Marcus Franz, Sein K(r)ampf

Arzt und Abgeordneter im Österreichischen Parlament, hat er für Einige keine sehr originellen Kuren

Der Abgeordnete zum österreichischen Nationalrat Marcus Franz hat offenkundig viel Zeit. Anscheinend nur im Nebenberuf Arzt (wieso hätte er sonst so viel Muße?), unterhält er die für Politiker und Mandatare üblichen Social-Media-Accounts (u.a. FB, Twitter), einen Blog fürs Politische, zwei Netzpräsenzen fürs mutmaßlich Nebenberufliche (hier und hier) und einen auf der Blogplattform Fisch + Fleisch. Das reicht Herrn Franz nicht, er hat kürzlich bei f+f gleich noch ein Account nachgeschoben: „Der Nationalrat“.

Über Franzens Arbeit im Parlament erfährt dabei das Publikum nur sehr wenig bis gar nichts. Nur an einer Stelle soll er dort wirklich aufgefallen sein: Als er an alle anderen Kolleginnen und Kollegen im Nationalrat eine Mail versandte, in der er seinen Blog bewarb. Das ist insgesamt unbefriedigend. Schön wäre es, zu wissen, womit der Abgeordnete seine monatlichen Bezüge von mindestens 8.686,30 Euro zuzüglich Aufwandsentschädigung, diversen Vergünstigungen für Öffis u.a. sowie öffentlich bezahlte Mitarbeiter rechtfertigt. Und ein paar Worte zu seiner Haltung zu Österreichs Gesetzen, sozialen Verwerfungen, Energiefragen wären nicht völlig verkehrt. Seinen Sitz im Parlament hat er über die Liste des Team Stronach geschafft, aus deren Fraktion er aber schon nach eineinhalb Jahren wieder ausschied. Auch bei der ÖVP hat es ihn nicht lange gehalten, genau 6 Monate. Er ist derzeit fraktionslos.

Wofür der Mandatar steht, wissen wir also nicht. Dafür haben wir in den vergangenen Wochen und Monaten sehr viel von Franzens Menschenbild erfahren. Und das ist, um es zunächst vorsichtig auszudrücken, unausgewogen.

Die von mir in einem Vorgängerbeitrag genannten David Berger und Jürgen Fritz („Deutschlands Totalitäre träumen von der ‚Psychiatrie'“) haben nämlich in dem Herrn Abgeordneten Doktor sozusagen ihren fachkundigen weil ärztlichen Mitstreiter. Direkt auf seine Unterlagen schreibt er:

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Wer meint, das sei bloß so ein Politiksager unter vielen, hier ein kleiner Auszug der auf 140 Zeichen geschmolzenen Auffassung des im Nebenberuf Prim.em.Dr. Franz:

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Vor einigen Tagen gab es zum ersten Mal im Deutschen Bundestag am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus eine besondere Würdigung für die Opfer des sog. Euthanasieprogrammes. „Lebensunwerte“ mussten erst definiert und dann dazu gemacht werden. Dabei half der Jargon, dessen sich die Nationalsozialisten bedienten. Ein kleines Beispiel liefert das Portrait des Psychiaters Johannes H. Schultz (der Spiegel, 26/1994), um zu verdeutlichen: „Die Barbarei der Sprache ist die Barbarei des Geistes“. Mit Worten wird der Gegner erst klein gemacht, dann entwürdigt, dann entmündigt, schließlich wird er umgebracht. Das gilt auch und erst recht für Angehörige von Heilberufen, die in „Irrenhäusern“ die Aktionen „T4“ oder „14f13“ durchführten.

Was also soll man von einem Arzt halten, der Menschen an „Psychiater überweisen“ will, obwohl gerade sie als Antirassisten das im Kern bekämpfen, was das Nazi-Regime ausgemacht hat: Rassismus, Antisemitismus, Menschenverachtung.

Mein Kampf 2.0, Version Dr. Marcus Franz

Dr. Franz ist ziemlich zügig auf dem Weg. Denn der Andersdenkende ist bei ihm nicht mehr nur der Gegner, er ist bei ihm in wenigen Wochen zum „Feind“ geworden. Um den zu beschreiben hat der wackere Abgeordnete Arzt den „Kulturmarxismus“ für sich entdeckt. Der sei „eine Infektionskrankheit“, „degeneriert“ und sei „natürlich nachhaltig schädigend und stellt für jeden Organismus, der ein Volk und eine Nation ja immer ist, eine lebensbedrohliche Gefahr dar“. An anderer Stelle („Der wahre Feind ist der Innere“) heißt es, er sei verantwortlich für „die unablässige Schwächung der Nationen“, habe „sich längst mit den Finanzkapitalisten ins Bett gelegt, um dort ihre wilde Ehe auszuleben und ihre missratenen Kinder zu zeugen“. Alles da, bis hin zu Erbkrankheiten. Und weil „die Nation ein Organismus“ sei und der „seine speziellen Apparate“ habe, mit deren Hilfe „auch die Freund-Feind-Erkennung stattfindet“, werde es eine „Antwort des Immunsystems“ geben. Noch teilt uns Herr Franz nicht mit, wie da seine konkreten Vorstellung lauten. Sicher ist das nur noch eine Frage der Zeit.

Dass die ganze Fabrikation schlicht eine Umformulierung von Adolf Hitlers „Mein Kampf“ ist und zwar u.a. zum Untertitel „Marxismus als Zerstörer der Kultur“ (851.-855. Auflage, 1943, S.69 f.), erschließt sich nur denen, die beide Machwerke gelesen haben: Die des GröFaZ und die des furchtbaren Arztes. Das kostet Zeit und Überwindung. Denn beides ist Ausdruck einer unerträglichen Menschenverachtung.

Natürlich schreibt der Facharzt für Gastroenterologie (also für alles was auf den Magen schlägt und übel riecht) das nicht nur auf seinem verdrucksten Blog „The Daily Franz“. Er braucht das große Publikum der Plattform Fisch+Fleisch. Die tut ihm den Gefallen. Die Vorgehensweise: Relativ harmlose Beiträge werden als sogenannte „Top-Blogposts“ auf der Eingangsseite gehalten, und sie werden zusätzlich per Social-Media beworben und gepusht. Das steigert die Reichweite des Marcus Franz, der sich dann auch erhöhter Wahrnehmung seiner übrigen Traktate erfreuen kann.

Die Publikationspolitik von Silvia Jelincic (Herausgeberin) und Steven Hartung (stv. Chefredakteur) war -> schon -> bisher -> bemerkenswert. Sie sollten es langsam besser wissen. Dass bei Herrn Dr. Franz noch eine Besserung eintreten wird, darf dagegen bezweifelt werden.

N.B.: Sämtliche durch Linksetzung in Bezug genommenen Präsenzen und Inhalte sind am 03.02.2017 beweisfest gesichert worden.
Beitragsbild: Screenshot, gemeinfrei
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