire story of the conservative woman in her own words“. Die erfolgreichen republikanischen Figuren, die hier zu Wort kommen, sprechen nicht: Sie beklagen wütend. Worauf sich die Wut bezieht, bleibt nur im Ungefähren: Szenen der Überforderung, nicht eingelöste Versprechen, die Frustration, nicht genug ernst genommen zu werden. Eine der zentralen Hoffnungsbotschaften, die auch im Trailer aufscheint: „Mutterschaft ist ein politischer Akt. Punkt.“

Mit welchen Szenarien Bannon hantiert, wird anhand der Abhandlung deutlich, die Michelle Nickerson 2012 unter dem Titel „Mothers of Conservatism: Women and the Postwar Right“ veröffentlicht hat. Basierend auf ihrem bereits 2003 erschienen Essay „Women, Domesticity, and Postwar Conservatism“ (OAH Magazine of History, Band 17, Nr. 2, Januar 2003) zieht die Politologin den großen Bruch nach, den der Zweite Weltkrieg bewirkt hatte.

Während die Männer in den Krieg zogen, nahmen ihre Frauen deren Plätze in Büros und Fabriken ein. Sie lernten vielfach zum ersten Mal eine neue, urbane Welt kennen, die sich fundamental von den geordneten Verhältnissen der von Weißen bewohnten kleinbürgerlichen Vorstädte unterschied. Frisch gewecktes politisches und Selbstbewusstsein wurde in großen Teilen wieder erschüttert, als mit der Rückkehr von der Front die Männer ganz selbstverständlich wieder ihre angestammten Plätze zurückforderten. Sich dem entgegenzustellen hätte den vitalen Konflikt in Ehe und Familie bedeutet. Die Aufmerksamkeit auf außen stehende Elemente zu lenken war daher ein willkommenes Mittel, auch um den Ursachen der eigenen Frustration nicht nachgehen zu müssen. Kommunisten, staatliche Gesundheitsprogramme wie Impfungen oder Fluoridierung von Wasser kondensierten sich in Flugschriften wie dem nachstehenden.

https://en.wikipedia.org/wiki/File:Unholy_three.png https://en.wikipedia.org/wiki/McCarthyism

Auch wenn die Arbeit in Deutschland nicht sehr gnädig aufgenommen wurde (die damaligen „waren eben nur weibliche Konservative“, meinte eine Rezensentin): Die ihrerzeit noch „invisible women“ (Nickerson) sind auf den Bildschirmen des Stephen K. Bannon hervorgehoben und popularisiert, hoch motiviert und angriffslustig. Ihre Einbettung ist die Zerrissenheit in einer Welt, die laut Bannons Narrativ mit der großen Rezession ab 2005 wirksam wurde. Er vergleicht sie mit der großen Depression, die die USA in den 1930er Jahren traf. Dieser kämpfenden Frau würde es aber in der Erzählung nicht einfallen, damit zu drohen, den eigenen Mann im Regen stehen zu lassen, wie es Hillary Clinton getan hat. Tatsächlich sind das, wenn es um männliche Gegner geht, stets Personen des anderen politischen Lagers.

Die Verantwortung der Krisen im kapitalistischen System auch nur anzudeuten, fällt Bannon dabei nicht im Traum ein. Auch Clinton hat das ebenfalls nicht thematisiert. Aber mit ihrer Vorstellung von den weiblichen Chancen -ein Kontinuum ihres Wahlkampfs- hat sie eben auch nicht die Frauen erreicht, die in dem von Bannon sichtbar gemachten Frauenbild ihre Entsprechung gefunden haben. Sie sind Teil jener 53% weißer Wählerinnen, die Donald Trump zum Erfolg verholfen haben.

Jede(r) am jeweiligen Platz

Die hergebrachte orthodoxe, in einem religiösen Sinn sogar „natürliche“ Ordnung (wieder) herzustellen, ist für den Katholiken Bannon das erkennbare Leitmotiv. Rassistische, sexistische bis misogyne, klassistische Ausfälle, die derzeit Kommentatoren als rechtsextrem und faschistisch bezeichnen, ist der autoritär drohende Ton, mit der jener „konsistente, unveränderliche und absolute Maßstab“ sich behaupten will. Jede(r) soll (wieder) wissen, wo sein/ihr Platz in der Gesellschaft ist. Es ist dies die Sprache eines tiefgreifenden Bürgerkonflikts.

Dabei bilden Filme statt einst Grundlagenschriften, Bücher oder Pamphlete das Rüstzeug, auf dem Breitbart News tagtäglich aufbauen. Diese wiederum werden in Inhalt und Ton in den sog. Social Media weiterverbreitet. Mark Zuckerberg u.a. dafür verantwortlich zu machen, ist so irreführend wie der in Deutschland zu trauriger Berühmtheit gelangte Spruch eines ehemaligen Radiomoderators, er wisse, „wer Propaganda erfunden“ habe. Bildschirme sind heute so geduldig wie Papier es einmal war.

