Weltweites Artensterben 02

Von Giraffen, Mangos und Purpurschnecken

Ende Oktober hatte ich zu der WWF-Studie „Planet am Limit“ verlinkt, einer der Gründe, warum ich mich entschieden habe, diesen Blog zu eröffnen.

Für Paul Jepson und Richard Ladle war das Papier Anlass, sich unter dem Titel „Six different ways to think about ‚extinction'“  mit dem auseinanderzusetzen, was Aussterben bedeutet. Netzpiloten.de haben den Artikel ins Deutsche übertragen („Sechs Möglichkeiten, das Aussterben zu betrachten“). Jepson/Landle: „Die ‚Sterbeuhr‘ für bedrohte Tierarten präsentiert das Aussterben einer Art als eine Routine und ein unpersönliches Ereignis, das alle 20 Minuten geschieht. Warum sollte ein Aussterben berichtenswert sein, wenn es jährlich mehr als 26.000 Fälle gibt?“ Die Antwort ist der beachtlichen Arbeit nachzulesen.

Weswegen es auch nicht überflüssig ist, auf die in der Weltpresse verbreitete Meldung hinzuweisen, wonach die Giraffe vom Aussterben bedroht ist (z.B. Spiegel, the Guardian). Das geht aus einem Bericht vom 8.12.2016 der Weltnaturschutzunion IUCN hervor, die die sogenannte Rote Liste der bedrohten Arten führt. In demselben Bericht wird darauf hingewiesen, dass ebenfalls bedroht sind: 11 Prozent von 742 neu entdeckten Vogelarten, vier Mango-Arten, eine Spargelart, eine Sonnenblumenart, die Bedrohung der Unterwasserfauna des Viktoriasees.

Vier Tage vorher hat IUCN einen Bericht veröffentlicht, wonach das Artensterben im Mittelmeer unvermindert weitergeht. Mehr als die Hälfte der dortigen Haien-, Rochen- und Chimärenarten (Seekatzen) sind von der Ausrottung bedroht. Der vollständige Bericht ist hier online (pdf, 4,70 MB, via iucn.org, englisch).

Je kleiner und unscheinbarer die Arten sind, desto weniger erregen sie die ohnehin begrenzte Aufmerksamkeit, was die Ausrottung der Tier- und Pflanzenwelt angeht. Gil Rilov vom israelischen Zentrum für ozeanographische und limnologische Forschung wurde am 17.11. bei nature.com mit seiner Forschung veröffentlicht: „Multi-species collapses at the warm edge of a warming sea“ (Zusammenfassung bei the Guardian) . Wieder ist das Mittelmeer gemeint, und diesmal sind es vor allem Weichtiere. Von dem starken Anstieg der Wassertemperatur sind Purpurschnecken besonders betroffen, womit nicht nur eine Art im südöstlichen Mittelmeer verschwunden ist, sondern mit ihr ein uraltes Handels- und Kulturgut: Der Rohstoff für das Purpur, das bereits bei den Phöniziern bekannt und begehrt war.

[Beitragsbild: Soebe, Tote Fische in einem Zulauf der Ostsee, 19.12.2004, Hinweise zur Weiternutzung unter CC BY-SA 3.0]
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