Wann mir der Appetit vergeht

Plastiknahrung – Zur Drecksverpackung kommt, was nicht auf der Produktbeschreibung steht

Vor einigen Tagen habe ich in meiner Timeline folgenden Tweet von Katrin Göring-Eckardt gesehen

und dazu u.a. die Antwort:

Dass der anonyme Anhänger der AfD keine Sympathie für Bündnis 90/die Grünen hegt, liegt in der Natur der Sache. Aber der Herr Meyer hat einen Punkt: Auch ich wusste in dem Moment nichts mit dem Hashtag #plastikfasten anzufangen.

Kapiert habe ich das erst mit dem Eintrag der wackeren grünen Fraktionsvorsitzenden im deutschen Bundestag bei Facebook vom 1. März:

Das scheint mir allerdings nicht Gebot der Stunde oder der Saison, sondern für eine dauernde 24/7/365-Anstrengung. Eine kleine Auswahl zu #plastic:

Von einer anderen Seite her ist es George Monbiot (u.a. the Guardian) länger schon mit #extremecivilisation angegangen, z.B.:

Einen dritten Zugang hat kürzlich Sebastian Dalkowski bei Zeit-online präsentiert: „Ich will Verbote!“ Was nicht nur 698 Kommentare generiert hat („wandern sie in eine Diktatur aus“; „Meine größte Kritik an unserem Staat, seit Jahrzehnten, ist genau die, dass ich nicht ‚erzogen‘ werden will“), sondern auch eine Antwort von „Salonkolumnisten“ Michael Miersch. In „Verbote sind gut. Mehr Verbote sind besser!“ hat Miersch das abgeliefert, was er wohl für eine Glosse hält, um Dalkowski im letzten Satz mit einem (vorsicht: Brüller!):  „Geh doch nach drüben 2.0“ eins über zu ziehen.

Dabei ist „mit den in Plastik verpackten Fertigsalaten“ samt Werkzeug einer der Tiefpunkte von Konsumverhalten erreicht. Wo im selben Supermarkt aus „Hygiene-“ oder „Frischhaltegründen“ alles Mögliche einzelverpackt ist, um dann in einer Gesamtverpackung zu landen, kommt mit Fertigsalaten ein regelrechter Hygiene- und Haltbarkeitsalbtraum in die Regale. Statt vieler Worte dazu der Artikel aus der Fachzeitschrift Labor & More „Verzehrfertige Blattsalate – von der Rohware zum Produkt“. Als KonsumentIn muss man schon sehr großes Vertrauen in den Hersteller haben, dass alles das -von Erregern über das Prozesswasser bis hin zum Einsatz keimhindernder Stoffe-, was nicht auf der Verpackung steht, tatsächlich zu einer Verzehrfähigkeit führt. Oder man ist einfach bedenkenlos. Wie sieht es da erst bei bereits gepellten und stückig präsentierten Früchten aus?

Dem stehe, so ein österreichischer Spezialist der u.a. damit sein Geld verdient, „Einfachheit, Komfort und Nutzen beim Gebrauch gegenüber. Convenience ist also das Bedürfnis nach Optimierung der verfügbaren Zeit bzw. das Bedürfnis nach der ’ständigen‘ Verfügbarkeit von Lösungen. Convenience Kunden verlangen Lösungen die ‚just in time‘ sind und haben ein starkes Bedürfnis nach Schnelligkeit (geringer Suchaufwand), Sorglosigkeit, Flexibilität als auch Einfachheit. Synonym(e) zu Convenience sind Bequemlichkeit oder Dienlichkeit“.

Ich finde das eine sehr objektive Beschreibung, die die Sorglosigkeit nicht ausspart, und ich habe ein Problem damit, Sorglosigkeit (im Gegensatz etwa zu Sorgenfreiheit) als „starkes Bedürfnis“ zu bezeichnen. Ist das nicht gerade der Wertungswiderspruch, den Göring-Eckardt und Dalkowski ansprechen?

 

Beitragsbild: “ Fertiggerichte von Aldi-Nord (2016)“; Autor: GeoTrinity
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:CF_Fertiggerichte.jpg
Lizenz: Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“

 

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