aufgefasst&abgebissen 17/12

Nachlese der 12. KW

Ein bißchen spät für die Woche, aber diese Story von Paula Scheidt „Meine verirrten Freunde“ (Das Magazin, 11.3.2017) ist einfach zu schön, um nicht mitgenommen zu werden: „Was tun, wenn im Bekanntenkreis Verschwörungstheorien populär werden?“

Michael Miersch: Bild-schöne Klima-Demagogie (Der Klima-Lügendetektor, 15.03.2017): Die Bildzeitung hatte aufgemacht mit „Naturschützer warnt vor Klima-Hysterie“, und der Naturschützer ist Michael Miersch. Den hatten wir Ausrufer erst kürzlich in „Wann mir der Appetit vergeht“ auf dem Radar. Jetzt also der nach Schournal- und Kolumnisten sich als der Vögel bester Freund neu erfindende Miersch, der andere Naturschützer als hysterisch bezeichnet.

Wie ich McDonalds lieben lernte: Spaß beiseite, es geht um das Hacken bekannter Twitter-Accounts, um mit ihnen Leute zu beleidigen. So ist es dem US-Bouletten-Brater ergangen, der plötzlich als Trump-Gegner dastand, schreibt Abby Ohlheiser in der Washington Post (16.3.2017) in ihrer hübschen kleinen online-Reportage.

„The Mercers and Stephen Bannon: How a populist power base was funded and built“ (Matea Gold, Washington Post, 17.03.2017): Gold beschreibt, dass und wie Robert Mercer und seine Tochter Rebekah Mercer in der Vergangenheit die Hauptsponsoren von Stephen Bannon waren: Bei seinen filmischen Tätigkeiten, dem von ihm mit Peter Schweizer gegründeten Government Accountability Institute, bei Breitbart News. Eine Neuigkeit, die mir bisher nicht so bekannt war: Mercer soll sich finanziell auch bei Cambridge Analytica engagiert haben, wo Bannon im Vorstand saß, bevor er seinen Job an Trumps Seite im Weißen Haus angetreten ist. Die Datenanalysefirma ist hierzulande bekannt geworden durch den Artikel „Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt“ von Hannes Grassegger und Mikael Krogerus (Das Magazin, 3.12.2016). Das Stück von Matea Gold bestätigt einmal mehr die Weisheit, dass die Spur des Geldes immer eine sehr ergiebige ist.

Francis Fukuyama: „Das Ende der Geschichte ist vertagt“ (Neue Zürcher Zeitung, 18.3.2017) – Spoileralarm, Fukuyama hat sich geirrt. Ein Interview.

Ein rassistischer Rentner kämpft im Regen für ein rauchfreies Deutschland (immerabgelenkt.de – Digitale Zweigstelle der Indie-Autorin Juliane Ungaenz, 19.3.2017): „Vorurteile gegenüber Zugewanderten stimmen meist nicht. Vorurteile gegenüber deutschen Rentnern aber schon.“

„Ein Tweet und seine Geschichte“ (Primamuslima, 19.3.2017): „Merve Kayikci, die mutige Muslimin, war also spät dran an jenem Montagmorgen, es hatte eine Streckensperrung gegeben, sie wartete auf ihren Anschlusszug, ihre Vorlesung sollte in wenigen Minuten beginnen. Plötzlich hörte sie das Wort „Bombenlegerin“ hinter sich.“ Es ist nicht zuletzt eine Geschichte menschlicher Solidarität gegen äußerlich gepflegt auftretende, innerlich im Mark verrottete „Doitsche“.

Mit der Anhörung von Neil Gorsuch für den Posten im Supreme Court beginnen auch die Fragen nach der künftigen Haltung der Bundesgerichte zu Umweltfragen in den USA. In „How Trump’s Supreme Court Pick Quietly Wipes Out Environmental Cases“ (Mother Jones, 20.3.2017) beschreibt Rebecca Leber die unterschiedlichen Strategien und Taktiken der Verbände, um dem zu erwartenden Roll-Back zu begegnen. Im Februar hatte sich auch Stephanie Mencimer ebenfalls bei MoJo mit Gorsuch beschäftigt und ist der ziemlich beunruhigenden Frage nachgegangen „Does Donald Trump’s Supreme Court Nominee Believe the Constitution Is God’s Law?“

„‚Bürger für Erfurt‘: Ein Blick hinter die Kulissen“ (thueringenrechtsaussen.wordpress.com, 20.3.2017): Der sorgfältig recherchierte Beitrag zeigt die ideologischen und personellen Zusammenhänge zwischen NPD, des sich als aktivistische Bewegung verstehenden Vereins „Ein Prozent“ (Kubitschek, Elsässer, Tillschneider u.a.), Identitäre, AfD und einer vermeintlich bürgerlichen lokalen Rechten. „Mit dem Aufstellen zahlreicher Holzkreuze auf einem fremden Grundstück, um eine Moschee im Erfurter Ortsteil Marbach zu verhindern, schafften es die vermeintlich bürgerlichen Rechten bundesweit in die Presse. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt Rassismus, Gewalt-Aufrufe, Antisemitismus und Verherrlichung des  Nationalsozialismus und Verbindungen zur NPD-Jugendorganisation.“

„Verschlimmbessern“ (dame.von.welt, 22.3.2017): „Können Sie eine Trennschärfe zwischen ‚bloßer Neugier‘ und ‚begründetem‘ bzw. ‚gerechtfertigtem öffentlichem Interesse‘ ausmachen?“ Die Bloggerin setzt sich mit der Änderung von Richtlinie 12.1 im Pressekodex auseinander. Darin geht es um die Berichterstattung über Straftaten und die Erwähnung von ethnischen, religiösen und anderen Zugehörigkeiten der mutmaßlichen Täter. Eine fundierte Kritik mit, wie bei dame.von.welt üblich, weiterführenden Links u.a. zu Udo Stiehl: Der Pressekodex öffnet sich für die „Lügenpresse“-Verschwörer.

„George Weinberg Dies at 87; Coined ‘Homophobia’ After Seeing Fear of Gays“ (New York Times, 22.3.2017): Der Psychotherapeut George Weinberg ist gestorben. Er hat den Begriff „Homophobie“ geprägt. „The term stood a central assumption of heterosexual society on its head by locating the ‘problem’ of homosexuality not in homosexual people, but in heterosexuals who were intolerant of gay men and lesbians.“ Ein Nachruf auf den Mann, der daran beteiligt war, zu belegen, dass Homosexualität nicht mehr ist als eine weitere Möglichkeit Sexualität zu leben.

 

 

Beitragsbild: Promotional still for the American film The Bait (1921) with director Maurice Tourneur and lions
Autor: Exhibitors Herald (Sep. 1920) on the Internet Archive
Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:The_Bait_(1921)_-_5.jpg
Lizenz: gemeinfrei
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