Warum der dumme OPC-Franz wichtig ist

Wenn ich den Fleiß und die Ausdauer sehe, mit der der Kollege e2m hier das Tagesgeschehen filetiert, bin ich ein wenig wehmütig. Während des Studiums hatte ich nicht geahnt, wieviel Ressourcen so ein Arbeitsleben verbrauchen kann (ja, lacht nur alle). Es ist nicht so, dass ich keine Ideen hätte oder es nicht genug Themen gäbe. Es fehlt meist etwas, was mich aus dem Sessel an die Tastatur zieht. Natürlich ist es ein Luxusproblem, und selbst das Wort „Problem“ erscheint zu groß, doch es ist etwas, was mich stört. Das schöne am Bloggen ist, dass ich meine Sorgen teilen kann.

Vor einigen Wochen schrieb ich einen mehr launigen als tiefgehenden Beitrag über die Behauptungen vom sogenannten OPC-Franz. Mir waren ein paar YouTube-Clips geschickt worden, und die hatten es in sich. Nachzulesen in dem Text.

In den Kommentaren wurden Mängel meiner Recherche angemerkt. Dort wurden Paper angeführt, die die angebliche Wirkung des angepriesenen Wunderstoffes belegen sollten. Tun sie nicht, aber das hatte ich im Text nicht ausreichend dargelegt. Da war also auf der Faktenebene Luft nach oben. Aber das war auch nicht sein Ziel. Ich danke allen KommentatorInnen, das Thema habe ich mir auf die Agenda geschrieben, wenn wieder Ressourcen dafür vorhanden sind.

Über den Text bin ich trotzdem froh. Denn ich habe im Netz nichts wirklich Kritisches über den Hohepriester vom heiligen Traubenkern gefunden. Mir lag daran, einen unterhaltsamen und informativen Text zu schreiben (ob mir das gelungen ist, mögen andere entscheiden).

Woran es Texten, die ein wissenschaftlich kritisches, aufklärerischen Weltbild vermitteln wollen, nicht selten mangelt, ist die Zielgruppe auch emotional anzusprechen. Quacksalber und Scharlatane können das hervorragend, und sie sind unter anderem deswegen zu erfolgreich*. Sie erzählen Geschichten. Geschichten errreichen uns Menschen viel besser als Daten. Egal wie aussagekräftig die Daten sind.

Mir selbst macht es darüberhinaus mehr Spaß, Geschichten zu erzählen als Daten darzustellen. Und Spaß ist eine Motivation zu schreiben. Mir ist jedoch wichtig, dass Daten meine Geschichten stützen, sie sind ihr Fundament. Ich denke, in aufklärerischen Blogs und Medien wird das oft nicht gemacht. Zum Teil wird darüber die Nase gerümpft, die emotionale Aufladung von Informationen gilt als unseriös.

Vergessen wird dabei, dass beispielsweise Eltern, die Angst vor Impfungen ihrer Kinder haben, diese Angst nicht durch Fakten genommen wird. Zumindest nicht nur durch Fakten. Die Fakten müssen auf eine Art und Weise vermittelt werden, die die Angst mindert, die beruhigt. Das funktioniert nur, wenn man die Angst erst einmal ernst nimmt. Und zwar egal wie irrational sie sein mag. Angst, die uns dazu bringt unsinnig zu handeln, ist nämlich immer irrational, und es gibt wohl kaum jemanden, der solche Ängste nicht kennt.

Ich habe mich gewundert, wie viele Reaktionen der Text über den dummen OPC-Franz hervorgerufen hat. Meine Erklärung dafür ist, dass der Text emotional genug war, um Menschen zu ermuntern, ihre Unzufriedenheit mit dessen Aussage mitzuteilen.
Zu den Aussagen stehe ich und bin der Ansicht, die Daten unterstützen sie. Auch wenn die nicht alle im Text stehen.

Zuletzt möchte ich dem Herr Robert Franz danken, dass er es geschafft hat, mich emotional genug zu berühren, um mich aus meinem Sessel an die Tastatur zu locken.

*Meine These, dafür habe ich keine Daten

2 Gedanken zu “Warum der dumme OPC-Franz wichtig ist

  1. Lieber Merdeister,

    genau darin liegt die Lösung vieler böser Konflikte bis hinein in die große Politik: Weder die Anderen noch sich selbst ganz ernst nehmen und die grotesken Askpekte daran mit Humor geniessen.
    Humor lockert die Fronten und regt zu unverkrampftem Nachdenken an!

    Weiter so!

  2. Das Problem ist oftmals nicht das alternative „medizinische“ Produkt per se, sondern die unversöhnliche Auseinandersetzung oder Herabsetzung der Protagonisten untereinander. Der lachende Dritte ist dann der Scharlatan, der mit dubiosen Versprechen und Mittelchen viel Geld verdient. In vino veritas, ob das den Traubenkern mit einschließt, sei mal so dahin gestellt.

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