aufgefasst&abgebissen 17/13

Nachlese der 13. KW

Hauptthema waren Europa, die EU, Demokratie und Despotie

Der Historiker Timothy Snyder („Black Earth“) beschäftigt sich mit der Frage, wie konkret unter den gegenwärtigen Bedingungen die Gefahr ist, dass die USA, aber nicht nur diese, zu einer Despotie werden. „Wir sollten nicht warten, bis die Institutionen uns helfen, sondern umgekehrt den Institutionen helfen“. Ein Interview mit dem in Wien erscheinenden Magazin Profil („Natürlich fürchte ich mich“). Eine Besprechung seines neuen Buches „Über Tyrannei – Zwanzig Lektionen für den Widerstand“ bei Spiegel-online, damit es noch leichter geht als Diashow.

Der Titel „Es werde Licht“ ist zwar ein wenig pathetisch. Aber Claus Leggewie zeigt in seinem Artikel über die Zukunfstperspektiven der EU etliche Punkte auf, die nur selten so in der Öffentlichkeit erörtert werden. Zum Beispiel, dass die EU von echten Feinden umgeben ist, von einem türkischen Staatschef etwa, der seinem Weg in die Alleinherrschaft Amok laufe oder einem russischen, dessen Ambition es sei, die EU zu spalten: „Und wenn Putin nicht die Idee, Institution und Sicherheitsarchitektur des Westens herausforderte, würde das der erste Mann in den USA auf seine vulgäre, unwissende und chaotische Weise erledigen.“

Seit dem Brexit und entsprechenden Bemühungen der Schweizerischen Volkspartei ist bekannt, dass eine Säule der EU, die der Personenfreizügigkeit stark angesägt wird. Was es damit in Zahlen und Fakten auf sich hat, hat René Höltschi in der NZZ (ch) untersucht: „Personenfreizügigkeit – ein Auslaufmodell?“

Deutlich pessimistischer sieht Navid Kermani die Zukunft der EU. Das vollständige Interview bei deutschlandfunk.de.
Übrigens: Zur gleichen Zeit, als in Rom die EU-Staats- und Regierungschefs die neue Erklärung zur Union unterschrieben und in den Straßen der italienischen Kapitale alle möglichen Gegendemos abliefen, hat ein anderes Oberhaupt seine Schäfchen um sich geschart. Eine Million waren in Mailand und Monza auf den Beinen, um Papst Franziskus zu sehen und zu hören. Einige fotografische Impressionen via repubblica.it.

Dem ausufernden Pessimismus kann noch immer die konkrete Utopie entgegengesetzt werden, die Ulrike Guérot und Robert Menasse 2016 bei Le Monde Diplomatique entworfen haben: „Lust auf eine gemeinsame Welt“.

Weil Deutschland im Europäischen Kontext eine immer bedeutendere Rolle zugewiesen wird, schadet auch nicht der Blick von außen. „Echt deutsch – How the refugee crisis is changing a nation’s identity“ bei Harper’s Magazine (New York).

In den USA wird die Rolle rückwärts weiter geprobt

Gerade hat US-Justizminister Jeff Sessions den Sanctuary Cities in den USA mit der Rückforderung vergangener und der Streichung künftiger Bundeszuschüsse gedroht, wenn sie sich nicht den Maßgaben der Trump-Administration beugen. The Guardian berichtet, wie papierlose Arbeiter „vom Feld, auf den Truck, bis auf den Teller amerikanische Städte ernähren“ (en).

Auch in Sachen Klimaschutz sind die USA auf der Rolle rückwärts. Zusammenfassung bei Toralf Staud (Zeit-online) mit ansehnlichen und lesenswerten Verlinkungen auf andere Medien.

Da klingt der Kommentar von Joachim Wille „Trump Strohfeuer“ eigentlich mehr nach einem klassischen Pfeifen im Wald.

Nicht nur in den USA läuft, was Klima- und Umweltschutz angeht, sehr vieles verkehrt. Nur noch selten kommt heute in die Leitmedien, wie es um die Landwirtschaft hierzulande bestellt ist. So etwas wie „Die Perversion der modernen Agrarwirtschaft“ hat außerhalb spezialisierter Medien dann kaum Platz. Cathrin Kahlweit schreibt in der SZ sehr eindrucksvoll über den Dokumentarfilm „Bauer unser“ von Robert Schabus: „Menschen auf Maschinen bei der Arbeit. Individuell und doch verwechselbar in einer Industrie, in der es nur nach vorn geht, weiter, größer, mehr. Mehr Investitionen, mehr Tiere auf mehr Quadratmetern, 320 Eier pro Huhn pro 14 Monate, 30 000 Liter Milch pro Kuh pro Jahr, mehr Düngemittel und Pestizide.“ Ein Hofbericht wider die Natur.

Last, but not least

YouTube setzt Filter für Beiträge der LGBT-Community, hat Libby Watson von gizmodo geschrieben (mit Updates). Auch  queer.de ist nicht sonderlich amused.

Und die Frau sei dem Manne untertan – Diana und Charles waren praktisch gleich groß. Auf den Abbildungen erschien sie aber immer einen Kopf kleiner. Dafür musste sie oft in die Knie gehen. Eine nicht ganz so amüsante Story bei Rue89 (fr.).

Beitragsbild: Promotional still for the American film The Bait (1921) with director Maurice Tourneur and lions
Autor: Exhibitors Herald (Sep. 1920) on the Internet Archive
Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:The_Bait_(1921)_-_5.jpg
Lizenz: gemeinfrei
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2 Gedanken zu “aufgefasst&abgebissen 17/13

    1. Ich bin mir nicht sicher, ob sich Misanthropie mit „Westen“ oder „Lebensstil“ übersetzen läßt.
      Aber nett, dass Sie vorbeigeschaut haben, einsiedler

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