„War On“ – Trumps schrille und stille Helfer

Expansionspläne und die Sache mit dem exklusiven Club

Noch sind Mercer oder seine Stiftung so wenig konturiert wie der Rest der Geldgeber von Breitbart. Auffällig jedenfalls ist, dass die Plattform und britische Tabloid-Formate wie die Daily Mail (Verlagsvorsitzender: Jonathan Harmsworth, 4th Viscount Rothermere) sich über den Atlantik hinweg die Bälle zuwerfen. Das war deutlich am Beispiel von Michelle Fields zu sehen wie umgekehrt am Film „The Torchbearer“: Ihm widmete das Schlagzeilenblatt eine ungewöhnlich lange, gründliche und vor allem unkritische Besprechung. Das Personal zu seiner „Tech“-Sparte hat Breitbart ganz überwiegend aus Großbritannien rekrutiert, allen voran „Nero“ Yiannopoulos, der seine ersten Gehversuche beim The Telegraph unternommen hatte.

Nicht zuletzt Bannons bekannte europäische Vernetzung seit der Zeit mit Société Général hat zur logischen Konsequenz, sein Format auch auf den alten Kontinent ausdehnen zu wollen. Extremer Sprech, frei Haus geliefert, ist bereits ein Teil der Erfolgsgeschichte von Brexit. Aber im Gegensatz zum anglophonen Raum, der online immer noch ein schwergewichtiges publizistisches online-Gegengewicht bereit hält, ist derlei in den meisten anderen Ländern hinter Pay-Walls verschwunden. El Paìs, Le Monde, La Repubblica, die Zeit, Süddeutsche Zeitung, um nur einige zu nennen: Sie sind bis auf ein kostenloses Gerippe zur Beliebigkeit geschrumpft. Das heutige online-Angebot etwa des Spiegel unterhalb vom kostenpflichtigen Teil ist eine überwiegende Mischung aus Sport, gehübschter Agenturmeldung und Sex & Crime, der gelegentlich die Perle einer Kolumne beigemischt wird. Leichtes Spiel für Plattformen, die jeden Tag mindestens 20 neue redaktionelle Beiträge aufmachen und damit wie ein Magnet im Netz wirken. Hier wäre als Entgegnung, statt mit Modellen wie mit blendle „all you can buy“ zu werben, eher an ein friendly „all you can share“ zu verlangen: Ein News-Desk, das weder den eigenen verlegerischen Tellerrand noch eine Grundversorgung mit Tratsch zum Maßstab hat, sondern zur Verfügung stellt, was politisch wichtig ist und wird.

Dass Bannon keine Zeit haben wird, wenn er tatsächlich höhere politische und strategische Weihen erfährt, wäre ein falsche Erwartung. Alle Ideologie und alle politische Message findet bei dem Mann ein Ende, wo es um seine Pläne und Loyalitäten geht. Breitbarts Artikel, in dem Ben Shapiro hinterher getreten wurde, ist weniger wegen des Tonfalls offline genommen worden als vielmehr wegen des Schlaglichts, das er auf den Geist bei Bannons Mannschaft wirft: Shapiro habe billigen Verrat begangen an „Andrew Breitbart’s lifelong best friend, widow, hand-picked management team and friends“. Danach war Shapiro „der Jude“.

Stephen K. Bannon befindet sich seit Jahren im Krieg mit der Gesellschaft. Und er folgt dem englischen Wort „All is Fair in Love and War“. Noch sind er und der Kreis der Handverlesenen nur Helfer gewesen. MS

Titelbild Screenshot Breitbart 2016/11/12 (c) Marian Schraube; crosspost zu freitag.de

12 Gedanken zu “„War On“ – Trumps schrille und stille Helfer

  1. Bloggerin Dame von Welt hat mich mit ihrem Beitrag „Mike Pence: ‚I was tea party before it was cool‘.“ auf Kopfzeiler aka Johannes Kuhn umgeleitet. Seine Gedanken zu einem „Breitbart in Deutschland“ sollten auch in Blogs ernst genommen werden: „Zustände, Probleme, Lösungen – Politik und politische Berichterstattung klingt einfach, aber es ist kompliziert. Man kann es wegabstrahieren oder zu stark anekdotisieren.“

    Zum Thema, warum Clinton entgegen ihrer Botschaft Frauen nicht erreicht hat, hat Eva Thöne bei SPON („Die ungerechte Gerechtigkeit“) einige sehr bedenkenswerte Gedanken angeboten. Sie zitiert ua. für die Zeit nach „Pussygate“: „Die Journalistin Tina Brown schreibt im ‚Guardian‘ dazu, diese ‚zwei Wochen mediales Hyperventilieren‘ hätten auf viele Frauen im Landesinneren den gegenteiligen Effekt gehabt – gerade weil ihnen Trumps Verhalten so vertraut war: ‚Das sind belastbare Frauen, die häufig zwei oder drei Jobs gleichzeitig haben, und für die flegelhafte Männer ein gelegentliches Berufsrisiko darstellen, keine existenzielle Bedrohung. Sie mögen ihre Augen gerollt haben angesichts Trumps ungebremster Rüdheit, aber kauften ihm trotzdem ab, dass er so gut wie kein anderer darin ist, Jobs zu schaffen. Und sie fragten sich, ob sein Verhalten tatsächlich schlimmer war,als das von Bill Clinton.‘

    Und das ist dann schon ein Stück mehr Tiefenanalyse als das in vielen anderen Publikationen anzutreffende „nichts entschuldige die Ignoranz und ja, auch nicht die fehlende Solidarität, die sich in diesem Ergebnis [der Trump-Wahl] zeigt“. Wer es auf diesem Level haben will, kann sich mit dem Blick nach München begnügen, als Mama Bavaria beim Starkbieranstich am Nockherberg 2016 die CSU-Politikerinnen reihenweise aufgespießt hat („Kellerpriemel“, „Hendl“). Barbara, die Stamm-Mutter aller CSUlerinnen war wegen des Mangels an weiblicher Solidarität ausnahmsweise richtig sauer: „„Wenn Frauen in der Politik sind, sollte man das nicht so handhaben wie heute“.

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