Weit interessanter ist die Frage nach den Geldgebern von Bannon & Co. Keiner seiner Filme der letzten Jahre war ein Kassenerfolg, sondern Zuschussgeschäft. Auch Breitbart News hat Fragen aufkommen lassen. Zwar verzichten die Plattform und ihre Satelliten auf jede Form von Gedrucktem. Die Kosten für Information sind damit gegenüber papiergestützten Medien um die Hälfte gesenkt. Auch TV-Kanäle mit ihrer aufwändigen und kostenintensiven Technik -vom Personal ganz zu schweigen- spart sich Bannon derzeit noch. Gleichwohl ist seit vergangenem Herbst Thema, wie Breitbart zumindest kostendeckend arbeiten kann, wenn online-Klickzahlen bestenfalls für die geschätzte Hälfte der Einnahmenseite im Budget reichen. Hierzu sind bislang keine Angaben gemacht worden.

Bloomberg News haben sich damit näher beschäftigt und eine zentrale Figur ausgemacht: Robert Mercer. Der Co-CEO des äußert lukrativen und nur für eine handverlesene Klientel zugänglichen Hedgefonds „Renaissance Technologies“ legt größten Wert auf Reserviertheit. Obwohl sein Vermögen sagenhaft sein soll, scheint er nur mit seinem Jahresverdienst als Manager, aber nicht mit seinem Vermögen in den Forbes-Listen auf. Dafür ist er äußerst spendabel und zwar gegen den Strom innerhalb der republikanischen Partei. Zunächst ein entschiedener Unterstützer von Ted Cruz (Senator für Texas), leitete er als einer von Wenigen seine Gelder auf Donald Trump auch nach dessen „Pussygate“ um. Und er ist, folgt man den Erkenntnissen von Zachary Mider bei Bloomberg, einer der Hauptsponsoren von Bannon.

Den unwidersprochenen Recherchen zufolge sprang Mercer persönlich und vermittels der Familienstiftung, die von seiner Tochter Rebekah gehalten wird, Breitbart News in der Umbruchphase 2011 mit 10 Millionen USD bei. Rebekah Mercier wird zwar als Gründungsmitglied nicht genannt, aber sie saß mindestens bis 2014 im Board of Directors von Bannons GAI. Sie ist Exekutive Producer des Films „Clinton Cash“ gewesen. Auch die internationale Vorstellung und Vermarktung dieses und des Streifens „The Torchbearer“ haben mit Robert Mercer zu tun: Bei den diesjährigen Filmfestspielen machte dessen Superyacht „Sea Owl“ in Nizza fest, ihre luxuriösen Decks waren die Präsentationsbühne. Sie ist nicht zu vermieten.

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12 Gedanken zu “„War On“ – Trumps schrille und stille Helfer

  1. Bloggerin Dame von Welt hat mich mit ihrem Beitrag „Mike Pence: ‚I was tea party before it was cool‘.“ auf Kopfzeiler aka Johannes Kuhn umgeleitet. Seine Gedanken zu einem „Breitbart in Deutschland“ sollten auch in Blogs ernst genommen werden: „Zustände, Probleme, Lösungen – Politik und politische Berichterstattung klingt einfach, aber es ist kompliziert. Man kann es wegabstrahieren oder zu stark anekdotisieren.“

    Zum Thema, warum Clinton entgegen ihrer Botschaft Frauen nicht erreicht hat, hat Eva Thöne bei SPON („Die ungerechte Gerechtigkeit“) einige sehr bedenkenswerte Gedanken angeboten. Sie zitiert ua. für die Zeit nach „Pussygate“: „Die Journalistin Tina Brown schreibt im ‚Guardian‘ dazu, diese ‚zwei Wochen mediales Hyperventilieren‘ hätten auf viele Frauen im Landesinneren den gegenteiligen Effekt gehabt – gerade weil ihnen Trumps Verhalten so vertraut war: ‚Das sind belastbare Frauen, die häufig zwei oder drei Jobs gleichzeitig haben, und für die flegelhafte Männer ein gelegentliches Berufsrisiko darstellen, keine existenzielle Bedrohung. Sie mögen ihre Augen gerollt haben angesichts Trumps ungebremster Rüdheit, aber kauften ihm trotzdem ab, dass er so gut wie kein anderer darin ist, Jobs zu schaffen. Und sie fragten sich, ob sein Verhalten tatsächlich schlimmer war,als das von Bill Clinton.‘

    Und das ist dann schon ein Stück mehr Tiefenanalyse als das in vielen anderen Publikationen anzutreffende „nichts entschuldige die Ignoranz und ja, auch nicht die fehlende Solidarität, die sich in diesem Ergebnis [der Trump-Wahl] zeigt“. Wer es auf diesem Level haben will, kann sich mit dem Blick nach München begnügen, als Mama Bavaria beim Starkbieranstich am Nockherberg 2016 die CSU-Politikerinnen reihenweise aufgespießt hat („Kellerpriemel“, „Hendl“). Barbara, die Stamm-Mutter aller CSUlerinnen war wegen des Mangels an weiblicher Solidarität ausnahmsweise richtig sauer: „„Wenn Frauen in der Politik sind, sollte man das nicht so handhaben wie heute“.

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