Klimaleugner, Ölbohrer, Umweltverächter

USA – Das Schattenkabinett von Donald Trump ist in Sachen Klima- und Umweltschutz ein personifizierter Albtraum

Noch muss er den Amtseid leisten, dann die Kandidaten seines Kabinetts dem US-Senat zur Bestätigung vorstellen. Aber geht es nach Donald Trump, dürfte die von ihm zusammen gestellte Mannschaft in Sachen Umwelt- und Klimaschutz die rückschrittlichste überhaupt sein, die Washington je gesehen hat.

Der für das Amt des Vizepräsidenten vorgesehene Mike Pence propagiert das sektiererische Credo des „Intelligent Design“ genauso wie er geleugnet hat, dass die Klimaerwärmung mit menschliche Aktivität zu tun habe. Auch wenn seine Töne mittlerweile moderater geworden sind: Als Abgeordneter im Kongress (2001-2013) und als Gouverneur von Indiana (seit 2013) hat er sich für Kohlekraft stark gemacht und „mehrfach gegen Regeln und Finanzierungen für mehr Energieeffizienz und erneuerbare Energie gestimmt“.

Wird er Außenminister, ist Rex Tillerson das besonders brillante Beispiel, dass der Drehtüreffekt des Lobbyismus auch in umgekehrter Richtung funktioniert. Bis 31.12.2016 Präsident und Geschäftsführer des Erdölkonzerns ExxonMobil (Umsatz 2015: 268,88 Mrd. USD) wird er dem Handel und der Vernetzung rund um fossile Brennstoffe neuen Schwung verleihen. Das wird er als Erfolg preisen so wie es unter seiner Präsidentschaft bei Exxon seit 2006 kontinuierlich Millionenzahlungen an klimaleugnende Gruppen und Politiker gegeben hat. Staatsanwälte, die der Frage nachgehen, ob Exxon eigene Erkenntnisse zum Klimawandel böswillig zurückgehalten haben könnte, überzieht der Ölgigant seinerseits mit Klagen.

Als Innenminister würde der jetzige Abgeordnete aus Montana, Ryan Zinke, eine besondere Liebe mitbringen: Das Bohren nach Öl und Gas auf Land, das dem Bund gehört. Zinke ist einer, der sich umgekehrt entwickelt hat. Bevor er in den Kongress gewählt wurde, hielt er Gesetzgebungen zugunsten erneuerbarer Energien und gegen den Klimawandel für besonders vordringlich. Danach bezeichnete er den Klimawandel „zwar nicht als Hoax, aber auch nicht als wissenschaftlich begründet“.

Das Justizministerium geriete unter die Leitung eines Mannes, der nicht nur für seine rassistischen und fremdenfeindlichen Ausfälle berüchtigt ist. Jeff Sessions ist ein klarer Klimaleugner, der während seiner Zeit im Senat seit 1996 keine Gelegenheit versäumt hat, sich gegen Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu positionieren und entsprechend zu stimmen. Dass der wissenschaftliche Berater von Präsident Barack Obama, der Physiker John Holdren, einen Zusammenhang zwischen der Klimaänderung und der zunehmenden Trockenheit in den USA herstellte, bezeichnete Sessions als schiere „politische Agenda“ und präsentierte das eigene Gestammel stolz als „Streit“ per Video.

Wenn es eine echte Schnittstelle zwischen den Problemen der USA gibt, dann zwischen deren Hunger nach Energie und der nun wieder vollständig rücksichtslosen Ausbeutung der natürlichen Ressourcen. Dafür würde Rick Perry im Energieministerium sorgen. Nicht nur, dass er verschiedentlich betont hat, den Beritt überhaupt abzuschaffen: Perry bezeichnet sich selbst ausdrücklich als Klimaskeptiker. Temperauren seien über Jahrtausende rauf und runter gegangen, und es sei es nicht Wert, die US-Wirtschaft für „eine Wissenschaft zu gefährden, die nicht gefestigt“ sei.

Die wohl spektakulärste Besetzung aber dürfte die an der Spitze der Environmental Protection Agency (EPA) sein. Scott Pruitt wäre zwar kein Minister, aber als Chef der bundesstaatlichen Umweltbehörde dem Rang nach einem solchen gleichgestellt. Und sein Wort hat außerordentliches Gewicht, nachdem Umweltfragen speziell in der Obama-Administration immer mehr zentralisiert worden sind und damit alleine schon aus Gründen des Föderalismus‘ argwöhnisch beäugt werden. In der Hinsicht ist Pruitt ein Mann fürs Grobe. Nicht nur, dass der gelernte Jurist die EPA mehrfach wegen angeblicher Kompetenzüberschreitung verklagt hat. Sondern Pruitt sieht in der Behörde einen Hort von Aktivisten und Rechtsbrechern. Kein Zweifel, dass dem ohnehin papierenen Tiger EPA noch mehr Zähne gezogen würden, käme dieser Klimaleugner (New York Times) dahin, wo The Donald ihn haben will.

Relativ einfache naturwissenschaftliche Zusammenhänge, das hat das Jahr 2016 gezeigt, werden zunehmend wieder in Frage gestellt, nicht nur von dem President-wanna-be, aber hauptsächlich. Das Magazin Mother Jones hat ein paar Beispiele zusammengestellt, die sich als Wurf zurück in die Steinzeit lesen.

Sind wir hier in Deutschland davor gefeit? Ganz bestimmt nicht, dafür will die AfD sorgen.

(der Beitrag ist mit Material u.a. von „The dirty deplorables: Who’s who on Trump’s team“ bei grist.org erstellt; eine komplette Liste des bisherigen Schattenkabinetts von Donald Trump findet sich bei Wikipedia;
Beitragsbild: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:The_first_oil_district_in_Los_Angeles,_Toluca_Street,_ca.1895-1901_(CHS-3686).jpg, gemeinfrei)
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2 Gedanken zu “Klimaleugner, Ölbohrer, Umweltverächter

  1. Wissenschaftler in den USA bringen schon ihre Forschungsergebnisse in Sicherheit und spiegeln diese auf ausländischen Servern. Heftige Vögel diese Leute um Trump. Von Sklaven erbaut das weiße Haus, aus dem sie nun gegen alles „unweiße“ hetzen . Widerlich.

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